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Polizei findet keine Zeugen und keine Opfer

Sichtschutz trennt den Schulhof vor dem Umfeld der von Flüchtlingen bewohnten Halle an der Westerwaldstraße. (Foto: Meisenberg)

Sichtschutz trennt den Schulhof vor dem Umfeld der von Flüchtlingen bewohnten Halle an der Westerwaldstraße. (Foto: Meisenberg)

Vergewaltigung, Nötigung, unterlassene Hilfeleistung – Anschuldigungen, die Flüchtlinge aus einer Notunterkunft in der Turnhalle der GGS Westerwaldstraße in Humboldt/Gremberg erhoben haben (wie berichtet), wiegen schwer. Doch bislang fehlt jeglicher Beweis. Die Polizei ermittelt, die Stadt und ihre Vertragspartner kontrollieren Belege.

„Ich war fürchterlich erschrocken, als ich die Vorwürfe hörte“, sagt der Kreisgeschäftsführer des DRK, Marc Ruda, der Rundschau. Das DRK betreut alle 24 Notunterkünfte in Turnhallen. „Doch aus den Protokollen der Essenslieferungen oder den Ausgabelisten an Hygieneartikeln ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass an den Vorwürfen etwas dran ist.“ Ruda macht sich inzwischen Sorge, ob Flüchtlinge „missbraucht werden, um Interessen umzusetzen“ und zieht einen Vergleich zur erfundenen Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Berlin – einer Nachricht, die ebenfalls Demonstrationen nach sich zog. Mehr als 50 Bewohner der Halle in Humboldt/Gremberg hatten am Mittwochabend demonstriert.

„Eine Unterbringung in einer Turnhalle ist sicher belastend. Aber ich frage mich, wer hinter den offenen Briefen steckt. Sie haben ein sehr hohes Sprachniveau, sind didaktisch geschickt aufgebaut – offenbar von jemandem, der weiß, wie Pressearbeit und Meinungsbildung funktionieren.“

Polizei kennt Urheber der offenen Briefe nicht

Eine Ermittlungsgruppe der Polizei ging noch am Mittwoch abend mit Dolmetschern in der Halle an der Westerwaldstraße den Missbrauchsvorwürfen nach. „Wir haben mit etwa 50 Frauen gesprochen, aber es hat sich bislang nichts zum Sachverhalt ergeben“, sagt ein Polizeisprecher gestern. Der Urheber der Offenen Briefe sei unbekannt.

Die Adlerwache ist „heilfroh, dass die Polizei intensiv ermittelt“, sagt Bernhard Deschamps, „denn der tadellose Ruf unseres Unternehmens steht auf dem Spiel.“ Er habe sich gestern in der Turnhalle umgeschaut und keinerlei feindselige Stimmung gespürt. „Wir arbeiten seit 15 Jahren mit diesem System, und werden von der Stadt und dem DRK überprüft. Hier arbeitet kein Mitarbeiter ohne Erlaubnis des Ordnungsamtes.“ Die Adlerwache setze 350 Mitarbeiter in 100 Kölner Heimen ein. In der Westerwaldstraße seien stets zwei Sicherheitsmitarbeiter und ein Brandschutzhelfer eingesetzt. „Nach den Dienstplänen waren dort in den vergangenen Wochen 10 bis 15 Kollegen tätig. Es gebe keine Zeitangaben zu den Anschuldigungen. „Natürlich betritt kein Sicherheitsmann einen Frauenduschraum. Wenn er eine der beiden Leiterinnen der Einrichtung dort hinbegleitet, wartet er im Flur“, sagt Deschamps. Bei den Leiterinnen handelt es sich laut DRK um eine Türkin und eine Iranerin . Die dritte Leitungsposition sei noch unbesetzt. Die Halle war am 11. Dezember mit 200 Feldbetten ausgestattet worden.

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  2. Stadt will Vorwürfe entkräften
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