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Kölnische Rundschau | „Löschzwerge“: Mit „Minis“ überfordert?
11. April 2013
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„Löschzwerge“: Mit „Minis“ überfordert?

Mit zehn Jahren beginnt derzeit fast überall im Kreis der Feuerwehr-Nachwuchs mit der Ausbildung. Das könnte sich bald ändern.

Mit zehn Jahren beginnt derzeit fast überall im Kreis der Feuerwehr-Nachwuchs mit der Ausbildung. Das könnte sich bald ändern.

Kreis Euskirchen -

Paul hat eine ganz konkrete Berufsvorstellung. Er möchte Bergretter werden. Wenn das wegen fehlender Berge rund um Roitzheim nicht klappt, dann hat der Fünfjährige schon einen Plan B: „Dann werde ich Feuerwehrmann.“

Um Mitglied bei der Feuerwehr zu werden, muss der „Feuerwehrmann im Geiste“ derzeit noch fünf Jahre warten. Bisher beginnt der Dienst in der Jugendfeuerwehr frühestens mit zehn Jahren. Wenn es nach der CDU in NRW geht, können aber schon bald Jungen und Mädchen ab sechs Jahren in die Feuerwehr.

Die Christdemokraten wollen im Land Kinderfeuerwehren einführen und hierin Kinder spielerisch an den Brandschutz heranführen. Die Kinderfeuerwehr wäre eine Vorstufe der Jugendfeuerwehr. In der bleibt der Feuerwehrnachwuchs, bis er mit 18 Jahren in den sogenannten aktiven Dienst übernommen wird. Einen entsprechenden Gesetzentwurf brachte die CDU gestern im Innenausschuss des Landtages ein.

Der Vorschlag der CDU sorgt bei den Verantwortlichen im Kreis nicht für Begeisterungsstürme. „Es kann nicht sein, dass wir auch noch Kindergarten spielen“, sagt Peter Ditz, einst Weiler

swister Feuerwehr-Chef. Er spricht sich zwar für eine Brandschutzerziehung von Kindern aus, von „Löschzwergen“ hält er nichts: „Die halten wir doch nicht bei der Stange. Die Zeit, bis sie wirklich mal ein Feuer löschen dürfen, zieht sich ja jetzt schon.“ Daher beträgt das Eintrittsalter in die Weilerswister Feuerwehr sogar noch zwölf Jahre. Laut Ditz werden derzeit in Weilerswist knapp 30 Jugendliche ausgebildet. „Die sind mit Spaß bei der Sache“, so Ditz, der immer noch als Brandschutzsachbearbeiter für die Gemeinde fungiert.

Für eine Ausbildung von Kindern ab sechs Jahren fehle nicht nur das Geld, sondern auch das Personal. „Und vor allem fehlt doch die Ausbildung. Wir sind doch keine gelernten Pädagogen, selbst wenn wir einige Väter und Mütter in den Reihen haben“, so Ditz.

Das sieht Alex Rheindorf, Euskirchens stellvertretender Wehrleiter, genauso: „Wir greifen in die Erziehung fremder Kinder ein. Dafür fehlt uns das entsprechend ausgebildete Personal.“ Auch, wenn der Terminkalender von Kindern im Alter von sechs oder sieben Jahren noch nicht so voll sei. „Bei Jugendlichen kommen Schule, Fußball und Freundin dazu. Da wird es schwerer, sie für die Feuerwehr zu begeistern“, so Rheindorf.

Trotz der Konkurrenz im Freizeitbereich gibt es im Euskirchener Stadtgebiet keine Nachwuchssorgen. „Wir haben sogar eine Warteliste für Kinder, die sich uns anschließen wollen“, sagt der Euskirchener Stadtjugendfeuerwehrwart Jens Keute. Von Nachwuchssorgen könne in der Kreisstadt also nicht die Rede sein. Allerdings sinke die Zahl der Quereinsteiger.

Kein pädagogisches Konzept für Sechsjährige 

Kreisweit sei die Situation im Nachwuchsbereich der Feuerwehren „durchwachsen“, sagt der Pressesprecher der Kreisfeuerwehr, Oliver Geschwind. Es gebe Kommunen mit Wartelisten, aber auch welche, die in einigen Jahren Probleme bekommen könnten.

Kreisjugendfeuerwehrwart Volker Brandhoff steht dem Vorstoß für eine Kinderfeuerwehr offen gegenüber: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels kann die Einrichtung von Kinderfeuerwehren eine Option sein, weitere Mitglieder für die Freiwilligen Feuerwehren zu gewinnen.“ Allerdings: „Bislang gibt es kein Konzept, das die Umsetzung dieses Gedanken beschreibt. Die Betreuung von Kindern ab dem sechsten Lebensjahr stellt eine besondere Herausforderung in pädagogischer und personeller Hinsicht dar.“

Genau dieses Konzept – wie die Arbeit mit „Löschzwergen“ umgesetzt werden könne – liege auch in Nettersheim nicht vor, so Gemeindebrandinspektor Winfried Dederichs. Die Feuerwehr verfüge nicht über ausgebildetes Fachpersonal, um die Kinder zu schulen. „Ich glaube, dass man hier mehr falsch als richtig machen kann. Ich kann doch keinen Sechsjährigen an ein Strahlrohr stellen.“ Falls die Idee verwirklicht würde, kämen auch hohe Kosten auf die Kommunen zu, alleine schon für die Bekleidung der Kinder, meint Dederichs.

Die Nettersheimer Wehr werde sich zwar nicht gegen die Ausbildung von Sechsjährigen sträuben, aber er sehe diese Idee als sehr problematisch an. Zudem sei es in der Gemeinde Nettersheim derzeit auch nicht so, dass es zu wenig Feuerwehrmänner gebe.

Hellenthals Gemeindebrandinspektor Ulrich Berners hält nicht viel von der Idee. Schon jetzt dauere es acht Jahre, bis die Zehnjährigen im aktiven Dienst eingesetzt werden könnten. Den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr selbst erscheine dieser Zeitraum viel zu lang. Wenn künftig auch Sechsjährige in die Jugendwehr aufgenommen würden, verlängere sich der Zeitraum um weitere vier Jahre. Die ausgebildeten Jugendwarte kämen mit der Ausbildung der Zehnjährigen gut klar. Es sei aber fraglich, ob dies mit Sechsjährigen auch so gut funktioniere.