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Leichathletik: Sturmlauf gegen Sportverband

Drunter und drüber geht es derzeit in der Laufszene: Die Gebührenerhöhung des Leichtathletikverbandes macht vor allem vielen Vereinen zu schaffen. (Foto: Schmülgen)

Drunter und drüber geht es derzeit in der Laufszene: Die Gebührenerhöhung des Leichtathletikverbandes macht vor allem vielen Vereinen zu schaffen. (Foto: Schmülgen)

In der Laufszene rumort es derzeit heftig. Grund ist eine vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) beschlossene Gebührenerhöhung für Volksläufe. Für jeden Läufer, der das Ziel erreicht, soll ab 2016 ein Euro an die Landesverbände gezahlt werden, bislang sind es 30 Cent. „Für die Vereine ist das eine Katastrophe. Wir als Agentur sind fein raus, denn wir werden keine Veranstaltung mehr beim Verband anmelden“, sagt Holger Wesseln, Inhaber der Agentur „Pulsschlag“, die unter anderem Altstadtlauf und Ringelauf ausrichtet. Mit anderen Worten: Die Agentur zahlt künftig gar keine Abgaben mehr an den Verband.

Abschreckend für kleine Vereine

Schon jetzt beklagen viele Vereine die zunehmende Konkurrenz durch private Veranstalter von Volksläufen. Als Verbandsmitglieder müssen die Clubs demnächst also höhere Abgaben zahlen, während die Agenturen die Zahlung verweigern können. „Für uns ist das ein großer Nachteil. Vor allem kleine Vereine werden abgeschreckt“, urteilt Stephan Ehritt, der für den ASV Köln unter anderem den Brückenlauf organisiert. Eine Erhöhung des Startgelds wolle er unbedingt vermeiden. Schon jetzt seien die Läufe aber knapp kalkuliert, der Gewinn fließe in die Jugendarbeit.

Die Verantwortlichen des Leichtathletikverbands Nordrhein wollen jedoch auch die privaten Laufveranstalter zur Kasse bitten und fühlen sich durch einen Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf bestätigt. Hierbei geht es um einen Rechtsstreit zwischen einem Kölner Triathlonveranstalter mit dem Triathlonverband. „Es ist nicht zu beanstanden, dass der Verband auch die privaten Wettkampf-Veranstalter an der Deckung seines Finanzbedarfs und der Beschaffung von Einnahmen zur Sportförderung beteiligt“, heißt es im Gerichtsbeschluss.

Wird der Verband nun alle Veranstalter verklagen, die bei Volksläufen keine Gebühren zahlen? „Wir werden nicht den juristischen Knüppel schwingen, sondern sind am Dialog interessiert, um alle ins Boot zu holen“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Scheer. Agentur-Chef Holger Wessels wirft dem Verband „Kindergarten-Juristerei“ vor, weil dieser Beschluss keine grundsätzliche Bedeutung habe. „Es gibt keine Handhabe. Wer privat ein Fußballturnier veranstaltet, muss ja auch kein Geld an den Fußball-Verband zahlen“.

Von einem „Eigentor“ des Verbands spricht denn auch Markus Frisch, Geschäftsführer des Köln-Marathons (der selbst auch bezahlt). „Die Art und Weise der Umsetzung ist sehr unglücklich. Vor allem kleine Läufe werden ein Problem bekommen“, bemängelt er und bezeichnet das Zustandekommen der Gebührenerhöhung als „unprofessionell“. Darüber hinaus stelle der Verband bislang nur unzureichend dar, für welche Zwecke die Gebühren verwendet werden. Das müsse sich ändern.


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