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Demo: Von Wirksamkeit der Aktion überzeugt

Rund 1000 Demonstranten versammelten sich am Samstag auf dem Parkplatz am Rursee, um mit Gesängen und Reden gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk zu demonstrieren.

Rund 1000 Demonstranten versammelten sich am Samstag auf dem Parkplatz am Rursee, um mit Gesängen und Reden gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk zu demonstrieren.

Foto:

Hilgers

Schwammenauel -

Unter dem Motto „5 vor 12“ fand am Wochenende wieder eine Aktion gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk des internationalen Energiekonzerns Trianel am Rursee statt. Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ hatte zur Demonstration direkt am Rursee aufgerufen und rund 1000 Menschen waren gekommen. Und so hatten sich trotz des Regens viele Gegner des geplanten Speicherkraftwerks am Seehof in Schwammenauel eingefunden, um ihren Ärger kundzutun.

In wasserfeste Kleidung gehüllt und mit bunten Schildern „bewaffnet“, standen sie vor der aufgebauten Bühne, auf der ein Rahmenprogramm geboten wurde. Unter anderem Günter Hochgürtel, Manni Lang und Hubert vom Venn gaben sich dort die Klinke in die Hand.

Von der Wirksamkeit ihrer Aktion sind die Aktivisten überzeugt: „Es muss helfen, wir sind doch so viele“, sagte Andrea Deuster aus Schmidt. Sie glaubt, dass in den rund acht Jahren, die für den Bau des Pumpspeicherkraftwerks benötigt werden, der See und somit ihre Heimat systematisch kaputtgemacht werde. „Mich stören vor allem die großen Schwankungen im Wasserpegel, denen der See durch das Kraftwerk ausgesetzt sein würde. Und der Bauverkehr. Es werden unzählige Lkw durch Schmidt rollen.“

Deuster war nicht zum ersten Mal bei einer Aktion gegen das Kraftwerk dabei und hatte mehrere Dorfbewohner im Schlepptau. „Halb Schmidt ist hier. Wir finden das alle nicht gut.“ Informiert wird die eingeschworene Gemeinde aus Kraftwerkgegnern von der Bürgerinitiative übers Internet. Dort erhalten die Bürger regelmäßig Informationen, sodass alle immer auf dem Laufenden seien.

Am Tag vor der Demonstration hatte in Schmidt eine „Malstunde“ stattgefunden. Neue Schilder wurden eigens für die Veranstaltung am See gebastelt, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Nicht nur mit Gegenargumenten, sondern auch mit alternativen Lösungsvorschlägen ausgestattet war Maren Stollberg aus Vlatten. „Es gibt doch so viele Tagebau-Seen, an denen schon so viel kaputt gemacht wurde. Wieso baut man das Kraftwerk nicht dahin? Es ist mir schleierhaft, wieso man einen Nationalpark einrichtet und dann direkt auf der anderen Seite so ein Ding baut“, sagte sie. Außerdem sei ja nicht nur der See direkt betroffen, sondern es werde auch die Landschaft drumherum „aufgerissen“, um die nötigen Leitungen verlegen zu können.

Neben den vielen Besuchern waren einige Organisationen präsent, die teils aktiv Flagge bekannten oder im Einsatz waren. Zur Unterstützung der Heimbacher Feuerwehr war die Löschgruppe Hausen ausgerückt. Die Mitglieder der Feuerwehr hatten die Aufgabe der Verkehrssicherung übernommen. Marcel Marx und Julian Jörres von der Hausener Löschgruppe waren dem ganzen Trubel gegenüber neutral eingestellt. „Man muss sich ja immer beide Seiten anhören“, meinte Marx ruhig. Dennoch fanden die beiden es gut, dass die Bürgerinitiative so aktiv gegen das Kraftwerk vorgeht. „Man kann nie genug zeigen, dass einem etwas nicht gefällt, sonst ist es nachher zu spät.“ Auf das schlechte Wetter waren die Feuerwehrleute vorbereitet. „Natürlich wäre uns Sonnenschein lieber gewesen. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Wir sind gut eingemummelt“, lachten die beiden.

Die DLRGOrtsgruppe Heimbach nahm ebenfalls an der Demonstration teil. „In unseren Leitlinien steht, dass wir zu politischen Themen Stellung nehmen sollten. Nachdem wir in der Gruppe lange und unabhängig von den persönlichen Meinungen diskutiert haben, fiel der Entschluss, geschlossen als DLRG-Gruppe aufzutreten und zu zeigen: Wir sind dagegen“, erklärte Dr. Roland Reddelien, Leiter der Ortsgruppe. Die DLRG sei schließlich oft am See präsent und führe dort auch Übungen durch. Man mache sich vor allem Sorgen, dass der sanfte Tourismus, der sich nun langsam etabliert habe, durch den Bau des Kraftwerks Schaden nehmen könnte.

Außerdem seien die umwelttechnischen Auswirkungen auf die Lebewesen im See erheblich. „Wenn man mal auf unsere Nachbarländer schaut, wie zum Beispiel auf Luxemburg, sieht man, dass Seen, in denen solch ein Kraftwerk errichtet wurde, heute tot sind“, erklärte Reddelien. Durch das Kraftwerk selbst könnten außerdem veränderte Strömungsverhältnisse entstehen, wodurch sich die Unfallgefahr eventuell erhöhe. „Das möchten wir als DLRG natürlich nicht.“

Auch Abt Dom Josef vom Kloster Mariawald und Heimbachs Pfarrer Hans Doncks waren nach Schwammenauel gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Abt Dom Josef erklärte, er glaube, dass das Kloster Mariawald durch das geplante Kraftwerk an Attraktivität verlieren könne. Hubert vom Venn fragte ihn, ob er nicht seinen Draht zum Himmel nutzen könne, damit Trianel von seinem Vorhaben absehe. Es müsse ja nicht Pfingsten sein, das könne er gleich machen.