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Probebetrieb ab 2015: KVB lässt eigenen Elektrobus entwickeln

Pilotversuch in Genf:
Hier verkehrt seit Mai ein Elektrobus, dessen Batterien  über Ladestationen an  den Haltestellen unterwegs nachgeladen werden. Die Ladeverbindung erfolgt auf Knopfdruck über einen ausfahrbaren Kontakt im Dach. (Foto: ABB)

Pilotversuch in Genf:

Hier verkehrt seit Mai ein Elektrobus, dessen Batterien  über Ladestationen an  den Haltestellen unterwegs nachgeladen werden. Die Ladeverbindung erfolgt auf Knopfdruck über einen ausfahrbaren Kontakt im Dach. (Foto: ABB)

Köln -

„Elektro-Mobilität gibt es bei den Kölner Verkehrs-Betrieben ja schon seit 112 Jahren. Aber jetzt wollen wir ein ganz neues Kapitel aufschlagen.“

KVB-Technikvorstand Jörn Schwarze gerät ins Schwärmen, wenn er über das neueste Projekt des Unternehmens spricht. Als einer der ersten ÖPNV-Betriebe in Deutschland will die KVB in naher Zukunft rein elektrisch betriebene Omnibusse im Linienverkehr einsetzen. Weg vom Diesel, weg vom Verbrauch fossiler Energien und hin zu einer neuen Technologie, die viel effizienter, extrem leise und im Betrieb völlig emissionsfrei ist, lautet die Parole.

Doch das ist leichter gesagt als getan. „Was uns vorschwebt, können Sie nirgendwo am Markt kaufen. Daher wollen wir gemeinsam mit einem Partner in der Industrie einen batteriebetriebenen Elektro-Gelenkbus speziell für unsere Zwecke entwickeln“, erläutert Schwarze.

Zwar verkehren Batteriebusse schon seit vielen Jahren auf kleineren Strecken auf Flughäfen oder in Schweizer Kurorten. Doch im städtischen Massentransport werden sie bislang nur in China in größerer Zahl eingesetzt, in Europa sind sie noch die absolute Ausnahme. In Wien fahren seit Herbst 2012 kleinere E-Busse von Siemens im Liniendienst, die 44 Fahrgästen Platz bieten. Und in Genf startete Ende Mai ein Pilotprojekt mit dem ersten elektrisch betriebenen Gelenkbus für 135 Passagiere.

Bald könnten große Gelenkbusse mit Elektromotor auch durch Köln rollen. „Wenn alles glattgeht, wollen wir Mitte 2015 in den Probebetrieb gehen. Ein Liniendienst wäre frühestens 2016 möglich“, so Schwarze.

Sechs Busse soll es geben

Der KVB-Aufsichtsrat hat bereits grünes Licht für die Beschaffung von sechs Bussen gegeben, die europaweite Ausschreibung läuft. „Acht Unternehmen haben sich bei uns beworben. Wir sind gerade dabei, ihre Konzepte zu prüfen und die Spezifikationen zu präzisieren. Den Auftrag zum Bau der Fahrzeuge wollen wir spätestens im Dezember erteilen“, sagt Schwarze.

Eine zentrale Rolle spiele die Batterie. „Ihre Leistungsdaten definieren die Spezifikation des Fahrzeugs.“ Klar sei, dass man ein System benötige, bei dem der Akku unterwegs nachgeladen wird. „Wenn man mit einer Batterieladung die gesamte Schicht fahren wollte, würde die Batterie 13 Tonnen wiegen und man hätte kaum noch Platz für Fahrgäste.“

Durchgerechnet wurde ein Konzept für die Linie 136 vom Neumarkt zur Klinik Hohenlind, bei dem der Bus mit voller Batterie aus dem Depot fährt, am Neumarkt 20 Minuten nachgeladen wird, vor der Klinik weitere acht bis 10 Minuten Strom bekommt und so weiter. Mit diesem System lasse sich die ganze Schicht fahren, auch im Winter, wenn die Heizung viel Strom verbraucht. „Die Busse werden für den Betrieb bis minus 16 Grad konzipiert“, so Schwarze. Zum Einsatz komme eine rund 2,5 Tonnen schwere Lithium-Ionen-Batterie, die aus vielen kleinen Zellen bestehe und absolut sicher sei. „Das Risiko, dass die Batterie abbrennt und den Bus in Brand setzt, wird es bei dem von uns verwendeten Qualitätsprodukt nicht geben“, betont Schwarze.

„Wichtige Investition in die Zukunft“

Rund 700 000 Euro pro Stück sollen die Busse kosten, dazu kommen 225 000 Euro für drei Ladestationen. Ein Diesel-Gelenkbus schlage mit etwa 330 000 Euro zu Buche, rein betriebswirtschaftlich würden sich die E-Busse vorerst nicht rechnen. „Aber es ist eine wichtige Investition in die Zukunft.“

In den nächsten 10 bis 15 Jahren werde der Diesel noch wettbewerbsfähig sein, „doch in 20, 30 Jahren fahren vermutlich alle Busse elektrisch“, so Schwarze. Die KVB wolle dazulernen und ihre Mitarbeiter auf die neue Technologie vorbereiten, das Land NRW habe Fördergelder in Aussicht gestellt.

Das Andocken an die Ladestationen soll vollautomatisch erfolgen. Wie viele dieser Stationen am Ende in der Stadt benötigt werden, hänge vom Tempo ab, mit dem man auf E-Busse umsteige. „In fünf, sechs Jahren werden die Akkus rund 40 Prozent mehr Leistung haben, dann braucht man auch weniger Ladestationen.“