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Halle 76 in Kalk: Den Abriss noch nicht besiegelt

Die Halle Kalk in der das Schauspiel untergebracht ist, und die zwei sich anschließenden Hallen 76 und 77 waren gestern Streitthema im Kulturausschuss. (Foto: Hanano)

Die Halle Kalk in der das Schauspiel untergebracht ist, und die zwei sich anschließenden Hallen 76 und 77 waren gestern Streitthema im Kulturausschuss. (Foto: Hanano)

Köln -

Der Kulturausschuss hat gestern Abend den Abriss der Halle 76 in Kalk ausgesetzt, den die Kulturdezernentin vorbereitet hat. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag von CDU und FDP wurde nach einer Unterbrechung der Sitzung modifiziert und dann einstimmig verabschiedet. Danach wird der Abriss ausgesetzt. Ziel des Moratoriums ist die Überprüfung von Alternativen zum Abriss. Auf dem Gelände steht die Halle 75, die derzeit vom Schauspiel genutzt wird, außerdem die Hallen 76 und 77, um die es ging.

Dem gestrigen Beschluss war eine lange, kontroverse Diskussion vorausgegangen, in deren Verlauf Dezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach erklärte, nachdem der Gutachter ihr bescheinigt habe, dass Gefahr für Leib und Leben bestehe, weil Teile der 84 Meter breite Westfassade der Halle 76 einsturzgefährdet seien, habe sie den Antrag auf Abriss vorbereitet. Wenn die Politik die Halle nun stehenlassen wolle, „werde ich rechtlich überprüfen lassen, wo die Verantwortung liegt, denn ich übernehme sie keine Sekunde mehr“.

Der Gutachter Holger Neugebauer berichtete, bei der Begutachtung 2011 sei aufgefallen, dass die Westfassade zum Ottmar-Pohl-Platz gravierende Mängel aufwies und bereits eine Verformung der Profile stattgefunden habe. Es wurden Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Außerdem sei die Südfassade zwischen der Halle 76 und 77 augenfällig gewesen, aber noch nicht so, dass Einsturzgefahr bestand. In einem erweiterten Gutachten im Februar 2015 sei dann an der Westfassade eine akute Gefahr festgestellt worden. Möglicherweise hätten herabstürzende Fassadenteile auch Teile der Hauptkonstruktion mitreißen können. Auf Nachfrage sagte Neugebauer, die Hauptstützen der Halle seien nicht von Korrosion betroffen. Daraufhin übten CDU und FDP heftige Kritik an der Dezernentin, sie habe diese Information wohl nicht an die Politik weitergegeben, weil ihr die Sanierung zu teuer erscheine. Diese Entscheidung zu treffen, sei aber Sache der Politik. Laugwitz-Aulbach hatte von dem Gutachter eine Konzeption für eine mögliche Sanierung erstellen lassen. Der kam dabei auf Kosten von Minimum neun Millionen Euro.

Die Stadt teilte mit, dass man über 20 Millionen Euro investieren müsste, wenn die Halle „höherwertig“ genutzt werden solle. (hap)