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Reichsadler und Bundesadler: Hitlers Professor, Goebbels’ Adlermacher

auf dem Gelände der Firma Quarzwerke, Frechen. Heute sind sie auf dem Alten Friedhof St. Audomar.

auf dem Gelände der Firma Quarzwerke, Frechen. Heute sind sie auf dem Alten Friedhof St. Audomar.

Köln -

Immer wieder gestaltete der Kölner Bildhauer Willy Meller (1887 bis 1974) Adlerfiguren: Reichsadler an den Durchgängen der Rodenkirchener Autobahnbrücke mit Hakenkreuz und Eichenlaub, am Flugfeld in Ossendorf und sogar für das Reichspropagandaministerium von Joseph Goebbels in Berlin. „Reichs- und Parteiadler gehörten zu Mellers Spezialitäten“, sagt Dr. Elke Purpus, Direktorin der Kunst- und Museumsbibliothek Köln. Nach dem Krieg war mit dem Adlermachen aber lange nicht Schluss. Für das Palais Schaumburg in Bonn – den ersten Dienstsitz des Bundeskanzlers – entwarf er einen Bundesadler.

Die Adler sind in der Ausstellung „Willy Meller – ein Künstler zwischen Diktatur und Demokratie“ nicht nur Beleg für die persönliche Kontinuität eines Künstlerlebens in NS-Zeit und Demokratie. Auch die zahlreichen fließenden Übergänge, die zwischen NS-Diktatur und junger Bundesrepublik bestanden haben, bündeln sich in der Person Mellers wie in einem Brennglas.

Das dokumentiert die feine Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek mit zahlreichen Fotografien, Plastiken, Figuren, Dokumenten und Zeitungsartikel und gibt so Einblicke in eine angepasste, eitle und mithin zynische Künstlernatur. So stellte Meller noch im Januar 1945 Rechnungen an die „Deutsche Arbeitsfront“ und mahnte die Beträge nach Nichtbegleichung im März 1945 an, während Hitlerjungen und Volkssturm im sogenannten „Endkampf“ verheizt wurden.

Seine Verstrickungen in NS-Staat und -Ideologie relativierte Meller nach 1945. Anspielungen darauf, schrieb er 1963, kämen ihm „langsam zum Halse heraus“. Auch wenn die Entnazifizierung ihn nur als „Mitläufer“ einstufte – dazu trug auch Mellers Unterschlagung etlicher Honorare bei, die er von NS-Institutionen erhalten hatte – zeigt die Ausstellung, dass er in seinen Arbeiten ein Vermittler faschistischer Ideologie war. „Meller hat eindeutig vom Nationalsozialismus profitiert“, urteilt Purpus. „1939 hat er von Hitler den Professoren-Titel verliehen bekommen, den er zeit seines Lebens führte. Heute ziert er noch seinen Grabstein auf dem Friedhof in Weiß“, sagt Purpus. Meller erklärte noch 1963 zur Professur: „Außerdem hatte ich durchaus das Gefühl, und habe es heute noch, den Titel verdient zu haben.“

Nach dem Krieg war die Auftragslage nicht mehr ganz so rosig wie in der NS-Zeit, doch mit der Deutschen Bundespost hatte Meller einen neuen lukrativen Auftraggeber. „Ob es personelle Kontinuitäten gab, ist nicht erforscht“, sagt Purpus. In Lüdenscheid, Oberhausen und Frechen gestaltete er Kriegsmahnmäler. Auch hier ist Mellers Zynismus mit Händen greifbar. „Die Denkmäler thematisieren nicht die Schrecken des Krieges, der von Deutschland ausging, sondern ausschließlich deutsche Opfer“, erklärt Purpus.

Kunst- und Museumsbibliothek, Bischofsgartenstraße 1, bis 10. August, di bis do 10 bis 21 Uhr, fr bis so 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.