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Grabstein mit QR-Code: Eine andere Form der Erinnerung

Aus vier Marmorstücken einen QR-Code zusammensetzen: Andreas Rosenkranz zeigt, wie seine Idee funktioniert.

Aus vier Marmorstücken einen QR-Code zusammensetzen: Andreas Rosenkranz zeigt, wie seine Idee funktioniert.

Foto:

Belibasakis

Köln -

Früher gab es den Friedhof. Heute gibt es zudem Friedwald und Ruheforst. Und wenn Verstorbene verbrannt werden, können sich Angehörige sogar einen Diamanten aus der Asche fertigen lassen. Erinnerungs- und Bestattungskultur hat sich stark gewandelt. Immer mehr Menschen verzichten auf große Gräber, weil die Angehörigen weiter entfernt wohnen. Aber wo bleibt da noch Platz für Individualität?

Diese Frage hat sich der Kölner Steinmetz und Steinbildhauer Andreas Rosenkranz gestellt. Er suchte nach einem „Informationsträger, der mehr anbietet als Vor- und Zunamen, Geburts- und Sterbedaten“. Im vergangenen Jahr dann die Lösung: Seine Firma „steinart“ bietet QR-Codes auf dem Grabstein an. In den Naturstein oder andere Materialien werden speziell generierte QR-Codes eingemeißelt, die witterungsresistent und somit dauerhaft sind. Mit dem QR-Reader eines Smartphones oder Tablets kann der Code direkt am Grab ausgelesen werden. Mit dem Link gelangt man dann auf eine stetig aktualisierbare, selbst gestaltete Trauerseite, ein virtuelles Kondolenzbuch, eine Bilderseite oder Ähnliches. „Ganz wie die Angehörigen es wünschen“, sagt Rosenkranz. „Die Möglichkeiten im Internet sind ja nahezu unbegrenzt.“

Da die Fehlerquote beim Auslesen bei bis zu 30 Prozent liegen dürfe, könne er die Codes grafisch gestalten und verfremden. So hat er diesen auf einer Stele beispielsweise in Kreuzform gestaltet. Der Preis für diese Stele liegt bei rund 2000 bis 3000 Euro. „Diesen Stein haben wir beim Grabmal-TED von www.natursteinonline.de eingereicht“, erklärt Rosenkranz. Bis zum 31. August können Interessierte hier abstimmen. Ganz neu ist Rosenkranz’ Idee allerdings nicht. „Immer mehr springen jetzt auf den Zug auf“, sagt er. Erste Versuche hatte es in Skandinavien gegeben. Er sei aber der Erste in Deutschland – und die Besonderheit: Der QR-Code ist nicht mit einer Plakette am Grabstein befestigt, sondern eingraviert und dadurch dauerhaft. „Der Code ist ein sichtbares, künstlerisches Element, bei dem der Besucher selbst entscheiden kann, ob er es mit seinem Smartphone auslesen möchte“, sagt Rosenkranz.

Bedenken von Datenschützern kann er nicht nachempfinden. Vielmehr gehe es um die Möglichkeiten individueller Zusatzinformationen über den einzelnen Verstorbenen.

„Der Friedhof war früher der Ort der Trauer“, sagt der 48-Jährige. „Aber Trauer findet zunehmend auch im Internet statt.“ Der erste Stein mit QR-Code steht auf einem Bergisch Gladbacher Friedhof. In München hat er auf einer Grabfläche einen „Sockelstein“ mit Code frei positioniert. Rosenkranz: „Für diese nachgerüsteten Sockelsteine haben wir auch schon einige Anfragen.“

Eine weitere Idee hat der Steinmetz auch schon umgesetzt: „Come together“ nennt er die vier Marmorstücke, die in die Grabstele aus Granit eingefügt werden können. Seine Vorstellung: „Jeder Angehörige nimmt ein solches Stück mit, und an hohen Feiertagen treffen sie sich auf dem Friedhof, fügen sie zusammen und so ergibt sich der QR-Code.“

Das wiederum beruht auf einer sehr alten Tradition: Denn tatsächlich trafen sich früher die Angehörigen auf den Friedhöfen und feierten mit den Toten, aßen und tranken gemeinsam und erzählten den Verstorbenen die Neuigkeiten.

www.grabmal.info


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