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Pilotversuch: Stadt will ins Altkleidergeschäft einsteigen

Hunderte Altkleidercontainer sind in der Stadt aufgestellt.

Hunderte Altkleidercontainer sind in der Stadt aufgestellt.

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Gauger

Köln -

Städte wie Wuppertal, Düsseldorf und Bergisch Gladbach haben es vorgemacht, jetzt will auch die Stadt Köln in Eigenregie Altkleider sammeln. Im Stadtbezirk Ehrenfeld ist dazu ein Pilotversuch geplant. Die Verwaltung will dort ab dem Frühjahr eigene Sammelcontainer für gebrauchte Textilien aufstellen lassen. Nach drei bis sechs Monaten soll entschieden werden, „wie die Altkleidersammlung im gesamten Stadtgebiet optimal durchgeführt werden kann“, heißt in einer Beschlussvorlage, über die der zuständige Ratsausschuss am 24. Januar entscheidet.

Ziel der städtischen Kleidersammlung sei es, „das Stadtbild zu verbessern“, sagte Umweltdezernentin Henriette Reker der Rundschau. Derzeit gebe es in Köln rund 500 illegal aufgestellte Altkleider-Container von gewerblichen Sammlern, die das Stadtbild verschandeln würden. „Im Rahmen des Pilotversuchs sollen solche Behälter konsequent entfernt werden“, so Reker.

Grund für den Wildwuchs: Altkleider sammeln ist ein einträgliches Geschäft, das immer mehr Privatfirmen anlockt, die sich als gemeinnützig ausgeben. Nur ein Bruchteil der rund 750 000 Tonnen Altkleider, die jedes Jahr in Deutschland anfallen, landet in Kleiderkammern oder karitativen Secondhand-Läden. Ein Großteil wird nach Afrika und Osteuropa verkauft, der Rest geht an die Industrie und wird zu Autoteppichen, Dämmmaterial oder Putzlappen verarbeitet. Händler zahlen für Alttextilien bis zu 400 Euro pro Tonne, der Markt in Köln wird auf 3000 bis 4000 Tonnen pro Jahr geschätzt.

Hintergrund der Pläne ist das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, das künftig eine höhere Verwertungsquote vorschreibt und den Kommunen den Erstzugriff auf alle Haushaltsabfälle erlaubt. Immer mehr Städte und Gemeinden drängen daher auf den lukrativen Altkleidermarkt. „Altkleider sind Müll, dessen Entsorgung kein Geld kostet, sondern Geld einbringt. Das ist für die Kommunen natürlich interessant“, erläutert Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW.

So hat die Stadt Bergisch Gladbach bereits angekündigt, den Erlös aus der Kleidersammlung in die Senkung der Müllgebühren zu stecken. „Dies wäre natürlich ein positiver Nebeneffekt“, sagt Reker, „doch in erster Linie geht es hier um die Verbesserung des Stadtbildes.“ Nur wenn die Stadt selbst Kleider sammele, habe sie künftig eine Handhabe, um private Sammlungen und die Aufstellung privater Container zu untersagen, unterstreicht die Dezernentin. Die städtischen Behälter würden „ansprechend gestaltet“ und sollten möglichst in Nähe vorhandener Altglascontainer aufgestellt werden, so Reker.

Doch karitative Sammler sehen durch die Pläne der Kommunen ihr Geschäftsmodell gefährdet. So sammelt zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz (DRK) viermal pro Jahr an den Haustüren und verkauft die Kleider an kommerzielle Verwerter. „Mit dem Erlös finanzieren wir gemeinnützige Projekte wie Erste-Hilfe-Kurse für Kinder und Jugendliche oder die Rettungshundestaffel“, so Ismail Bulut vom DRK-Kreisverband Köln. Er betont: Auch die Stadt müsse „ein Interesse daran haben, dass die soziale Arbeit der Wohlfahrtsverbände nicht gefährdet wird“.

Reker versicherte, dass man die karitativen Organisationen wie DRK, Caritas oder Diakonie in die geplante Neuordnung der Altkleidersammlung einbinden werde. Auch mit privaten Sammlern sei man im Gespräch. Schuhe wolle die Stadt nicht selbst sammeln.


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