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Off-Kunsträume: Kunst statt Verwahrlosung am Ebertplatz

Eine junge Kunstszene füllt die triste Betonwüste in der Ebertplatz-Passage mit Leben. (Foto: Schmülgen)

Eine junge Kunstszene füllt die triste Betonwüste in der Ebertplatz-Passage mit Leben. (Foto: Schmülgen)

Köln -

Er ist eine der größten städtebaulichen Sünden Kölns. Eine trostlose Betonwüste, die sich wie ein Keil zwischen Eigelstein und Agnesviertel schiebt. Mit seinen graffitiüberzogenen Rolltreppen, die seit Jahren stillstehen, ist der Ebertplatz ein Hort der Trostlosigkeit, den die meisten Passanten so schnell wie möglich hinter sich lassen wollen.

Doch ausgerechnet hier hat sich eine junge Kunstszene etabliert, die überregional Beachtung findet. Seit mehreren Jahren bespielen die vier Off-Kunsträume „Bruch & Dallas“, „Boutique“, „Gold & Beton“ und „Labor“ die früher leerstehenden Ladenlokale in der unterirdischen Ebertplatz-Passage mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Partys. Doch das schillernde Kunstbiotop ist in Gefahr, warnen die Betreiber, die hier mit kleinem Budget und großem Engagement etwas auf die Beine gestellt haben, nun aber finanziell an ihre Grenzen stoßen.

Sie hoffen, dass die Stadt, der die Räume gehören, ihnen einen kräftigen Mietnachlass gewährt. Nur so könne man die kulturelle Arbeit fortsetzen, die entscheidend zur Aufwertung des Ebertplatzes beitrage, erklärte die Initiative „Brunnen e. V.“, in der sich drei der vier Kunsträume zusammengeschlossen haben.

„Wir machen hier alles ehrenamtlich. Im April 2013 hätten wir fast aufgeben müssen, weil das Geld hinten und vorne nicht reicht“, berichtet Yvonne Klasen von der „Boutique“. Nur durch eine „Welle der Solidarität“ von Künstlern, die Werke zum Verkauf gespendet hätten, habe man damals überhaupt weitermachen können.

Der Kunstbeirat der Stadt hat der Verwaltung empfohlen, durch Senkung der Mieten auf einen symbolischen Preis den dauerhaften Erhalt der Kunsträume zu sichern, von denen nicht nur die Kunstszene, sondern das gesamte urbane Umfeld profitiere. Zurzeit zahlen die Betreiber zwischen 6,44 und 7,71 Euro pro Quadratmeter inklusive Nebenkosten. Sollten sie aufgeben müssen, sei eine erneute Verwahrlosung der Passage zu befürchten, wodurch der Stadt zusätzliche Kosten für Beleuchtung und Reinigung entstünden.

Bei einem Ortstermin sicherten Politiker aller Fraktionen dem Projekt gestern Unterstützung zu. Die Kulturausschuss-Vorsitzende Eva Bürgermeister (SPD) sagte, bei den Ladenlokalen handele es sich nicht um repräsentative Geschäftsräume. „Hier wird etwas sinnvoll genutzt, was sonst leer stehen würde.“ Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz unterstrich, dass die Leistung der Kunstmacher für die Stadt einen Wert darstelle. „Die müssten wir sonst einkaufen.“ Die Kunsträume würden die soziale Kontrolle „an diesem Unort“ verbessern und helfen, Angsträume zu beseitigen. Beide betonten, es müsse den Betreibern aber klar sein, dass es hier um eine Zwischennutzung gehe für die Zeit, bis in einigen Jahren die Umgestaltung des Ebertplatzes beginne.