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Masterplan für die Innenstadt: „Diese Flächen sind für Köln ein Glücksfall“

Professor Albert Speer sieht in den Hafen-arealen große Chancen für Köln.

Professor Albert Speer sieht in den Hafen-arealen große Chancen für Köln.

In Ihrem Masterplan haben Sie sich für die Umwidmung beider Häfen ausgesprochen. Warum?

Professor Albert Speer: Weil immer mehr Menschen im urbanen Umfeld leben wollen und in die Innenstadt zurückziehen. Die attraktivsten Zonen einer Stadt sind die Zonen, die am Wasser liegen. Gleichzeitig verändert sich unsere Gewerbe- und Industrielandschaft radikal. Wir stellen fest, dass sich Gewerbe und Dienstleistung immer stärker vermischen, die Grenzen sich immer weiter auflösen . Daher brauchen wir gesetzliche Rahmenbedingungen und Orte, die das Nebeneinander ermöglichen. Hafenareale bieten sich als Quartiere zum Wohnen und Arbeiten geradezu an. Es ist für Köln ein Glücksfall, dass die Stadt auf diese beiden innerstädtischen großen Hafenflächen im Rechtsrheinischen zurückgreifen kann.

Was macht diese Flächen für Projektentwickler und Investoren so interessant?

Speer: Der Blick auf den Rhein steigert natürlich die Attraktivität und den Wert eines Büros oder einer Wohnung, die Beziehung zum Wasser ist hervorragend vermarktbar und führt auch zu höheren Marktpreisen.

Sind solche Quartiere am Ende nur etwas für Reiche?

Speer: Das sollten sie nicht sein, und das würde ich daher auch schon bei ihrer Planung ausschließen, dazu ist die Planung schließlich da.

Wie lässt sich das verhindern?

Speer: Durch Programme wie das Kooperative Baulandmodell, das in Köln gerade vorbereitet wird. Andere Großstädte wie zum Beispiel München arbeiten seit Jahren mit vergleichbaren Richtlinien, die Investoren bei größeren Projekten vorschreiben, einen gewissen Teil ihres Bauvorhabens, sagen wir ein Drittel, im geförderten Wohnungsbau zu errichten. Und das bedeutet nicht nur sozialverträglichen Wohnungsbau, das heißt auch, dass Investoren, die größere Flächen entwickeln, sich auch an der sozialen Infrastruktur wie den Kindergärten beteiligen.

Und die Investoren machen mit?

Speer: In München wurde dieses Modell am Anfang sehr angefeindet von allen Investoren und künftigen Bauherren. Und alle haben sie gesagt, das setzt die Stadt nie durch, das funktioniert nicht. Aber es geht, und es funktioniert. Unser Büro arbeitet in München seit vielen Jahren für große Investoren mit diesem Programm. Die Regeln müssen nur für alle Beteiligten von vornherein klar sein.

Wie können die Häfen zum Teil der Innenstadt werden?

Speer: Das müssen die städtebaulichen Rahmenkonzepte gewährleisten, die zukunftsorientiert, mutig, belastbar und bis zu einem gewissen Grad flexibel sein müssen. In beiden Häfen muss man sich einerseits mit den technischen Rahmenbedingungen wie Umwelt und Hochwasserschutz auseinandersetzen. Und auf der anderen Seite muss man sich bemühen, dass Dichten, Wohnviertel entstehen, die städtische Strukturen haben. In Mülheim sollte man nicht nur auf die Hafenfläche, sondern auch auf das früher stark industriell geprägte Umfeld schauen, weil sich das dann garantiert auch mitverändert und auch dadurch Chancen entstehen.

Der Rheinauhafen ist der Vorläufer, wirkt zuweilen noch immer etwas unbelebt. Sind da Fehler gemacht worden?

Speer: Am Rheinauhafen kann man vielleicht die Kritik äußern, dass zu viel Ähnliches entstanden ist, dass die Vielfalt fehlt. Er ist schon als eine Einheit geplant und gebaut worden. Aber es dauert auch immer eine Generation, bis solche Viertel ihr Eigenleben entwickeln. Es dauert Zeit, bis Stadtplanung ihre ganze Wirkung entfalten kann.

Brauchen die rechtsrheinischen Häfen weithin sichtbare Landmarken, prägende Bauten wie die Kranhäuser?

Speer: Das würde ich jetzt mal den Planern überlassen. Selbstverständlich braucht man immer auch irgendwelche Highlights. Aber die Highlights machen das letzten Endes nicht aus, und es müssen garantiert nicht Kranhäuser sein. Aus den Vierteln heraus ergeben sich vielleicht auch besondere Wohnformen. Ein gutes Beispiel ist das Wohnhochhaus von Behnisch in der Hafencity in Hamburg. Das ist ein wunderschönes Gebäude, das aus dem Rahmen fällt. Das war sicherlich auch nicht billig. Da muss man natürlich den entsprechenden Standort finden und entsprechende Nutzer suchen.

Mancher wird sagen: Das ist der Punkt – solche Flächen sind zu teuer, um darauf geförderten Wohnungsbau zu errichten.

Speer: Das muss man mal richtig rechnen. Ich bin überzeugt, dass das geht. Das hängt auch von der Nutzungsmischung und der Dichte der Bebauung ab. Aber da gibt es auch ein anderes wichtiges Thema, in Mülheim mehr noch als in Deutz: Wie gehen wir mit dem Altbestand um, mit den teils denkmalgeschützten Industriehallen und Gebäuden?

Was sollte Ihrer Meinung nach damit geschehen?

Speer: Ich würde in jedem Fall dafür plädieren, das, was den Ort einmal ausgemacht und individuell repräsentiert hat, zu integrieren, also nicht zu verstecken, sondern hervorzuheben. Solche Viertel leben ganz stark von ihrer Geschichte und ihrer Atmosphäre.

Ist es angesichts von Flutkatastrophen noch verantwortbar, so nah am Wasser zu bauen.

Speer: Das ist ein Riesenthema. Hochwasserschutz wird in beiden Häfen eine große Rolle spielen. Hochwasser wird es auch in der Zukunft geben, und dann muss man damit umgehen. Es gibt dafür Lösungen, aber es ist ein hoher technischer und logistischer Aufwand. Darüber muss man sich im Klaren sein.

Wie lange wird es noch dauern, bis in einem der Häfen der erste Spatenstich erfolgen kann?

Speer: Ich mag da keine Prognosen abgeben. In Deutz ist es einfacher, weil sich die Flächen im Besitz der Stadt oder städtischer Gesellschaften befinden. In Mülheim wird es schwieriger, weil es da eine Vielzahl von Eigentümern gibt. Die muss man erst mal alle unter einen Hut bekommen, oder man muss eine Entwicklungsgesellschaft gründen, die das dann angeht. Aber ich bin generell der Überzeugung, dass wir in Deutschland schneller werden müssen. Dazu müssen die Verfahren beschleunigt und die gesetzlichen Rahmenbedingungen angepasst werden.


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