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Katastrophen-Szenario: „Windhose“ sorgt für Großeinsatz

Retter in der Klemme: In den engen Kellerräumen droht sich die Rettungstrage zu verhaken.

Retter in der Klemme: In den engen Kellerräumen droht sich die Rettungstrage zu verhaken.

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Schmülgen

Mächtig viel Wirbel am ehemaligen RTL-Sendezentrum in Junkersdorf: Eine Windhose hat das Gebäude mit voller Wucht erfasst. In Panik sind Anwohner und Arbeiter einer nahen Baustelle in die Tiefgarage geflüchtet, dabei in Schächte gestürzt und hilflos liegen geblieben. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, drohen in der völligen Dunkelheit nun auch noch die Decken über ihnen einzustürzen.

Eine wahrlich beklemmendes Ausgangslage, die sich das Technische Hilfswerk (THW) für seine diesjährige Nachtübung überlegt hat. Das Hauptaugenmerk des Katastrophen-Szenarios mit über 200 Teilnehmern liegt an diesem Abend auf Bergung, Beleuchtung und Elektroversorgung. „Wir sind jetzt in der Chaosphase“, erklärt Einsatzleiter Jens Bergemann, während Rettungsteams an ihm vorbei in die Tiefgarage stürzen. Im fahlen Licht ihrer Helmlampen liegen regungslose Körper. Von irgendwo her gellt eine verzweifelte Mädchenstimme: „Hilfe!“

Über das einstige RTL-Gelände verteilt liegen Leichen und Verletzte. Doch die Leichen sind nur Puppen und die Verletzten nur geschminkt. Einer der 20 freiwilligen Darsteller, die soeben noch in den entkernten Gängen vor sich hingestöhnt haben, ist Danilo (22). „Ich war heute Peter Kloeppel in Not“, scherzt er. Im Spiel habe er einen Schock gehabt, dazu taube Beine. Um Verletzungen glaubhaft simulieren zu können, wurden alle Darsteller extra geschult.

Für zusätzlichen Stress bei den Rettern sorgt „Paulchen“: Aus der Kinderpuppe dringt Baby-Geschrei. „Damit es real ist“, erklärt Corinna (22) vom DRK aus Pforzheim, die eine bewusstlose Mutter gespielt hat. Und während es in der Verletztensammelstelle zugeht wie im Taubenschlag, im Minutentakt Schwerverletzte hereingetragen werden, kleidet sich Corinna schon für ihre neue Rolle um: Sie soll eine renitente Anwohnerin spielen, die vom Lärm der Bergungsarbeiten genervt ist. Ein Überraschungs-Problem, das die Retter unverhofft unter Druck setzen wird. „Wir gestalten solche Stresssituationen möglichst realistisch, damit unsere Leute lernen, im Ernstfall damit umzugehen“, erzählt THW-Sprecher Michael Kretz.

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Das Übungsgelände ist noch mit weiteren Kniffligkeiten gespickt, um mit möglichst unterschiedlichen Notsituationen aufzuwarten: Ein kleiner Junge muss über eine Leiter aus dem ersten Stock geborgen werden. Um an die Verletzten zu gelangen, dürfen Wände eingeschlagen, Türen aufgebrochen werden. An der Aachener Straße droht eine Wand mit Kacheln einzustürzen. Um die Standsicherheit des Gerüsts zu gewährleisten, müssen die Retter erst einmal den angrenzenden Teich trockenlegen. Wasserpumpen werden herangeschleppt, saugen 800 Liter pro Minute auf.

„Bei einem echten Notfall würden wir natürlich sofort ins Wasser steigen“, erklärt Alexander Klein, Zugführer Gerüstsysteme. Im Wummern der Diesel-Generatoren beleuchten Not-Scheinwerfer die Szenerie. Und kurz bevor sich Routine einschleichen kann, dringen aus einem Keller wieder Hilferufe hervor. „Geborgene“ Personen werden den Abend über immer wieder in neuen Rollen über das Gelände verteilt. Jeder Handgriff der Retter wird penibel von Beobachtern in grünen Westen notiert. Zehn Tage später soll ein ausführliches Einsatz-Feedback erfolgen. Auch dürfen leichte Hilfestellungen gegeben werden wie „Habt ihr schon dort nachgesehen?“

In der Tiefgarage haben die Retter derweil mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen: Die Rettungstrage mit einem Verletzten verhakt sich an einer engen Stiege. Weitere Opfer sind in einem Versorgungsgang ausgemacht, den man aber nur in gebückter Haltung betreten kann.

Neben dem THW aus Köln und dem Umland nahmen Mitarbeiter des Roten Kreuzes Pforzheim/Enzkreis sowie der DLRG Köln-Dünnwald teil. Im Juli hatte das THW zuletzt noch mit einem (echten) Großbrand in der Müllsortieranlage in Niehl zu kämpfen.