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Im Auftrag des Frohsinns: Ein Tag bei den Blauen Funken

Das Korps versammelt sich.

Das Korps versammelt sich.

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Belibasakis

Köln -

Erste Reihe, direkt am Mittelgang. Helmut Lobüscher, Korpsadjutant der Blauen Funken, hat seinen Stammplatz im Bus. „Funken op Tour“ verkündet ein Schild auf der Windschutzscheibe. Ein Gardist schleppt drei Kartons voller Orden aus dem Funken-Turm am Sachsenring und verstaut sie im Gepäckraum. Ein Kollege schiebt ein paar Kisten Bier hinterher, dann folgen Hut-Koffer und Standarten. „Morgen Männer“, grüßt Corinna Hambach, das Mariechen. Es ist 12 Uhr mittags, etwa 120 uniformierte Gardisten versammeln sich am Quartier des Korps.

Drei Busse sind erforderlich, um den Funken-Tross zu seinen Auftritten zu befördern. „Wer sitzt, der sitzt“, sagt Lobüscher, es ist eine der Regeln im Korpsleben. Sich nur die besten Auftritte rauspicken, ist tabu. Die letzte Reihe im Bus ist für das Tanzpaar reserviert – der Schminkkoffer ist immer dabei. „Aufsitzen“ ruft Dieter Post, der Spieß, dann lässt Dirk „Ecki“ Esser den Motor an, legt „Superjeilezick“ von Brings ein und los geht es. Sechs Auftritte, drei Städte, fast 15 Stunden Frohsinn.

Zum aktiven Korps gehören 170 Gardisten

Zum aktiven Korps der Blauen Funken gehören 170 Gardisten. Einer kommt sogar aus Süddeutschland und mietet sich ein Apartment, um möglichst viele Aufzüge bestreiten zu können. „Anmelden muss sich niemand. Die Jungfunken sind ohnehin heiß auf die Auftritte“, weiß Lobüscher, der Adjutant. Dann stoppt der Bus. Ausladen, Aufmarsch, Abmarsch, weiter geht es. Etwa 30 Minuten dauert ein Auftritt.

Die Session ist kurz, die Auftritte sind eng getaktet. Lobüscher ordnet Tempo an, denn in 70 Minuten muss das Korps in der Neffeltalhalle in Nörvenich aufmarschieren. „Es gab beim ersten Auftritt direkt Verzug. Das ist kaum zu schaffen“, stellt Lobüscher leicht resigniert fest. Doch die Stimmung im Bus ist gut. Mal dröhnt Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ aus den Boxen, mal laufen Musikvideos Kölner Bands auf den Monitoren im Bus. „Ich bin karnevalserprobt“, sagt Busfahrer Ecki gelassen, in seiner Karriere hat er bereits zwölf Jahre die „Fidele Kölsche“ durch den Karneval gefahren.

Das „Wachblättche“ ist so etwas wie der Sessions-Fahrplan der Funken. Jeder Auftritt ist verzeichnet, jeder Ort, jede Uhrzeit. Von Nörvenich geht es für den Tross zurück nach Köln, ins Gymnasium Pesch. Weiter in den Chemiepark Knapsack zur Festsitzung der „Grossen Knapsacker“. Gegessen wird im Bus oder in den Foyers der Säle und Hallen. „Nach Karneval kann ich Fritten und Frikadellen nicht mehr sehen“, weiß Dirk Strack, Korporal und Artillerietänzer. Im richtigen Leben ist er Feuerwehrmann. Wieder öffnen sich die Ladeluken und Hüte und Standarten verschwinden im Bauch der Busse. „So, das war der nächste Aufguss“, sagt ein Gardist, dem Schweißtropfen über die Stirn rinnen.

Aufmarsch, Tanzen, Abmarsch

Wie ein abgekämpfter Haufen dürfen die Funken aber auch am Abend nicht aussehen. Über das Auftreten wacht Spieß Dieter Post, der seine Korpskameraden beim Einzug kritisch mustert. „Currywurstsoße an den Armaufschlägen ist der Klassiker“, erzählt er. Für solche Fälle trägt er Fleckenteufel in einer kleinen Tasche – und verweist auf die Mannschaftskasse. „Münzgeld nehme ich nicht an“, sagt er mit gespielter Ernsthaftigkeit. Über die Höhe der zu zahlenden Strafe dürfe jeder Funk selbst befinden.

Der Kristallsaal der Messe hält den Höhepunkt des Tages bereit. Eigene Sitzung, die Hütte ist voll, kurz vor neun am Abend ist es inzwischen. Sitzungspräsident Björn Griesemann begrüßt frenetisch das eigene Korps. Aufmarsch, Tanzen, Abmarsch. Statt den Abend an der Theke ausklingen zu lassen, nehmen die Männer wieder im Bus Platz. Über die A 57 geht die Reise durch die Nacht nach Krefeld. „Solche Abstecher sind nur beim letzten Auftritt möglich, sonst verliert man zu viel Zeit“, sagt Lobüscher.

Es ist 2.30 Uhr als die Busse am Funken-Turm ankommen.