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Stadtentwicklung: Kölns Konzept zur Landgewinnung

Köln braucht Bauland, vor allem für den Wohnungsbau. Deshalb könnten Flächen für Ein- und Zweifamlienhäuser wie auf unserem Foto in Widdersdorf-Süd zugunsten des Geschosswohnungsbaus umgewidmet werden.
(Foto: Gauger)

Köln braucht Bauland, vor allem für den Wohnungsbau. Deshalb könnten Flächen für Ein- und Zweifamlienhäuser wie auf unserem Foto in Widdersdorf-Süd zugunsten des Geschosswohnungsbaus umgewidmet werden.

(Foto: Gauger)

Köln -

Köln bekommt Zuwachs und benötigt bis 2030 rund 52 000 zusätzliche Wohnungen. Um sie zu bauen, sind jedoch derzeit nicht genügend Grundstücke verfügbar. Während für neue Ein- und Zweifamilienhäuser ausreichend Platz vorhanden ist, decken die vorhandenen Flächen für Mehrfamilienhäuser nur zwei Drittel des Bedarfs. Für 13 300 Wohnungen müssen noch Standorte gefunden werden. Um weiteres Bauland zu gewinnen, will die Stadt neue Wege gehen, die sie unter Beteiligung der Wohnungswirtschaft und -politik im Stadtentwicklungskonzept Wohnen erarbeitet hat.

Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik prognostiziert, dass die Einwohnerzahl Kölns weiter ansteigt – bis 2020 um über 48 000 auf rund 1 065 000 – und danach wieder sinkt – bis 2030 auf knapp über 1052000 Bürger. Damit sie in Köln ein Heim finden, müssen über 50 000 Wohneinheiten (bis 2019 im Durchschnitt jährlich 3900 neue Wohnungen) entstehen. Zum Vergleich: Von 2010 bis 2012 wurden im Schnitt nur 2800 Wohneinheiten pro Jahr gebaut. Neben dem Bemühen um mehr geförderten Wohnungsbau gelte es daher, neue Flächen auszuweisen und baureif zu machen.

Aktuell stehen Grundstücke für 19 400 Wohneinheiten zur Verfügung, rund 9300 Einheiten könnten auf baureifen Flächen sofort realisiert werden, davon 7700 im Geschosswohnungsbau. Weitere Potenziale sieht das Dezernat für Stadtentwicklung vor allem in den Stadtbezirken Rodenkirchen, Lindenthal, Mülheim und Ehrenfeld. Um sie auszuschöpfen, will die Stadt die Umwidmung von Bauland, das für Ein- und Zweifamilienhäuser vorgesehen ist, zugunsten des Geschosswohnungsbaus prüfen.

Ferner will sie untersuchen, inwieweit innerhalb bestehender Quartiere weiterer Wohnungsbau möglich ist. Vor allem in den Siedlungen der 1950er und -60 Jahren vermutet sie Flächenreserven. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung will das Baudezernat ferner Stadträume definieren, in denen der Wohnnutzung Priorität eingeräumt und frühere Gewerbeflächen entsprechend umgewandelt werden könnten. Auch will die Stadt Flächen erwerben und verbunden mit wohnungspolitischen Zielsetzungen an Investoren weiterveräußern.

Kommunale Grundstücke könnten nach dem Strategiepapier künftig nicht mehr an den Höchstbietenden, sondern an den Investor mit dem besten Konzept zur Wohnbebauung vergeben werden. Inwieweit Nachbarstädte und -gemeinden zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes in Köln beitragen können, soll auf einer „Bürgermeisterkonferenz“ erörtert, Kooperationen ausgebaut werden. Auch wenn weiterhin das Prinzip „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gilt, will die Stadt auch neue Flächen am Stadtrand als Bauland ausweisen. Eine neue Wohnungsbauleitstelle bei der Verwaltung soll zudem Bauwillige in ihren Vorhaben unterstützen.

Er sei überzeugt, dass durch das Bündel von Maßnahmen und den Mix unterschiedlicher Strategien der Wohnungsbau effektiv angekurbelt werden könne, sagt der Dezernent für Stadtentwicklung, Franz-Josef Höing. Köln habe die Flächenreserven, vom Güterbahnhof in Ehrenfeld über das frühere Areal der Deutschen Welle in Raderthal bis zur Baumwollfabrik in Holweide, und unternehme bereits vielfältige Anstrengungen, sie auszuschöpfen. Höing ist überzeugt: „Die Stadtteile verändern sich und werden davon profitieren.“