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Straftäter flieht aus Kölner Brauhaus: Vergewaltiger ist weiter auf der Flucht

Die Polizei hat den entflohenen Straftäter gefasst.

Die Polizei hat den entflohenen Straftäter gefasst.

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Polizei

Köln -

Spektakuläre Flucht eines Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Aachen in Köln: Beim Besuch im Brauhaus „Früh“ am Dom ist gestern Mittag der gefährliche Sexualstraftäter Peter Breidenbach geflohen. Der 58 Jahre alte Mann war unter Bewachung in dem Brauhaus und verschwand nach ersten Erkenntnissen durch ein Toilettenfenster. „Wir haben eine Fahndung nach dem Geflohenen eingeleitet“, sagte ein Polizeisprecher der Rundschau. Der 58-Jährige sei im Oktober 1991 zunächst für neun Jahre ins Gefängnis nach Aachen gekommen, teilte das Justizministerium mit. Anschließend kam der Diabetiker in Sicherungsverwahrung, weil das Gericht ihn als besonders gefährlich eingeschätzt hatte.

Straftäter, die lange Zeit im Gefängnis sind, müssen dem Sprecher zufolge mindestens viermal im Jahr ausgeführt werden. „Aber das hätte so nicht passieren dürfen“, sagte der Sprecher. Warum der Ausgang ausgerechnet in ein Brauhaus führte, konnten die Ermittlungsbehörden am Mittwoch nicht sagen.

Keine Perspektive auf Entlassung

Laut der Aachener JVA-Leiterin Reina Blikslager war es bereits die neunte Ausführung für den aus Köln stammenden Mann. Bisher habe es nie Zwischenfälle gegeben. Eine Perspektive auf Entlassung hatte er indes nicht. Bis auf eine Kurztherapie habe er sich bis dato therapeutischen Maßnahmen verweigert, sagte Blikslager im Gespräch mit der Rundschau: „Eine Aufarbeitung hat noch nicht stattgefunden“. Der Mann sitze wegen eines Haftbefehls der Kölner Staatsanwaltschaft ein. Die JVA-Chefin beschreibt den Geflohenen als „sehr starrsinnig“. Aktuell würde er gegen die Inhaftierung prozessieren.

Im Juli 1983 hatte der Mann auf einem Kölner Parkplatz einer Frau aufgelauert, sie an einen Baumstamm gefesselt und vergewaltigt. Zwei Wochen später vergewaltigte er eine zweite Frau und verschleppte sie in seine Wohnung. Er wurde vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 1989 wurde er entlassen, im Spätsommer 1990 vergewaltigte er mehrfach Prostituierte vom Kölner Straßenstrich. Er wurde erneut festgenommen werden. Das Landgericht verurteilte ihn zu neun Jahren Freiheitsstrafe und ordnete anschließende Sicherungsverwahrung an. Wegen der damaligen Höchstgrenze von zehn Jahren hätte er 2009 frei gelassen werden müssen.

Sachverständige beschrieb ihn als „sexuell sadistischen Straftäter“

Doch nachdem der Gesetzgeber diese Grenze gestrichen hatte, blieb der Kölner weiter in Sicherungsverwahrung. Laut früheren Presseberichten beschrieb ihn eine Sachverständige als „sexuell sadistischen Straftäter“. Es sei davon auszugehen, dass er in Freiheit erneut erhebliche Straftaten begehen werde. Das Landgericht Aachen entschied deshalb, dass er „weiterhin und wohl noch auf längere Dauer“ hinter Gittern zu bleiben habe.

Blikslager will nun mit den beiden Beamten der JVA klären, was in Köln passiert ist. Dann soll es auch um die Frage gehen, warum es bei dem Ausflug ins „Früh“ ging. „Möglicherweise hatten die Beamten und der Gefangene einfach nur Hunger“, sagte die Chefin und wählten zum Essen das Brauhaus.

Der Gesuchte ist etwa 188 Zentimeter groß, hat eine schlanke Statur und einen Oberlippenbart. Er war bekleidet mit schwarzen Springerstiefeln, einer khakifarbenen Cargohose und einem blauen Bundeswehrpullover ohne Emblem. Weiterhin trug er eine hellblaue Weste. Hinweise an die Kölner Polizei unter 0221/229-0 oder jede andere Dienststelle.