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Kölner Kardinal Rainer Woelki: Gesellschaft seit Silvestervorfällen in Köln gespalten und destabilisiert

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki

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dpa

Köln -

Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat die massenhaften Übergriffe auf Frauen an Silvester verurteilt und vor einer Spaltung der Gesellschaft gewarnt. Sein Mitgefühl gelte den Frauen, die „durch entwürdigende Bemerkungen und Berührungen und Attacken (...) aufs Tiefste in ihrer weiblichen Würde verletzt wurden“, sagte Woelki am Mittwochabend vor Journalisten in Düsseldorf. Zugleich betonte der Erzbischof: „Es hat mich betroffen gemacht, wie mit einem Mal ein solches Ereignis eine Gesellschaft spaltet und destabilisiert.“

„Jedwede Form sexueller Gewalt“ dürfe keinen Platz in der Gesellschaft haben. „Ich erhoffe, dass Frauen zukünftig besser unter Schutz stehen“, sagte Woelki. Er nannte dabei auch Vergewaltigung in der Ehe. Es solle bereits als „übergriffig“ bewertet werden, wenn eine Frau klar signalisiere, „dass jeder Kontakt ausgeschlossen ist“, es aber trotzdem dazu komme. Die Gesamtgesellschaft sei gefragt, damit sich Vorkommnisse wie in der „schrecklichen Nacht“ von Köln nicht wiederholten.

Aufklären und sachlich analysieren

Der Kardinal mahnte, es müsse unvoreingenommen aufgeklärt und sachlich analysiert werden, dürfe aber keine Vorverurteilung geben. Randalierten Fans im Stadion, würden nicht alle Fußballfreunde pauschal diffamiert. Ebenso müsse gelten: Sollten Flüchtlinge in Köln Straftaten begangen haben, „wird man nicht die gesamte Flüchtlingslandschaft unter Verdacht stellen.“ Woelki nannte die Entwicklung seit der Silvesternacht „erschreckend“. Man dürfe dem Rassismus keinen Raum geben.

Rund um den Hauptbahnhof waren an Silvester Hunderte Frauen umzingelt, begrapscht und ausraubt worden. Bis Mittwoch gab es 581 Anzeigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die meisten Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen, unter den Verdächtigen sind auch Asylbewerber. Am vergangenen Sonntag hatten in Köln rechte Gewalttäter gezielt Ausländer verfolgt und angegriffen. (dpa)