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Silvesternacht in Köln: Anzeigen gegen Albers und Kölner Polizisten

Polizisten vor dem Hauptbahnhof in Köln.

Polizisten vor dem Hauptbahnhof in Köln.

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dpa

Köln -

Nach den massiven Übergriffen in der Silvesternacht sind bei den Ermittlungsbehörden nach Informationen der Kölnischen Rundschau zahlreiche Strafanzeigen gegen Beamte des Polizeipräsidiums Köln eingegangen. Sie werden aus Gründen der Objektivität von der Staatsanwaltschaft Aachen bearbeitet. Die Ermittlungen und Vernehmungen in diesen Fällen wird jedoch die Polizei in Düsseldorf übernehmen.

Zuerst wird geprüft, ob es tatsächlich Anhaltspunkte für Straftaten gibt, teilten die Behörden mit. Den Kölner Polizisten wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Sonderkommission „Neujahr“

Bei den Ermittlungen der Sonderkommission „Neujahr“ und den Vernehmungen der Opfer aus der Silvesternacht machten außerdem Frauen den in der Silvesternacht tätigen Beamten zum Teil schwere Vorwürfe, hieß es aus Ermittlerkreisen. So sollen Anzeigen nicht aufgenommen, Frauen in die Gruppe der Sexualstraftäter zurückgestoßen oder Hinweise auf Täter nicht verfolgt worden sein. Ein Fall ist den Behörden bekannt, in dem eine Frau von einer Polizistin hinter eine Absperrung zurückgeschickt worden sein soll.

Aus diesem Bereich wollte die Frau flüchten, weil sie sexuell belästigt wurde. Ob generell Opfer Polizisten wegen solcher Beschuldigungen angezeigt haben, teilten die Behörden gestern nicht mit.

Anzeigen gegen Wolfgang Albers

Außerdem gibt es eine Anzeige gegen den in Ruhestand versetzten Polizeipräsident Wolfgang Albers. Dies bestätigte Oberstaatsanwältin Anja Drossé, die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Um jedem Anschein nicht unabhängiger Ermittlungen von vornherein entgegenzutreten, habe die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen auch in diesem Fall der Staatsanwaltschaft Aachen übertragen.

Zahl der Anzeigen steigen

Die gegründete Sonderkommission (Soko) „Neujahr“ wird weiter mit Anzeigen überhäuft. Bis gestern gingen 581 Anzeigen bei der Polizei ein, davon 305 von Straftaten mit sexuellem Hintergrund. „Wir ermitteln gegen 13 namentlich bekannte Personen“, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Insgesamt sind 400 Stunden Videomaterial bei der Soko eingegangen. Mittlerweile arbeiten 120 der 135 Ermittler aus verschiedenen Kommissariaten des Polizeipräsidiums in der großen Kommission.

In verschiedenen Dienststellen herrscht nun große Personalnot und eine hohe Arbeitsbelastung. Aus 40 Kommissariaten wurden im Schnitt drei Beamte abgezogen, darunter auch Dienststellenleiter.

In einer Mitarbeiterzeitschrift schwört der Leitende Polizeidirektor Michael Temme die Kollegen auf harte Zeiten ein: „Wir sind in Personalplanung und - einsatz am Limit angelangt. Reserven sind nicht mehr vorhanden“, heißt es dort. Rüdiger Thust vom Bund Deutscher Kriminalbeamter betont: „Aufgaben können aktuell nur noch zeitverzögert erledigt werden. Die Kollegen brauchen dringend personelle Unterstützung.“


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