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Hobby-Gärtner: Kleingärten werden in Köln immer beliebter

Fühlen sich schon richtig heimisch: Natalie Neidhardt mit Sammy (l., zwei Jahre alt) und Leo (vier Jahre).

Fühlen sich schon richtig heimisch: Natalie Neidhardt mit Sammy (l., zwei Jahre alt) und Leo (vier Jahre).

Köln -

Die rosa Blütenpracht durchschreitet der Besucher fast wie ein Tor in eine andere Welt – dort angekommen, kann er die Kreativität und oftmals auch die eiserne Disziplin der Schrebergarten-Besitzer bewundern. Von Gartenzwergen-Kolonien bis zur fast schon überladenen Oster-Dekoration treibt das Hobby-Gärtnern manch bemerkenswerte Blüte.

So ein Garten macht auch Arbeit: Das Saatgut muss rechtzeitig rein, das Unkraut raus. Und auch sonst gibt es allerhand zu tun.

So ein Garten macht auch Arbeit: Das Saatgut muss rechtzeitig rein, das Unkraut raus. Und auch sonst gibt es allerhand zu tun.

Ein paar Gänseblümchen sind auf nahezu jeder Parzelle zu entdecken. Doch vereinzelt sieht man komplette Gärten, die kaum ein Fleckchen Erde erkennen lassen inmitten der wunderbaren Blumen- und Pflanzenvielfalt.

Das Rentner-Image ist passée

In den letzten Jahren sind es vermehrt Familien mit Kindern, die das Angebot rund um Köln nutzen und ihren „ausgelagerten“ Garten in vollen Zügen genießen. Das verstaubte Rentner-Image der Schrebergärten ist längst passé, auch auf dem Areal des Vereins „Kletterrose“ in Sülz finden alle Generationen zusammen. Die Veränderung ist schon an der Bezeichnung zu erkennen: Den Begriff „Schrebergarten“ kennt kaum noch jemand. Heute sind es „Kleingärten“ – wenngleich die so klein gar nicht sind.

Natalie Neidhardt hat ihren Kleingarten bereits in der dritten Saison, die Kinder sind hier voll in ihrem Element. Der zweijährige Sammy buddelt fleißig im Sandkasten, der vierjährige Leo hilft schon kräftig mit beim Herrichten der Beete. „Wir haben den Kleingarten an einem eiskalten Dezembertag erstmals begutachtet. Altpächter geben ihre Gärten eben meistens mitten im Winter auf“, erklärt die 35-Jährige.

In der ersten Saison habe man vieles ausprobiert – und die Ansprüche zum Teil gleich wieder heruntergeschraubt: „Wenn im April und Mai das Unkraut anfängt zu wachsen und zu wuchern, nimmt das den Großteil der Arbeit ein.“ Doch die Kinder würden stets mit eingespannt in die Arbeit. „Der Verein ist wirklich familienfreundlich, er sorgt für eine gute Mischung der Nutzer“, so Neidhardt.

Das eigenen Fleckchen Grün inmitten der Stadt

Die „Kletterrose“ gehört mit über 100 weiteren Vereinen zum Kreisverband Kölner Gartenfreunde. Man sei zwar relativ frei in dem, was man auf seiner Parzelle machen möchte, aber es komme immer darauf an, wie die eigenen Ansprüche und Ziele definiert würden. „Im ersten Jahr konnten wir eine Menge Salat ernten. Im Jahr darauf hat er leider den Schnecken zu gut geschmeckt“, erklärt die Kleingarten-Nutzerin.

Außerdem müsse der Hobby-Bauer sein Gemüse stets vorausschauend anpflanzen: Zucchini anbauen und dann zur Erntezeit im August in den Urlaub fahren – eher suboptimal. „Aber genau das ist ja die Kunst: dass überall etwas blüht und man die Zeit von Mai bis November auch wirklich ausnutzt“, sagt Neidhardt.

Manchmal wird es auch für Leo richtig handfest im Garten.

Manchmal wird es auch für Leo richtig handfest im Garten.

In diesem Jahr will die Familie versuchen, ihre „Erntespanne“ auszudehnen. Der Nutzen eines solchen Fleckchens Grün mitten in der Stadt ist für Natalie Neidhardt schnell formuliert: „Ich selbst bin auf dem Land groß geworden. Mir hat in der Stadt immer etwas gefehlt, besonders seit die Kinder da sind. Sie lernen hier eine Menge, in knappen Worten: Sobald wir in unserem Garten sind, ist alles gut.“

Trotz Arbeit ist Garten Urlaub vom Alltag

Anders als auf einem überfüllten Spielplatz seien hier bei gutem Wetter alle beschäftigt – und trotzdem kann man gleichzeitig die Ruhe genießen. Und es gebe noch einen weiteren Vorteil im Vergleich zu einem Garten direkt am Haus, erklärt die zweifache Mutter: „Wenn man hier ist, ist man hier. Man erledigt nicht noch schnell den Haushalt nebenbei. Wenn man abends nach Hause kommt, ist es, als sei man am Strand gewesen – eben einfach weg.“

Im Sommer möchte das Ehepaar Neidhardt sogar einmal mit den beiden Jungs in ihrem Garten übernachten. „Sie wissen nun, wie es sich anfühlt, eine Erdbeere selbst zu pflücken und sie nicht nur aus dem Supermarkt-Regal zu nehmen.“ Ein privates Stück Grün, das sei ganz besonders wichtig für die Kinder.

In dieser Saison möchte die Familie Salat, Spinat und Frühkartoffeln ernten und mit einer bunten Blumenwiese weitere Highlights setzen. Auch wenn man im Winter nur selten dort sei, sobald die Temperaturen steigen, sind die Neidhardts fast jeden Tag in ihrem Idyll – mitten in der Stadt.


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