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Wohnungsbaugesellschaft: GAG soll nicht länger an der Börse bleiben

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Meisenberg

Köln -

Die GAG Immobilien AG soll nicht länger an der Börse notiert werden. Das schlägt die SPD vor. Die Stadt ist Mehrheitseignerin des Unternehmens mit rund 88 Prozent der Aktien und ist nach Worten von SPD-Fraktionschef Martin Börschel in der Lage, einen solchen Schritt zu beschließen. Damit würde die GAG die Verpflichtung zur Kapitalmarktorientierung und zur Maximalrendite bei allen Investitionen verlieren, die ihr derzeit ein größeres Engagement im sozialen Wohnungsbau erschwerten, wie Börschel erläuterte.

Die Stadt sieht in der GAG ein wichtiges Instrument der Wohnungspolitik: Die Gesellschaft leistet seit ihrer Gründung einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum. Dieser Aufgabe kommt nach Worten Börschels angesichts des schon jetzt angespannten Wohnungsmarkts und der Wachstumsprognosen für die Stadt eine immer größere Bedeutung zu. Auf der anderen Seite werde sie durch die Verpflichtung zur wirtschaftlichen Kapitalmarktorientierung daran gehindert, ihrer sozialen Aufgabe in gewünschtem Umfang nachzukommen. Denn öffentlich geförderter Wohnungsbau verspricht weit weniger Rendite als der frei finanzierte.

„Die Gesellschaft ist bestens aufgestellt, aber trotzdem kann sie noch nicht alles, was wir von einer modernem Wohnungspolitik erwarten“, stellte Börschel fest. So habe die GAG im vergangenen Jahr lediglich rund 200 öffentlich geförderte Wohnungen gebaut, aber rund 40 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. „Das ist nicht im Sinne des Erfinders“, so Börschel. Auch der Schaffung sinnvoller, aber nicht zwingend notwendiger Infrastruktur wie der Bau von Spielplätzen stand der Zwang zur Kapitalmarktorientierung im Wege. Daher soll die Börsennotierung nach Vorstellung der SPD -Fraktion „schnellstmöglich aufgegeben werden“. Durch diesen Schritt werde die Gesellschaft außerdem von der Verpflichtung zur Bilanzierung nach internationalen Regeln befreit und könnte somit pro Jahr rund zwei Millionen Euro an Verwaltungskosten einsparen. Gleichzeitig sollen GAG, Stadtverwaltung, Kommunalaufsicht und Finanzbehörden prüfen, inwieweit die Stadt im Zuge eines so genannten In-House-Modells Grundstücke aus städtischem Besitz ohne vorherige EU-weite Ausschreibung zu Erfüllung wohnungsbaupolitischer Vorgaben an die GAG vergeben kann. Im Wettbewerb mit freien Investoren um die begehrten Baugrundstücke zieht die GAG mit ihrem sozialen Auftrag nicht selten den Kürzeren.

Der Börsengang der 1913 gegründeten Wohnungsbaugesellschaft liegt gut 20 Jahre zurück. Seitdem hat die Aktie enorm an Wert gewonnen – gestern lag der Kurs bei 43,10 Euro. Die Stadt hat im Laufe der Jahre immer mehr Wertpapiere zurückgekauft. Mit mehr als 88 Prozent besitzt sie die weitaus größte Zahl der insgesamt 16 729 775 Aktien. Zu den weiteren rund 650 Eignern gehören die GAG selbst, die Ernst-Cassel-Stiftung sowie Treuhänder (Mieter). Lediglich etwas mehr als drei Prozent der Wertpapiere sind im freien Besitz.