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Einbruch in Kirche: Auch vor dem Altar nicht haltgemacht

Mit einem Altarstein samt Reliquie hat der Täter  offenbar auf einen Türrahmen eingeschlagen. (Fotos: Hilgers)

Mit einem Altarstein samt Reliquie hat der Täter  offenbar auf einen Türrahmen eingeschlagen. (Fotos: Hilgers)

Oberhausen -

„Was mögen das für vergiftete Seelen sein, die sich am Allerheiligsten vergreifen?“ Pfarrer Philipp Cuck war wütend über das, was ein unbekannter Einbrecher gestern Morgen in der Kirche St. Josef in Oberhausen angerichtet hat. Cuck: „Wertgegenstände wie die Edelsteine vom Tabernakel, die der Einbrecher mitgenommen hat, kann man ersetzen. Aber am Allerheiligsten hat er nichts zu suchen. Da hört der Spaß auf.“

Dieter Ronig (72), der Ehemann der Küsterin, hatte den Täter auf frischer Tat ertappt und beinahe noch gefasst. Als Ronig gegen 9.40 Uhr die Kirche für die Bevölkerung aufschloss und das Gotteshaus durch einen Seiteneingang betrat, sah er sofort, dass dort ein Bleifenster zerstört war.

Edelsteine vom Tabernakel gestohlen 

Vermutlich hatte der Einbrecher durch das Fenster einsteigen wollen, aber nicht hindurchgepasst. Er ließ nicht von seinem Vorhaben ab, stattdessen startete er sein zerstörerisches Werk. Um in die Kirche zu gelangen, brach der Unbekannte die Eingangstür zur Sakristei auf. Der Holzrahmen wurde regelrecht herausgerissen. Doch um vom Vorraum der Sakristei in die Kirche zu gelangen, musste er eine weitere Tür aufbrechen. Dabei benutzte er einen alten Altarstein mit eingelegter Reliquie – bis der in Einzelteile zerbrach.

Der Einbrecher muss recht laut gewesen sein. Doch den Lärm in der abgelegenen Filialkirche hörte niemand – bis Dieter Ronig kam und Geräusche aus der Sakristei vernahm. Dort konnte Ronig noch die Beine des Täters sehen, als dieser durch ein geöffnetes Fenster flüchtete. Die Flucht muss so überhastet vonstatten gegangen sein, dass der Täter nicht die aufgebrochene Sakristeitür, vier Meter vom Fenster entfernt, nutzte. Ronig berichtete, dass er die Verfolgung aufgenommen und gesehen habe, wie der schwarz gekleidete Mann sich im Schnee überschlagen habe und dann den Berg hinter der Kirche hin-aufgeklettert sei. Beschreiben könne er den Täter nicht.

Ronig brach die Verfolgung ab und alarmierte die Polizei. Wenige Minuten später trafen mehrere Streifenwagenbesatzungen vor Ort ein, auch Hundeführer waren dabei. Sie folgten den Spuren, diese verloren sich in Höhe eines Discount-Marktes im Gewerbegebiet.

Auf der Suche nach Wertgegenständen ging der Einbrecher offenbar recht wahllos vor. Alle Schränke wurden aufgebrochen, der Inhalt auf den Boden geworfen – inklusive der nicht geweihten Hostien, die in der Sakristei aufbewahrt wurden. Mikrofone und Verstärkeranlage wurden samt Kabel herausgerissen und zum Abtransport bereitgestellt. Der Spieltisch der Orgel wurde aufgehebelt. „Zum Glück sind dort größere Zerstörungen ausgeblieben“, stellte Friedbert Weimbs von der Orgelbaufirma Weimbs später fest. Auch hat der Einbrecher versucht, den fest verankerten Tabernakel aufzubrechen. Dieser war nicht zu knacken, stattdessen wurden Edelsteine im Frontbereich gestohlen. „Diese Tat verstehe ich nicht, da sind doch keine Wertsachen drin“, sagte Pfarrer Cuck.

Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest. Diese wird das Bistum Aachen in den kommenden Tagen durch einen Gutachter ermitteln lassen.