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Rock gegen Rechts: Viel mehr als nur Musikspektakel

Peter Maffay, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken (v.l.) wollen ein Zeichen gegen Rechts setzen. (Fotos: Meisenberg)

Peter Maffay, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken (v.l.) wollen ein Zeichen gegen Rechts setzen. (Fotos: Meisenberg)

Köln -

Die Altrocker grüßen mit herzlicher Umarmung. Udo Lindenberg, Peter Maffay und Wolfgang Niedecken klopfen sich gegenseitig auf die schweren Lederjacken, als sie sich im Mülheimer E-Werk begegnen. Auf dem Podium ist es dann vor allem Udo Lindenberg vorbehalten, auf seine unnachahmliche Art zu formulieren, worum es an diesem Pfingstwochenende geht: die „hirnlosen rechten Idioten“ aus der „bunten Republik Deutschland“ vertreiben. Und ordentlich Rock ’n’ Roll dazu. Yeah.

Zehn Jahre nach dem Nagelbombenattentat von der Keupstraße will Köln am 9. Juni erneut ein großes Zeichen gegen rechte Gewalt in die Republik entsenden. Um kurz vor 16 Uhr war 2004 die Bombe vor einem Friseursalon auf der Keupstraße detoniert, und genau zehn Jahre später soll eine Schweigeminute die Großkundgebung auf dem Brachgelände an der Schanzenstraße ankündigen. Danach wird Bundespräsident Joachim Gauck ein Grußwort sprechen und die Bühne dann für sechs Stunden Musikern und anderen Künstlern überlassen. Die „Arsch huh AG“ als Gastgeber wird neben den genannten Größen der deutschen Rockerszene unter anderem die Bläck Fööss, Brings, Höhner, Eko Fresh, Tommy Engel und Arno Steffen präsentieren.

Wortbeiträge soll es geben von Kabarettist Wilfried Schmickler, Comedian Carolin Kebekus sowie WDR-Intendant Tom Buhrow. Schauspieler Hardy Krüger (86) wird ebenfalls die Stimme erheben. Durch das Programm führen bis 22 Uhr Sandra Maischberger und Fatih Cevikkollu. Bis zu 75 000 Menschen werden am Pfingstmontag auf dem „Schanzengelände“ erwartet. Videowände sind zur Übertragung unter anderem am Clevischen Ring vorgesehen. Die Gesamtveranstaltung erstreckt sich über drei Tage, „Birlikte – Zusamenstehen“ ist die beziehungsreiche Überschrift des Kulturfestes.

22 Menschen wurden bei dem Anschlag vor zehn Jahren verletzt. Sieben Jahre lang galten die Anwohner als mögliche Täter und nicht als Opfer, in der Keupstraße sprechen manche daher von den „sieben bösen Jahren“. „Die Straße hat ein Etikett bekommen, das sie nicht verdient hat“, sagt Meral Sahin von der IG Keupstraße. Ihren Worten ist gestern am besten zu entnehmen, worum es bei dem Gedenken geht. „Wir werden uns an diesen drei Tagen näher kommen und sehen, wie ähnlich wir sind.“

Für Peter Maffay geht es darum zu zeigen, dass kein Platz ist für Radikalisierung. Wie Udo Lindenberg (siehe Interview) verspüre er eine große Energie in der Vorbereitung der Veranstaltung: Es geht darum, zu zeigen, dass ein Miteinander sinnvoller ist.“ „Es gibt die Chance, dass die Menschen aufeinander zugehen“, hofft Niedecken.

Am Samstag, 7. Juni wird das Fest gegen Rassismus mit dem Theaterstück „Die Lücke – ein Stück Keupstraße“ im Depot, der Interimsspielstätte des Schauspielhauses, eröffnet. Das Theaterprojekt von Nuran David Calis ist in enger Zusammenarbeit mit Anwohnern und Geschäftsleuten auf der Keupstraße entstanden. „Weil wir hier wirklich Nachbarn sind“, wie Intendant Stefan Bachmann sagt. Und für seinen Nachbarn interessiere man sich doch: Wie lebt der? Was macht der anders – oder auch nicht?

Am Sonntag steht die Keupstraße selbst im Mittelpunkt. 500 Künstler sollen bei dem Kulturfest auf der 500 Meter langen Straße zu Gast sein, in Hinterhöfen, Ladenlokalen, Werkstätten, Bäckereien oder Restaurants. 35 Bühnen wollen die Organisatoren mit 150 bis 200 Veranstaltungen bespielen, mit Lesungen, Tanz und Theater. Mario Rispo, Musiker aus Hamburg, hatte die Idee zu der Großveranstaltung und wird am Abend des zweiten Tages einen musikalischen Abend im Depot feiern.

Am Pfingstmontag wird bei einer Podiumsdiskussion unter anderem Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Tisch sitzen. Um 16 Uhr sollen dann die Fööss mit dem „Stammbaum“ das Musikprogramm, das auf zwei Bühnen zu sehen sein wird, eröffnen. Immer noch im Gespräch sind Bands wie Die Ärzte und die Fantastischen Vier. Klar dürfte aber schon sein, dass Udo Lindenberg mit seinem Panikorchester den Schlussakkord setzen darf. Natürlich bevor alle Musiker zum Finale antreten. Vermutlich mit der kölschen Hymne gegen rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit: „Arsch huh – Zäng ussenander.“