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Kölnische Rundschau | Shoppen ohne schlechtes Gewissen: Kölner Designerin produziert Kleidung fair
28. February 2016
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Shoppen ohne schlechtes Gewissen: Kölner Designerin produziert Kleidung fair

Die Kölner Modedesignerin Claudia Lanius besucht auch die Bauernfamilien in Indien, wo ihre Biobaumwolle herkommt.

Die Kölner Modedesignerin Claudia Lanius besucht auch die Bauernfamilien in Indien, wo ihre Biobaumwolle herkommt.

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Privat

Sie wollte ihn unbedingt. Auch wenn die Kölner Modedesignerin Claudia Lanius für den wollweißen Bouclé-Mantel einen Kompromiss eingehen musste. Die meisten ihrer Kleidungsstücke sind fair und ökologisch produziert. Lanius besucht die Bauern selbst und kennt und vertraut ihren Lieferanten seit Jahren. Der Mantel ist eines der wenigen Stücke, für die Lanius keine Wolle aus kontrolliert biologischem Anbau verwenden konnte – einfach deshalb, weil die benötigte Menge zu klein war, als dass es sich für die Hersteller lohnen würde. Meistens seien es mehrere 1000 Meter Stoff, die abgenommen werden müssten. Das sei für ein „Trendteil“, das nur eine Saison verkauft wird, viel zu viel, erklärt sie.

Die meisten Kleidungsstücke sind nach GOTS zertifiziert

Lanius verkauft ihre ökologisch und fair produzierte Mode in vier eigenen Läden in Köln und 300 weiteren Partnergeschäften europaweit. Die meisten ihrer Kleidungsstücke sind nach GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert. Das heißt, es handelt sich um Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern, die nach umwelttechnischen Anforderungen verarbeitet werden. Gleichzeitig wird auf die Einhaltung von Sozialkriterien geachtet. Für ihre aktuelle Winterkollektion ist Lanius noch einen Schritt weiter gegangen: Zum ersten Mal bietet sie auch vegane Kleidungsstücke an.

Was zunächst nach Lebensmittelbranche klingt, hält nun auch in der Mode Einzug. Allerdings liegt hier der Teufel im unsichtbaren Detail: Denn nur, weil ein Kleidungsstück nicht aus Leder oder Wolle hergestellt wurde, heißt das nicht, dass es keine tierischen Komponenten enthält. Auch ein T-Shirt aus hundert Prozent Baumwolle ist nicht immer vegan. So werden unterschiedliche Wachse, zum Beispiel von Bienen oder tierische Fette genutzt, um die Textilien weiterzubehandeln. Daneben gibt es tierische Färbemittel wie die Tinte eines Tintenfischs.

Kompromisse lassen sich nicht vermeiden

Vegane Kleider herzustellen, „erfordert intensive Recherche, wie Textilien wo weiterverarbeitet werden.“ Vom Preis her gebe es keinen Unterschied zu ökologisch und fair produzierter Kleidung, sagt Lanius. Für beides muss der Verbraucher natürlich mehr ausgeben als bei den großen Modeketten. Ein Beispiel: Ein veganes Jerseykleid kostet bei Lanius etwa 120 Euro.

„Allerdings ist es wesentlich einfacher, tierfreie Sommermode zu entwerfen als Wintermode“, erklärt Lanius. Im Sommer seien schließlich leichte Stoffe wie Baumwolle und Leinen ausreichend. Warme Stoffe wie Wolle zu ersetzen, sei schwieriger. Ein warmer veganer Ersatz sei beispielsweise Polyestervlies. Dies sei jedoch nicht umweltfreundlich, werde bei Lanius also auch nicht verwendet.

Kompromisse lassen sich in der Branche nicht immer vermeiden. Das beste Beispiel dafür ist Lanius' Bouclé-Mantel: „Wir sind auch nicht perfekt, aber wir kennzeichnen unsere Stücke entsprechend.“ Auf der Internetseite der Designerin können Kunden klar erkennen, wie das Stück produziert wurde. Aber auch die Kunden sind eben nicht perfekt: Sie nehmen den weißen Wollmantel gerne an – auch ohne Zertifikate.

www.lanius-koeln.de