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Badewelt in Euskirchen: Eine Thermenallee „ohne einen Baum“

Noch liegt die Euskirchener Badewelt an der Stresemannstraße. Bald soll daraus die Thermenallee werden.

Noch liegt die Euskirchener Badewelt an der Stresemannstraße. Bald soll daraus die Thermenallee werden.

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(Foto: Bühl)

Euskirchen -

Als Investor Josef Wund Mitte Dezember die Euskirchener Thermen- und Badewelt eröffnete, lud er seine Gäste in die Thermenallee 1 ein.

Diese Adresse existiert bis zum heutigen Tag nicht, vielmehr liegt das Palmenparadies am Ende der Stresemannstraße. Dazu mus man Folgendes wissen: Thermenallee 1 lautet die Anschrift der Großbäder, die Wund in Erding und Bad Wörishofen betreibt. Und in Euskirchen soll es nicht anders sein, so der Wunsch des Architekten und Geschäftsmanns.

Dass er die Zufahrt zu seinem Glaspalast quasi eigenständig umtaufte, stieß vor allem der Stadtverordneten Dorothee Kroll (Bündnis 90/Die Grünen) sauer auf. Sie fragte sich damals, ob neuerdings Investoren nach Gutdünken Straßen in Euskirchen umbenennen dürften: „Normalerweise sind dafür der Planungsausschuss und der Stadtrat zuständig.“

Am Eröffnungsabend übergab Bürgermeister Dr. Uwe Friedl (CDU) ein Straßenschild mit dem Namen „Thermenallee“ an Wund. „Der Ratsbeschluss hierfür ist zwar noch nicht gefasst, aber das werden wir nachholen“, kündigte Friedl bereit damals an, dass ein kurzes Stück der Stresemannstraße einen neuen Namen erhalten werde.

Zu der besagten Ratsentscheidung wird es am 8. März tatsächlich kommen, denn der Planungsausschuss fasste jetzt mit großer Mehrheit einen entsprechenden Empfehlungsbeschluss. Die Grünen spielten allerdings nicht mit. „Der Name Thermenallee wird von der Firma Wund schon jetzt durchgängig genutzt. Wir finden: Das geht nicht. Die Hoheit über die Benennung von Straßen hat immer noch der Stadtrat.“ Im Übrigen sei es maßlos übertrieben, das letzte Stück der Zufahrt als Allee zu bezeichnen. „Da steht kein einziger Baum“, bemängelte Dorothee Kroll.

Hier hakte Manfred Lutterbach (FDP) ein: „Wir fordern die Verwaltung auf, sicherzustellen, dass aus dem Straßenstück eine Allee wird.“ Im Dezember hatte Stadtsprecherin Silke Winter auf Anfrage dieser Zeitung gesagt, die Bepflanzung sei die Sache der Firma Wund.

Bürgermeister Friedl erklärte, der Text auf Wunds Einladungskarte sei nicht mit der Stadt abgesprochen gewesen: „Wir sind da ein bisschen überrollt worden.“ Allerdings habe der Investor sich auf die Mehrheit des Rates verlassen können, die schon vor der Eröffnung zugesagt habe, „dass er seine Wunschadresse bekommt“.

Die SPD-Fraktion sprach sich zwar wie das Gros des Ausschusses für die Umbenennung der Stresemannstraße aus, Ratsherr Horst Belter war allerdings nicht begeistert über Wunds Alleingang: „Das war alles andere als schön.“