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Marathon: Dank Training weniger Medikamente

Diabetiker zum Laufen bewegen

wollen (v.r.) Michael Rosenbaum und Ingo Froböse. Gunther Borgmann hat dank des Trainings seit April zwölf Kilo abgenommen und seine Medikamente abgesetzt

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Gauger

Köln -

Dass Sport fit hält, ist nichts Neues. Dass er jedoch auch Diabetiker dabei unterstützt, gesund zu werden, ist noch nicht allgemein bekannt. Große sportliche Betätigung hilft außerdem den Patienten, Vorurteilen entgegenzutreten. „Viele Diabetiker gelten als faule ,couch potatoes’. Das können wir so nicht stehen lassen“, sagt Dr. Michael Rosenbaum. Als Initiator des „Diabetes Programms Deutschland“ (dpd) hat er es geschafft, fast hundert Diabetiker aus ganz Deutschland für den Köln-Marathon am kommenden Sonntag zu gewinnen.

Seit April wurde an der Sporthochschule Köln ein straffer Trainingsplan für rund 140 neue Diabetes-Patienten erstellt. Dank professioneller Trainingsbegleitung gelang es ihnen innerhalb weniger Monate, ihr Gewicht und die Dosis ihrer Medikamente zu reduzieren. „Idee und Ziel des deutschlandweit größten Laufprogramms für Diabetiker ist es, zu sportlicher Aktivität zu motivieren und die Gesundheitswerte nachhaltig zu verbessern“, sagt Rosenbaum.

Professor Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Sporthochschule, präsentierte gestern die Ergebnisse: Die Teilnehmer verloren im Schnitt rund 3,2 Kilo Gewicht und verbesserten ihre Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c-Werte) deutlich. Einige konnten sogar ihre Medikamente absetzen. „Diese deutlich verbesserten Parameter sind Folge des regelmäßigen und intensiven Trainings“, betonte Froböse.

Die Teilnehmer trainieren seit April im Schnitt zwölf Stunden pro Woche, manche kommen dabei bis auf 65 Kilometer Laufleistung. Sechzehn von ihnen wollen den Marathon komplett bestreiten. Unterwegs können sie auf regelmäßige Betreuung durch Mediziner setzen. Froböse freute sich über die rege Teilnahme, die weit höher als 2011 ausfalle: „37 Personen absolvieren den Halbmarathon, 40 weitere laufen zehn Kilometer – allein das ist schon eine besondere Leistung für Diabetiker.“

Einer von ihnen ist Gunther Borgmann (56) aus Köln: „Ich habe durch Zufall beim Urologen erfahren, dass ich Diabetiker bin. In den letzten Jahren habe ich kaum Sport gemacht und mich schlecht ernährt, wurde schnell übergewichtig.“ Nun hat er zwölf Kilo abgenommen – der Bestwert unter den Teilnehmern.

Zwar wagt er sich noch nicht an den Marathon, aber er ist sich sicher: „Ohne den Laufsport hätte ich meine Medikamente nicht absetzen können. Jetzt habe ich die Motivation, fit zu bleiben. Jeder kann an dem Programm teilnehmen und es schaffen, von der Couch runterzukommen.“

Weitere Informationen und Anmeldung im Internet.