Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Den Gürzenich op der Kopp gestellt: Dreigestirn erstmals von Oberbürgermeisterin proklamiert

Köln -

Wie lässt sich eine Stadt „op der Kopp“ stellen, die ohnehin gerade kräftig durchgeschüttelt worden ist? Das selbst gewählte Motto dieser Karnevalssession katapultierte die Verantwortlichen des Festkomitees bei der prunkvollen Proklamation des Kölner Dreigestirns am Freitagabend auf eine heikle Mission. Der Jubel für das Dreigestirn der Prinzen-Garde fiel genauso frenetisch aus wie es Jahr für Jahr im fein dekorierten Gürzenich üblich ist, nur der Stuhl des am Nachmittag vom Amt entbundenen Polizeipräsidenten Wolfgang Albers war erwartungsgemäß leer geblieben. Der Stimmungs-Schleier der Silvester-Nachwehen verzog sich jedoch schnell.

Oben ist unten, das Ende der Anfang

Bevor Prinz Thomas II. (Thomas Elster), Bauer Anton (Ulrich Anton Maslak) und Jungfrau Johanna (Jörg Hertzner) auch nur in den Saal spingksen durften, sangen die Musiker von Kuhl un dä Gäng „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und der „Dä Nubbel“ hielt den Abgesang auf die Session. Michael Hehn, gerade erst von der Kölsch-Akademie als bester Nachwuchsredner ausgezeichnet, reimte sich mehr schlecht als recht durchs stadtpolitische Chaos. Und unter der Saaldecke turnte Artist Kai Lecrerce, der schon beim Circus-Festival in Monte Carlo auftreten durfte.

Der einstimmende Prolog blieb wie schon vor zwei Jahren dem Bergisch Gladbacher Kabarettisten Ferdinand Linzenich vorbehalten, der deutlich bissiger agierte als bei seiner Premiere. Er stellte das Leben auf den Kopf – vom Tod bis zur Zeugung, beschied der Kölner Polizei Tauglichkeit für jede „Bananenrepublik“ und rehabilitierte Oberbürgermeisterin Henriette Reker für ihren unglücklichen „Immer eine Armlänge Abstand halten“- Ratschlag an die Opfer der Kölner Silvesternacht. „Sie hatten es nicht leicht. Den Shitstorm haben sie nicht verdient“, urteilte er. Der anschließende Applaus der gut 1000 Gäste war groß.

Reker gab sich als Agrippina

Viel Beifall erhielt Reker auch für die Proklamation des Trifoliums, für die sie in die Rolle der Stadtgründerin Agrippina schlüpfte und die drei Herren mit durchaus spürbarer Freude in kölscher Sprache einem kurzen Köln-Test unterzog. Von Jungfrau Johanna wurde Reker lässig als „leev Leckerche“ begrüßt. So ist das im Karneval. Auf der Bühne präsentierte das Trio eine gereimte Hommage an die Stadt – und rockte den Saal mit kölschem Liedgut wie „Kölsche Jung“ von Brings.

Die Damen tragen edle Kleider, die Herren Smoking, wenn das Festkomitee zur Proklamation lädt, die durch galahafte Extravaganz bestechen soll. Opern- und Musical-Sänger Norbert Conrads zelebrierte mit der Jungen Sinfonie Karnevals-Klassiker, der Jugendchor St. Stephan sang ebenso wie Ludwig Sebus (90 Jahre jung), die Wise Guys boten beste A capella-Unterhaltung. Die Stimmung litt auch dieses Jahr darunter, dass viele Gäste ihre Privat-Party ins Foyer verlegt hatten. Klüngelköpp, Brings und Höhner belebten spürbar die Stimmung der knapp fünfstündigen und recht langatmigen Dreigestirns-Inthronisierung.

Nicht nur Kölner Prominenz anwesend

Strahlkraft übt die Proklamation, souverän moderiert von Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach, vor allem auf die Kölner Prominenz aus, Kardinal Rainer Maria Woelki und Stadtsuperintendent Rolf Domning schunkelten im Saal. Für bundespolitischen Glanz sorgten Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die Abgeordneten Volker Beck (Grüne) und Wolfgang Bosbach (CDU) sowie die Landesminister Norbert Walter-Borjans und Michael Groschek.

Ausgestrahlt wird die Proklamation am Sonntag, 10. Januar, um 20 Uhr im WDR-Fernsehen.