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Kölnische Rundschau | Erstes Urteil nach Hogesa-Krawallen : „Sie ist nicht die unschuldige Frau“
02. February 2015
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Erstes Urteil nach Hogesa-Krawallen : „Sie ist nicht die unschuldige Frau“

Die Angeklagte soll bei der Hogesa-Kundgebung in Köln eine Flasche auf Polizisten geworfen, Beamte beleidigt und den Hitlergruß gezeigt haben.

Die Angeklagte soll bei der Hogesa-Kundgebung in Köln eine Flasche auf Polizisten geworfen, Beamte beleidigt und den Hitlergruß gezeigt haben.

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dpa

Köln -

Die Gegensätze sind drastisch. Auf einem Videofilm im Gerichtssaal ist eine schreiende, wild gestikulierende junge Frau zu sehen. Auf der Anklagebank sitzt eine eher schüchterne 21-Jährige, die für ihre Entschuldigung an zwei Polizisten ihre Lippen kaum auseinander bekommt.   Es ist kaum zu glauben, dass diese zierliche Frau  für den „Wut- und Hassausbruch“   verantwortlich ist, wie es die Staatsanwaltschaft formulierte.   Im ersten Prozess um die Krawalle bei der Demo „Hooligans gegen Salafisten“, die sich am 26. Oktober 2014 in Köln ereigneten, musste die 21-Jährige als erste Teilnehmerin vor Gericht erscheinen.

Die Kammer verurteilte die Auszubildende wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Den Urteilsspruch quittierte die junge Frau mit einem kurzen  Nicken.  Den Vorwurf des Zeigens des Hitlergrußes  wurde der 21-Jährigen im Urteil nicht zur Last gelegt. Staatsanwaltschaft und Richter gehen davon aus, dass die Frau die Polizisten  damit beleidigen wollte und sie keine rechte  Gesinnung habe. Eine Verurteilung wegen des Zeigens des Hitlergrußes könne nur passieren, wenn dies auch „inhaltlich zu  eigen gemacht wurde“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Angeklagte sei „Teil eines Geschehens gewesen, das außer Kontrolle geraten ist“, so der Richter weiter.  Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall neun Monate auf  Bewährung gefordert.

Der Anwalt der 21-Jährigen zeichnete in einer Einlassung das Bild einer jungen Frau, die aus gesicherten sozialen Verhältnissen komme, ihr Leben im Griff habe und weder mit der Hooligan-Szene  noch mit Rechten oder Linken in Verbindung stehe. „Sie ist gegen Salafisten und war deswegen bei der Demo“, sagte Anwalt Karl-Christoph Bode. Was bei der Veranstaltung passiert sei, „hätte sie besser nicht gemacht“. Seine Mandantin sei  bei der Demo von Pfefferspray getroffen worden und danach „stocksauer“ gewesen, so Bode weiter. 

Einer Polizistin aus Wuppertal war die betrunkene 21-Jährige im Getümmel auf dem Breslauer Platz aufgefallen, weil sie einen sehr aggressiven Eindruck machte, die Beamten mit Fäkalvokabular beleidigt und drei Mal den Hitlergruß gezeigt habe. „Dieser Einsatz wird mir immer im Gedächtnis bleiben“, sagte die Beamtin. Die Brutalität der Teilnehmer sei „außergewöhnlich“ gewesen.  Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn betonte in seinem Plädoyer, dass die 21-Jährige schon Erfahrung mit Demonstrationen haben müsse und dort nicht zufällig hereingeraten sei. „Sie ist nicht die unschuldige Frau“, stellte der Ankläger klar.  Doch warum die Auszubildende ausgerastet sei, konnte gestern nicht geklärt werden. Einen Einblick in ihr Seelenleben verwehrte die 21-Jährige den Prozessbeteiligten und schwieg.