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Kölner Dieselnetz: Alter Talent soll Zugausfälle kompensieren

Im Zentrum der Kritik auf den Dieselstrecken rund um Köln stehen die neuen Fahrzeuge Coradia Lint 54 und 81. Die Technik weist zurzeit viele Mängel auf, zudem habe das Fahrzeug zu wenige Türen und deren Öffnen und Schließen dauere zu lange, weshalb es zu Verspätungen komme.

Im Zentrum der Kritik auf den Dieselstrecken rund um Köln stehen die neuen Fahrzeuge Coradia Lint 54 und 81. Die Technik weist zurzeit viele Mängel auf, zudem habe das Fahrzeug zu wenige Türen und deren Öffnen und Schließen dauere zu lange, weshalb es zu Verspätungen komme.

Köln -

Gut einen Monat nach Inkrafttreten des neuen Fahrplans hat die Geduld der Fahrgäste auf dem Kölner Dieselnetz und mit ihnen des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) ein Ende. Am Freitag drohten die NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek und Dr. Norbert Reinkober bei einem Pressegespräch in Köln der DB Regio NRW als Betreiber mit vertragsrechtlichen Konsequenzen, wenn die vertraglich festgelegten Leistungen nicht endlich erbracht werden. Schon für das vergangene Jahr musste DB Regio einen hohen einstelligen Millionenbetrag als Strafzahlung an den NVR zahlen. Als Sofortmaßnahme kündigte Dirk Helfert, der zuständige Verkehrsbetriebsleiter der DB Regio, den Einsatz von bis zu 20 Talent-Altfahrzeugen an. Denn im Zentrum der Kritik steht die neue Fahrzeugflotte Coradia LINT des Herstellers Alstom Transport. Nicht nur, dass bis heute erst 52 der 56 bestellten Züge ausgeliefert wurden, die Fahrzeuge stecken zudem voller Kinderkrankheiten. Geplatzte Schläuche, Undichtigkeiten und defekte Getriebe sorgen dafür, dass täglich durchschnittlich zehn Fahrzeuge nicht eingesetzt werden können, sagte Helfert. 231 Gewährleistungsmängel seien Alstom Transport in vier Wochen gemeldet worden. Weitgehend störungsfrei sei nur der Betrieb der RB 30 zwischen Bonn-Hauptbahnhof und Ahrbrück . Auf den übrigen Strecken der S 23 (Bonn Hauptbahnhof – Euskirchen – Bad Münstereifel), RB 25 (Köln-Hansaring – Gummersbach – Marienheide – Meinerzhagen), RE 12 (Köln-Messe/Deutz – Euskirchen – Gerolstein – Trier Hbf) und RB 24 (Köln-Messe/Deutz – Euskirchen – Kall/Gerolstein) sind Verspätungen, Zugausfälle und überfüllte Züge an der Tagesordnung. Und vor allem Berufspendler ärgern sich darüber, dass sie häufig ahnungslos auf dem Bahnsteig warten, weil es keine verlässlichen Informationen gibt. Die sozialen Netzwerke im Internet sind voll mit Beschwerden regelmäßiger Fahrgäste.

Aber auch Witterung und Infrastruktur bereiten Probleme. So erreicht nicht jeder RB25 sein Ziel Meinerzhagen, weil auf der Strecke teilweise nur mit 50 Stundenkilometer gefahren werden kann, das elektronische Stellwerk in Euskirchen funktioniert nicht, weshalb Bahnübergänge manuell überwacht werden müssen, und auf der Strecke nach Trier konnte bis vor kurzem das neue zweite Gleis nicht genutzt werden, weil der Lärmschutz nicht berücksichtigt wurde, wie Helfert zugab. Ein Anwohner hatte geklagt.

Trotzdem: Der NVR pocht auf die vertraglich zugesicherten Leistungen und fordert Überlegungen seitens DB Regio, wie Fahrgäste entschädigt werden können. Es könne nicht sein, dass die Kunden quasi zu Qualitätskontrolleuren nicht ausgereifter Fahrzeugtechnik würden, so Sedlaczek. Helfert berichtete, dass mit Alstom an einer Verkürzung der Türschließzeiten gearbeitet werde, zwei Sekunden seien schon geschafft, fünf weitere werden angepeilt, das soll vor allem auf der Voreifelstrecke Bonn-Euskirchen Verbesserungen bringen. Bis 2017 sollen zudem für die RE12/RE/RB 22, RB 24 und RB25 neun zusätzliche vareo-Mittelteile, finanziert aus den Strafzahlungen der DB Regio, angeschafft werden, um in den Hauptverkehrszeiten dann in dreiteiligen Zügen 600 Sitzplätze anbieten zu können. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die Fraktionen im Zweckverband NVR zudem langfristig die Elektrifizierung der Dieselstrecken voranzutreiben. Nicht auskömmlich und angemessen hält Sedlaczek zudem die Finanzierung des Nahverkehrs Rheinland.


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