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Umnutzung des Industriehafens: Nur die Ellmühle soll im Hafen bleiben

Der Deutzer Hafen steht vor der Umwandlung: (1) Ellmühle, (2) Siegburger Straße, (3) Poller Kirchweg, (4) Eisenbahntrasse, (5) Südbrücke, (6) Schrottplatz, (7) Alfred-Schütte-Allee, (8) Drehbrücke.(Luftbild: Aerophoto)

Der Deutzer Hafen steht vor der Umwandlung: (1) Ellmühle, (2) Siegburger Straße, (3) Poller Kirchweg, (4) Eisenbahntrasse, (5) Südbrücke, (6) Schrottplatz, (7) Alfred-Schütte-Allee, (8) Drehbrücke.(Luftbild: Aerophoto)

Köln -

Der Deutzer Hafen soll mit Ausnahme der Ellmühle vollständig umgenutzt werden und zu einem Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsstandort ausgebaut werden. So sehen es die Pläne der Stadt vor, die in einer umfangreichen Studie die Voraussetzungen für das Vorhaben geprüft hat. Unter vier verschiedenen Planungsvarianten, die vom vollständigen Erhalt des Logistikstandorts über die Teilumnutzung bis zur völligen Aufgabe des Industriehafens reichen, favorisiert das Dezernat für Stadtentwicklung ein Konzept, das nur den Verbleib der Ellmühle und auf den übrigen Flächen Büro- und Dienstleistungsnutzung sowie einen hohen Anteil an Wohnen vorsieht. Das geht aus einem internen Verwaltungspapier hervor, das der Kölnischen Rundschau vorliegt.

In der bislang diskutierten Planung war die Umnutzung nur eines Teilbereichs der 35 Hektar großen Fläche vorgesehen, nämlich der Ostseite des Hafenbeckens entlang der Siegburger Straße, während die Westseite weiterhin industriell genutzt werden sollte. Nachdem nun das Ergebnis eines Lärmschutzgutachtens vorliegt und die Verwaltung auf Weisung des Stadtrats die verschiedenen Möglichkeiten genauer untersucht und ihre Planung vertieft hat, ist sie umgeschwenkt. Nicht zuletzt weil das Gutachten zu dem Schluss kommt, dass die Richtwerte an den Immissionsorten in der Nachbarschaft ausgeschöpft sind und eine Intensivierung der Hafenaktivitäten „nicht ohne Einschränkungen“ möglich ist.

Keine attraktiven Büroflächen

Zwar erscheint der Verwaltung unter diesen Vorzeichen eine Teilumnutzung planungsrechtlich noch immer möglich. Doch entstünden auf diese Weise „keine besonders attraktiven Büroflächen“. Gleichzeitig sei ein „Stillstand“ auf der westlichen Hafenseite zu befürchten, „da dort die Flächennutzung für den Hafenumschlag kaum optimiert werden kann“. Dagegen stelle die nun favorisierte, fast vollständige Umwandlung des Hafens „den größten Zugewinn an marktgängigen und nachgefragten Wohn- und Bürobauflächen wie auch an gemischten Bauflächen dar“, wie es in dem internen Papier der Stadtverwaltung heißt.

Nach der nun favorisierten Planung verbleibt die Ellmühle im Hafen, da ihre Verlagerung zu aufwendig erscheint (mindestens 100 Millionen Euro waren einmal als Kosten geschätzt worden). Längs der Eisenbahntrasse sind im Süden des Areals höhergeschossige Park- und Bürohäuser dargestellt, die den übrigen Hafen vom Lärm des Zugverkehrs abschirmen. Westlich der Mühle und südlich der Einmündung des Poller Kirchwegs in die Siegburger Straße könnten Wohngebäude entstehen, die ausreichend Abstand zur Mühle hätten. Zur Minderung des Verkehrslärms könnte entlang der Siegburger Straße ein weiterer Riegel aus Park-, Büro- und Dienstleistungsgebäuden gebaut werden. Um die südlich an die Mühle angrenzenden Häuser vor Immissionen zu schützen, reichen laut Expertise Lärmschutzgrundrisse oder geschlossene Fassaden aus.

Knackpunkt bleibt nach Worten von Franz-Josef Höing, Dezernent für Stadtentwicklung, der Hochwasserschutz: Nach der Verschärfung des Wasserhaushaltsgesetzes darf in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden. Um dennoch die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, will Köln nach Vorbild der Stadt Mainz beim Umbau des dortigen Zollhafens eine Vereinbarung mit dem Land schließen. Vereinfacht dargestellt, sollen bereits versiegelte Flächen im Hafengebiet als Grundstücke ausgewiesen werden, die hochwasserangepasst bebaut werden können.

Die Stadt hat bereits mit Bezirksregierung und Land Gespräche geführt, die jedoch noch nicht abgeschlossen seien, erklärt Höing. „Das Thema hat durch die Hochwasser-ereignisse der jüngsten Vergangenheit zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen.“ Er sei aber zuversichtlich, „dass wir einen Weg finden, der Hochwasserschutz und Stadtentwicklung in Einklang bringt“, und hoffe, das Entwicklungskonzept für den Hafen nach Abschluss der Gespräche schon bald in die Ratsgremien geben zu können. Anlieger und Grundstückseigentümer wie die Strabag – der Konzern baut an der Siegburger Straße gerade einen neuen Bürocampus und besitzt auch Flächen im Hafen – begrüßen die vorgezeichnete Entwicklung. „Was bei einem Hochwasser aus den Schrottplätzen im Deutzer Hafen ausgeschwemmt wird, wirkt sich sicherlich viel negativer auf die Umwelt aus als ein hochwassergerechtes Bauen bei Einhaltung der heute wesentlich strengeren Standards“, so Rainer Maria Schäfer, Leiter des Bereichs Köln der Strabag Real Estate.

Ein lebendiges Stadtquartier schaffen

„Der Deutzer Hafen muss zu einem Kontrastprogramm zur Sterilität des Rheinauhafens werden“, sagt der Vorsitzende des städtischen Liegenschaftsausschusses, Jörg Frank. „Wir unterstützen die Umwandlung mit dem Ziel, ein lebendiges Stadtquartier mit einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe in Nachbarschaft zur Ellmühle zu schaffen“, betont der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen. Dabei sollte nach seiner Ansicht auch eine kulturwirtschaftliche Nutzung berücksichtigt werden.

„Natürlich würden wir die Planungsvariante bevorzugen, die den vollständigen Erhalt des Hafens vorsieht“, sagt HGK-Sprecher Dr. Jan Zeese. Eine Teilumnutzung sei jedoch auch aus Sicht der HGK die schlechteste aller Lösungen, da sie unweigerlich zu Konflikt en zwischen den unterschiedlichen Nutzern führe. „Zwar ist jeder Verlust von Logistikflächen schmerzlich, aber wir erkennen das übergeordnete gesamtstädtische Interesse, die positive Arbeitsplatzbilanz, die mit einer Umwandlung des Hafens verbunden ist, und vernünftigen Argumenten kann man sich nicht verschließen.“