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Flughafen Köln-Bonn: „Am schlimmsten sind die MD-11“

Der Flughafen Köln/Bonn

Der Flughafen Köln/Bonn

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dpa

Köln -

Erst tauchen nur ein paar Lichtpunkte am Nachthimmel auf. Dann schwillt der Lärm der Triebwerke an. Als der Flieger hoch über den Köpfen vorbeidonnert, zeigt Walter Hoffmann (78) auf sein Messgerät. Es zeigt 83 Dezibel an. „Das war eine MD-11. Das sind die schlimmsten“, sagt er.

83 Dezibel, das ist vergleichbar mit Straßenlärm, Kinderschreien oder einem Staubsauger. Hoffmann hat diesen Wert gestern frühmorgens um 5.17 Uhr in einem Wohngebiet in Siegburg gemessen. Der Kölner sitzt im Vorstand der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) und kämpft seit 39 Jahren gegen die Lärmbelastung am Flughafen Köln-Bonn.

Zwei prominente Mitstreiterinnen gesellen sich gestern an seine Seite: Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU) aus Köln und die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Beide informieren sich vor Ort über den Lärm, den die Maschinen nachts verursachen. „Man wird davon wach. Und dann kann man nicht mehr einschlafen, weil kurz darauf die nächste Maschine kommt“, sagt Hoffmann. Er lebt in Rath-Heumar, das ähnlich stark vom Fluglärm betroffen ist wie die Schneise in Siegburg. Insgesamt 47 Flüge zählt er zwischen 3 Uhr und 5.20 Uhr – im Schnitt einer alle drei Minuten.

Staatssekretärin Heinen-Esser äußert Verständnis für die Nöte der lärmgeplagten Bürger. Sie fordert den Verzicht auf nächtliche Passagierflüge in Köln-Bonn und ein Mediationsverfahren mit allen Beteiligten – dem Flughafen, den Airlines, der Wirtschaft und den betroffenen Anwohnern. „Geklärt werden soll: Wie schaffen wir es, den nächtlichen Fluglärm zu reduzieren – beispielsweise indem wir die Maschinen leiser machen.“

Offen ist weiterhin, ob sich die rot-grüne NRW-Landesregierung mit ihrem Plan durchsetzen kann, am Flughafen Köln/Bonn ein generelles Verbot für Passagierflüge zwischen 0 Uhr und 5 Uhr zu erwirken. Der dazu im April gefasste Beschluss wird derzeit noch beim Bundesverkehrsministerium geprüft, dem die Fach- und Rechtsaufsicht obliegt. Betroffen wären rund 6000 Starts und Landungen pro Jahr.

Flughafen-Chef Michael Garvens erklärte auf Anfrage der Rundschau: „Wir nehmen das Thema Nachtfluglärm sehr ernst, sind aber der Meinung, dass Verbote nicht weiterführen.“ Die Forderung von Heinen-Esser nach einem Mediationsverfahren werde er mit ihr in einem persönlichen Gespräch erörtern, so Garvens: „Grundsätzlich gilt aber: Wir wollen die besonders lauten Flugbewegungen sukzessive verringern und bieten den Airlines deshalb vergünstigte Landegebühren, wenn sie leisere Maschinen einsetzen.“ Das im April gestartete Programm habe bereits dazu geführt, dass FedEx inzwischen die Hälfte seiner Flüge mit der leiseren Boeing 777 abwickele. „Das sehen wir als schönen Erfolg.“ Man sei mit weiteren Airlines im Gespräch, so Garvens.

Fluglärm-Kritiker Hoffmann ist das zu wenig: „Eine laute Maschine kostet nur 200 Euro mehr pro Start und Landung als die leiseste. Das zahlt die Airline doch aus der Portokasse.“ Er fordert Vorschriften, Nachtfluglärm auf 70 Dezibel zu begrenzen – „dann wäre das Problem weitgehend gelöst“.

Sollte ein Verbot für nächtliche Passagierflüge kommen, behält sich der Flughafen rechtliche Schritte vor, sagte Garvens. „Wir warten dazu die Entscheidung aus Berlin ab, gehen aber davon aus, dass wir eine gültige Nachtflugerlaubnis bis 2030 haben, die sowohl Fracht- als auch Passagierflüge einschließt.“