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Hogesa-Krawalle: Bewährungsstrafe für Flaschenwerfer

Bei den Auseinandersetzungen auf der Turiner Straße wurden Polizisten massiv attackiert. (Foto: Schmülgen)

Bei den Auseinandersetzungen auf der Turiner Straße wurden Polizisten massiv attackiert. (Foto: Schmülgen)

Köln -

Der Angeklagte schließt die Augen und atmet durch. Soeben ist der 38-Jährige aus Herne einer Haftstrafe entgangen. Dass der aggressive Teilnehmer der Hooligan-Krawalle nur knapp an einer Fahrt in eine Justizvollzugsanstalt vorbeigeschrammt ist, wurde dem Maler und Lackierer am Ende des Plädoyers der Staatsanwaltschaft klar. „Es ist ihre allerletzte Chance“, betonte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Angesichts von 21 Vorstrafen gebe es eigentlich keine andere Alternative, als eine Haftstrafe zu fordern. Doch weil der Glasflaschen-Werfer mittlerweile in geordneten Verhältnissen lebt, eine gute Sozialprognose seiner Bewährungshelferin erhielt und fünf Jahre straffrei blieb, forderte Willuhn gestern eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung. Auch der Richter ließ noch einmal Milde walten und verurteilte den Vater von drei Kindern zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Auf der Anklagebank gab sich der 38-Jährige kleinlaut und zerknirscht. „Es war eine blöde Aktion. Ich entschuldige mich. Ich bin froh, dass niemand getroffen wurde“, sagte der Mann. Am 26. Oktober 2014 hatte der Angeklagte an der Turiner Straße eine Glasflasche aufgehoben und in Richtung einer Menschenmenge geworfen. Verletzt wurde dabei niemand. Der 38-Jährige sagte, er sei betrunken gewesen und mit Kumpels aus dem Ruhrgebiet nach Köln gefahren, ohne genau zu wissen, was auf dem Breslauer Platz los war. „Ich habe die ganze Nacht durchgemacht und bin dann einfach mitgefahren“, berichtete er. So richtig konnte der Richter das nicht glauben: „Am Hauptbahnhof angekommen, muss man nicht lange nachdenken, wo man angekommen ist.“ Doch der Angeklagte betonte, dass er kein Nazi und kein politischer Mensch sei. Nach dem Urteil verließ der 38-Jährige mit rotem Gesicht schnell den Gerichtssaal. „Ich will nur, dass es vorbei ist“, sagte er.

Für einen weiteren Hogesa-Teilnehmer (42) ist es noch lange nicht vorbei. Der Mann sollte im dritten Prozess um die Krawalle auf dem Breslauer Platz auf der Anklagebank Platz nehmen. Doch der mutmaßliche Glasflaschen-Werfer blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Der Vorsitzende Richter wartete eine halbe Stunde, dann verkündete er einen Haftbefehl. Der 42-Jährige soll gezielt eine Glasflasche in Richtung einer Polizistin geworfen haben. Die Beamtin konnte sich gerade noch wegducken. Auch dieser Mann hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft 21 Vorstrafen.