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Kölnische Rundschau | Interview: „Kölsche Lieder klingen runder oder weicher“
12. August 2013
http://www.rundschau-online.de/2905806
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Interview: „Kölsche Lieder klingen runder oder weicher“

Köln -

Lassen sich manche Themen besser auf Kölsch als auf Hochdeutsch ausdrücken? 

Kölsch ist phonetisch dem Englischen näher als dem Hochdeutschen. Daher klingen kölsche Lieder meiner Meinung nach runder oder weicher und sind oftmals eingängiger. Andererseits lässt sich nicht alles auf Kölsch ausdrücken. Ein Lied über Windkraftanlagen an der Nordsee würde ich zum Beispiel lieber auf Plattdütsch hören. Am Besten gefallen mir die Lieder, in denen der typisch kölsche Humor zum Tragen kommt oder die im totalen Chaos enden. (lacht) 

Verändert sich auch der Charakter der Musik, wenn der Text kölsch ist?

Nein, auf Kölsch geht fast jeder Musikstil. Es gibt ja auch gar keine „kölsche Musik“ als solche, sondern nur Adaptionen der Weltmusik oder gängiger Poptrends. Die Bläck Fööss haben diese Einflüsse früher vor allem wegen der Live-Reproduzierbarkeit oft auf einen kölschen Nenner reduziert. Mittlerweile arbeiten immer mehr Bands mit Zuspielern. Dadurch funktioniert zum Beispiel der Sessions-Hit „Et jitt kei Wood“ wunderbar mit nur vier Musikern auf der Bühne. 

Dabbelju, Rhingtön, Pavement – es gibt einige kölsche Labels. Wie hat sich das entwickelt?

Anfang der 90er Jahre waren „kölsche Tön“ für den damaligen Musikdino EMI Electrola nicht mehr lukrativ genug. Künstler wie Marie-Luise Nikuta oder King Size Dick hatten plötzlich keine Heimat mehr. In dieses Vakuum stießen Pavement und ein Jahr später wir. Erste Kontakte zur kölschen Szene knüpfte ich über meine damalige Band „Blaumänner“ und über meinen Mentor, den 1998 leider verstorbenen Ex-Fööss-Keyboarder „Joko“ Jaenisch. 

Kämpfen die kölschen Labels denn gemeinsam für den Erhalt der kölschen Sprache? 

Die Kölsch-Labels bilden das „Big Business“ in einem Mikrokosmos ab. Da wird auch schon mal mit harten Bandagen gekämpft. Auf der anderen Seite sind die Wege aber kurz und man kennt und respektiert sich untereinander. Der Erhalt der kölschen Sprache und Kultur ist mir ein persönliches Anliegen. So unterstützen wir auch kölsche Lehrer-Fortbildungen und Projekte zur Frühförderung. 

Wo sehen Sie Potenziale für das kölsche Liedgut in Zukunft?

Momentan findet leider eine Banalisierung des Kölschen statt. Durch gute frische Bands wie Kasalla und Co. und durch die „Loss mer singe“-Bewegung wird zwar gerade eine komplett neue Generation fürs Kölsche sensibilisiert, jedoch beobachte ich, dass die meisten jungen Kölner die Sprache nicht mehr wirklich verstehen, geschweige denn richtig sprechen können. Mitsing-Konzerte aber sind eine gute Sache. Hier wird sich zeigen, ob auch die Post-Knipp-Ära große Werke hervorbringt, die durch Gesang weitergegeben werden. So lange es Autoren gibt, die nicht aus kommerziellem Kalkül heraus texten, sondern das Leben und die Menschen unserer Stadt in einer lebendigen kölschen Sprache abbilden, weed et wiggerjonn.