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Mehr Straftaten 2014: Köln ist Hauptstadt der Taschendiebe

Festnahme in der Innenstadt: Zwei Kriminalbeamte führen nahe des Doms zwei Diebinnen zur Wache. Voriges Jahr nahm die Polizei so viele Taschendiebe fest wie noch nie.
(Foto: Gauger)

Festnahme in der Innenstadt: Zwei Kriminalbeamte führen nahe des Doms zwei Diebinnen zur Wache. Voriges Jahr nahm die Polizei so viele Taschendiebe fest wie noch nie.

(Foto: Gauger)

Köln -

Noch nie wurden in Köln so viele Taschendiebstähle angezeigt wie im vergangenen Jahr. Ein Anstieg um 24 Prozent sorgte für einen Rekordwert von 14?059 Taten. Auch Drogendelikte und Verstöße gegen das Ausländerrecht trugen dazu bei, dass die Zahl der Straftaten voriges Jahr insgesamt in der Stadt auf 157?113 (+2,2%) stieg.

In Nordrhein-Westfalen bleibt Köln damit die Stadt mit den meisten Straftaten. Weil die Region „Tummelplatz für Kriminelle“ bleibe, forderte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) mehr Personal für die Kriminalpolizei.

Taschendiebstahl

Während vor einigen Jahren noch Täter aus den Balkanstaaten die Polizei vor Probleme stellte, sind es nach Kenntnissen der Ermittler heute vor allem Diebe aus Nordafrika. Als bundesweit einzige Stadt verfügt Köln über ein eigenes Kommissariat zur Bekämpfung des Taschendiebstahls, hier arbeiten 40 Beamte der Landes- und Bundespolizei. Mit 931 festgenommenen Tätern wurde ebenfalls ein Spitzenwert erreicht. Laut Polizei sind 62 Prozent der Diebe „mobil“.

„Es handelt sich um ein europaweites Problem, wir stehen in engem Kontakt zu Europol sowie den Behörden in Wien und Prag “, sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das Ansehen Kölns als Eventstadt stehe auf dem Spiel, denn 35 Prozent der Taten seien an Karneval und in der Adventszeit verübt worden. Abgesehen haben es die Täter vor allem auf Smartphones, 3000 wurden bei Taschendiebstählen entwendet, 9500 insgesamt. „Wir benötigen die Unterstützung der Industrie“, mahnte Albers, denn durch eine „Kill-Switch-Funktion“ ließen sich Handys nach dem Diebstahl für die Täter unbrauchbar machen.

Drogendelikte

Den starken Anstieg der Fallzahlen führt die Polizei auf die verstärkten Kontrollen am Rheinufer und am Neumarkt zurück. „Der Straßenhandel hat rasant zugenommen, viele Täter kommen aus Zentralafrika“, sagte Kripochef Norbert Wagner. Ziel sei es, an die Hintermänner zu gelangen, so seien bei einer Wohnungsdurchsuchung in Mülheim zehn Kilogramm Marihuana sichergestellt worden. Die Polizei führe mehrmals täglich Kontrollen durch, um die Täter zu verunsichern. Dennoch hält sich die Drogenszene seit Jahren standhaft am Rheinufer.

Asyl-Verstöße

Der enorme Anstieg von 80 Prozent hängt mit der Flüchtlingswelle zusammen. „Der Hauptbahnhof hat sich als Drehscheibe für Schleusungen aus Eritrea erwiesen“, so Wagner. Über Italien seien die Menschen regelmäßig nach Köln gelotst worden.

Einbrüche

Nahezu unverändert hoch ist die Zahl der Einbrüche (5057) geblieben. „Wir geben nicht auf“, verspricht Wagner und verweist auf die hohe Zahl von Einbruchsversuchen. In beinah der Hälfte aller Fälle gelinge es den Tätern nicht, in eine Wohnung einzudringen. Die Zahl der Festnahmen ist sprunghaft von 120 im Jahr 2013 auf 214 gestiegen. Zudem sei es gelungen 510 Fälle durch den Abgleich von Fingerabdrücken und 620 durch DNA-Spuren der Einbrecher zu klären.

Trickdiebstähle

Derzeit muss sich vor dem Landgericht eine Bande von Trickdieben verantworten, die Senioren mit Schockanrufen übertölpelt hat. Doch laut Polizei fallen alte Menschen immer seltener auf falsche Wasserwerker, oder angebliche Enkel herein, die Geld abholen wollen. Denn das Vorgehen der Täter sei weitestgehend bekannt.

Schwerpunkte 2015

Einmütig mit Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat Kölns Polizeipräsident den Kampf gegen den „salafistischen Terrorismus“ als Schwerpunkt für dieses Jahr benannt. Man habe Kenntnis von etwa 15 Männern, die nach Syrien in den Kampf gezogen seien, drei seien getötet worden, fünf seien bereits zurückgekehrt und würden eingehend überprüft. Ziel sei es außerdem, die Taschendiebstähle einzudämmen und das zuständige Kommissariat nach Möglichkeit mit zusätzlichem Personal auszustatten. Eine eigene Ermittlungsgruppe werde sich auch mit Gewalttaten im Fußball befassen.