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Kölnische Rundschau | Störung der Totenruhe: Longericher über Wohncontainer auf dem Friedhofsgelände entsetzt
22. January 2016
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Störung der Totenruhe: Longericher über Wohncontainer auf dem Friedhofsgelände entsetzt

Die Containerbaustelle ist gleich hinter der ersten Grabreihe.

Die Containerbaustelle ist gleich hinter der ersten Grabreihe.

Foto:

Reinnarth

Köln -

Bauarbeiter haben die Grasnarbe weggeschoben und 80 Zentimeter tiefe Gräben für Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen gezogen. Von der Wiese zwischen dem Eingang des Longericher Friedhofs am Heckweg und der ersten Grabreihe ist nur ein Saum geblieben. „Das stört doch die Totenruhe“, erbost sich Monika Mettbach. Als Kölner Sinti weiß sie genau, wie sich Fremdsein anfühlt.

„Der Friedhof ist doch kein Bauland.“

Sie habe nichts gegen Flüchtlinge, die aus einem Kriegsgebiet herkämen, doch eine Wohnstätte auf einem Friedhof sei doch „wohl nicht der Ernst der Stadt“. Schon aus Aberglaube und „wegen der Menschen, die abends zwischen den Gräbern rumlungerten“, würde sie niemals im Dunkeln auf den Friedhof gehen.

Heinz Wasserfuhr pflichtet der Friedhofsbesucherin bei und sagt: „Wollen die die Flüchtlinge hier lebendig beerdigen?! Der Friedhof ist doch kein Bauland.“ Es fehle ein Bauschild; man wisse ja nur aus der Zeitung, dass die Stadt gegraben habe, merkt Ehefrau Helga an. Und ihr Mann: „Das kann nicht das letzte freie Grundstück von Köln sein. An der Wilhelm-Sollmann-Straße sind doch große Flächen frei.“

Ihren Missmut hatten Bürger schon am Mittwoch so unmissverständlich im derzeit von der Stadtkämmerin Gabriele Klug kommissarisch verwalteten Sozialdezernat kund getan, dass sie die Bauarbeiten vorübergehend stoppte.

Auch Lokalpolitiker sind auf der Palme

Der Nippeser Bezirksbürgermeister Bernd Schößler ärgert sich über den kurzfristigen Versuch von Klug, am Mittwochabend ein Gespräch mit ihm für Donnerstag zu vereinbaren. Rund eine Stunde vorher hatte die Verwaltung der Rundschau schon mitgeteilt, es gebe am Folgetag ein Gespräch zwischen Klug und Bezirksbürgermeister. Weil Schößler in einer „aktuellen Stunde“ bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 28. Januar die Verwaltung hören will, erklärte ein Sprecher im Sozialdezernat gestern:

Der Bezirksbürgermeister habe „das Gesprächsangebot von Frau Klug nicht angenommen“. Das Vorhaben der Stadt sei „unfug“, sagte Schößler und der „Standort schlicht falsch“. Es fehle jeder politische Beschluss dafür. Mit der früheren Sozialdezernentin habe die Einbringung örtlichen Sachverstands besser funktioniert. Laut dem CDU-Stadtbezirksvorsitzenden Christian Möbius, verstößt das „inakzeptable Vorgehen“ der kommissarischen Dezernentin gegen Vereinbarungen zwischen Verwaltung und Politik. Ein Baustopp reiche nicht. Standortalternativen müssten her.