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„City Outlet“: „Sie werden den Verkehr nicht merken“

Zahlreiche Bürger trugen
Fragen und Bedenken vor. Wolfram Erber befürchtet einen „Rückstau bis zum Kurhaus“.

Zahlreiche Bürger trugen

Fragen und Bedenken vor. Wolfram Erber befürchtet einen „Rückstau bis zum Kurhaus“.

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Mager

Bad Münstereifel -

Die Prognose, die Verkehrsplaner Dr. Peter Sienko im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt hat, ließ viele Münstereifeler aufhorchen. Es ist die Zahl der zusätzlichen Fahrzeuge, die demnächst das „City Outlet“ ansteuern werden, die die Bürger alarmiert. Deshalb ging Sienko bei der Bürgerversammlung in der Konviktkapelle vor 150 Besuchern näher darauf ein.

„Ich habe schnell Kritik dafür geerntet, dass ich gesagt habe, in Bad Münstereifel gebe es wenig Verkehr. Der Meinung bin ich aber immer noch.“ Die absoluten Zahlen seien nicht ausschlaggebend: „Eine große Anzahl von Autos werden Sie als nicht so störend empfinden, wenn der Verkehr fließt.“ Wenn allerdings weniger Autos einen Stau verursachten, sehe das anders aus.

Für seine Prognosen hatte Sienko drei Tage lang den Verkehr auf der B 51, dem Sittardweg, der Trierer Straße und der Nöthener Straße mit Videokameras erfasst. Die Vorschriften, wann der Verkehr gezählt werden dürfe, seien dabei sehr eng. „Ich versuche momentan, mit sieben Bällen zu jonglieren“, so Sienko. Festgestellt hat er, dass die Stadt mit Altlasten zu kämpfen habe, die in der Vergangenheit nicht angegangen wurden.

So etwa die Situation des Schülerverkehrs am Sittardweg. Er zeigte den Bürgern eine Videoaufnahme, die dort den „morgendlichen Verkehrskollaps“ dokumentiert. Nachdem die Schüler aus den Bussen südlich des Sittardwegs ausstiegen, querten sie anschließend den Weg wieder, um zum Schulzentrum und zum Angela-Gymnasium zu gelangen. Dadurch würden Fahrzeuge daran gehindert, die Brücke zu überqueren. Sämtliche „Elterntaxis“ würden auf den Aldi-Parkplatz abbiegen. Der Rückstau reiche bis in den Kreisverkehr, so dass auch die Fahrzeuge, die aus der Trierer Straße kämen, nicht weiterfahren könnten.

„Die Lage am Sittardweg ist völlig ungeordnet. Die Eltern denken, dass ihre Kinder keine Beine haben und bis vor die Schule gefahren werden müssen“, so Sienko. Dafür gab es Applaus. Entzerren will er die Situation mit einem Kreisel unmittelbar vor der Erft-Brücke und einen „Rausschmeiß-Parkplatz“. Im „Goldenen Tal“ könnten die Schüler westlich der Erft aus dem Auto steigen. Auch ein „Busbahnhof“ soll dort entstehen. So könne der Elternverkehr vom Outlet-Verkehr getrennt und die Situation entschärft werden. Heinrich Hachenberg war skeptisch. Er hatte morgens in diesem Bereich 200 „Elterntaxis“ gezählt: „Das funktioniert nicht.“ Gemeinsam mit Norbert Schroeteler hatte der Architekt bereits vor drei Jahren einen Plan für die südliche Vorstadt konzipiert. Der sah unter anderem einen Kreisel vor dem Orchheimer Tor vor, an dem die Busse hätten wenden können, nachdem die Schüler ausgestiegen wären.

„Elterntaxis“ verursachen Probleme

Aussicht auf eine Realisierung hat dieser Plan indes nicht mehr. Denn inzwischen haben die Investoren des „City Outlet Bad Münstereifel“ den Bereich für die „Buswendefläche“ erworben. Sienko betonte, dass der Landesbetrieb Straßen NRW diesem Konzept auch niemals zugestimmt hätte. Prüfen will der Planer die Möglichkeit, ob Busse mit Grundschülern und Michael-anern an Bord an der „Delle“ neben der B 51 halten können. Dieser Lösung könnte auch der Landesbetrieb Straßen zustimmen.

Kritik gab es an der Situation im Bereich der Nöthener Straße. „Ich wette mit Ihnen um eine Kiste Bier, spätestens am Tag der Eröffnung staut sich der Verkehr bis zum Kurhaus“, wetterte Anwohner Wolfram Erber. „Da sind wir einer Meinung“, so Sienko: „Aber dass dort 2000 Autos mehr fahren, ist Absicht. Das Outlet-Center wurde von den Leuten beschlossen, die Sie gewählt haben. Ich wette zwei Kästen dagegen: Sie werden den zusätzlichen Verkehr nicht merken.“ Bürgermeister Alexander Büttner räumte ein, dass es an „guten Sonntagen“ zu Staus kommen könne: „Das Verkehrskonzept wird den Verkehr nicht wegzaubern können.“ Über die Nöthener Straße sollen laut Prognose 65 Prozent des Outlet-Verkehrs in die Stadt kommen.

An den Gästen hat sich laut Sienko seit 400 Jahren in Bad Münstereifel nichts geändert. „Damals kamen die Kölner nach Münstereifel, ihnen wurde das Geld abgenommen und sie gingen mit unnützem Zeug nach Hause“, scherzte der Verkehrsplaner mit Blick auf das „City Outlet“.

Das umstrittene Parkhaus an der „Großen Bleiche“ verteidigte Sienko. Dadurch solle der Verkehr, der aus Richtung Nöthen von der Autobahn komme, vor der Trierer Straße abgefangen werden. „Sonst knallen die Autos alle auf den Kreisel am Sittardweg.“ Deshalb mache auch ein einziges großes Parkhaus im „Goldenen Tal“ keinen Sinn, da sonst dieser Verkehr zwangsläufig über die Trierer Straße rolle. Insgesamt seien die Verkehrsflüsse in Münstereifel „recht einfach zu bewältigen“.

Büttner kündigte an, dass bald beraten werde, ob es die heutige „Brötchentaste“, die Kurzparken zum Nulltarif ermögliche, auch weiterhin gebe. Fragen zum Verkehr in der Innenstadt konnte Planer Sienko noch nicht beantworten. In der Kürze der Zeit sei es bislang nicht möglich gewesen, sich mit diesem Bereich zu beschäftigen. Für Sienko und Büttner steht indes fest, dass motorisierte Gäste und Outlet-Kunden im Gegensatz zu Anwohnern die Stadttore nicht passieren dürfen. Etwas passieren muss unbedingt. Dazu Sienko: „Die Situation in der Innenstadt liegt an der Grenze der Zulässigkeit.“