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Weidenpescher Pferderennbahn: Helden halten sich wacker im Sattel

Wackelige Angelegenheit: Rodeo auf einem echten Bullen ist den Profis vorbehalten und gilt als sportliche Disziplin.

Wackelige Angelegenheit: Rodeo auf einem echten Bullen ist den Profis vorbehalten und gilt als sportliche Disziplin.

Köln -

Robert Lottmann erinnert ein wenig an Gary Cooper in dem 50er-Jahre-Westernfilm-Klassiker „Zwölf Uhr mittags“. Der Countrymusiker aus den Niederlanden trifft jedoch nicht auf einen Banditen am Bahnhof, sondern auf Country- und Westernfans, die vor der Bühne auf der Weidenpescher Pferderennbahn auf den Beginn des Musikprogramms warten. Das gehört zum Kölner Rodeo Country-Wochenende, das am Wochenende zum siebten Mal in der Domstadt stattgefunden hat und als größte Veranstaltung für Westernfans hierzulande gilt.

Der vorerst heißeste Tag des Jahres beginnt mit einem heftigen Regenguss – was Künstler und Zuschauer aber wenig beeindruckt. Ob Platzregen oder sengende Sonne: der Stetson, der typische Cowboyhut, schützt gegen beides gleichermaßen. Echten Westernfans, von denen am Wochenende 11 000 auf die Rennbahn kommen, können die Widrigkeiten des Wetters ohnehin wenig anhaben. Denn der Geist der Fan-Bewegung stammt ja aus dem Arbeitsalltag der Cowboys – und der setzte Wetterfestigkeit voraus.

Wer seinen Stetson oder anderes Zubehör vergessen hat, kann sich auf dem Westernmarkt ausrüsten. Über allem schwebt der würzige Duft von Gegrilltem. Der kommt aus dem Smoker, einem großen Ofen, in dem ein Barbecue von mariniertem Puten- und Schweinefleisch verlockend vor sich hin brutzelt.

Sich auf einen Bullen schwingen und versuchen, möglichst lange oben zu bleiben – das dürfen auch die Besucher, allerdings sicherheitshalber nur auf einer elektrischen Attrappe und über dick gepolstertem Untergrund.

Tierschützern ist Rodeo-Reiten ein Dorn im Auge

Auf richtige Tiere wagen sich nur echte Profis zur Begeisterung des Publikums. Das ist nicht nur ein Show-Höhepunkt, sondern für die Darsteller eine – wenngleich hierzulande als solche wenig bekannte – sportliche Disziplin.

Tierschützern ist Rodeo-Reiten indes ein Dorn im Auge: Andreas Wolter, Ratsmitglied der Kölner Grünen, kritisiert unter anderem die Sturz- und Verletzungsgefahr, der die Tiere um des Show-Effektes willen ausgesetzt würden. Die Tierrechtsorganisation PETA hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung für ein Rodeo-Verbot eingesetzt.

Versöhnlicher präsentiert sich der Wilde Westen hingegen beim traditionellen Volkstanz „Square Dance“. Mit Verve zeigen die Crowns & Flames die Kunst des „Tanzens im Quadrat“. Im Vordergrund schwingen bunte Tellerröcke; im Hintergrund agiert der „Caller“, der Ansager. Er gibt den Tanzpaaren die Schritte und Figuren vor – und sorgt mit ein paar Kommandos bei Bedarf auch für Ordnung. Denn im Idealfall geht jede Dame mit dem Herrn wieder von der Bühne, mit dem sie diese auch betreten hat. Wen es danach selbst in den Beinen juckt, der kann bis zum Abend auf der Rennbahn zur Musik von Madison, Texas Renegade oder White Falcon eine kesse Sohle auf den Scheunenboden legen.