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Praktikum in Tansania: Beeindruckt von der Wahlheimat auf Zeit

Für die Euskirchenerin war das Praktikum in Tansania ein unvergessliches Erlebnis.

Für die Euskirchenerin war das Praktikum in Tansania ein unvergessliches Erlebnis.

Euskirchen/Ungindoni -

Die Freude und die vielen schönen Erfahrungen merkt man Anja van Bonn in jedem Satz an, wenn sie über ihre kurzfristige Wahlheimat spricht. Die Euskirchenerin absolvierte in Tansania – genauer gesagt in einem kleinen Dorf namens Ungindoni, das gut eine Stunde von der 4,5 Millionen Metropole Daressalam entfernt ist, ein Praktikum. „Ich wollte für mein Abschlusspraktikum nicht schon wieder an eine deutsche Schule oder den Kindergarten nebenan, sondern unvergessliche Erfahrungen sammeln“, sagt die 23-jährige Lehramtsstudentin.

Daressalarm an der Ostküste Afrikas

Wie der Zufall es wollte, stellte die Studentenorganisation Aiesec in einer Vorlesung ihr Programm vor und schon packte van Bonn das Fernweh. Über Amsterdam ging es in das rund 11.000 Kilometer entfernte Daressalam an der Ostküste Afrikas und schließlich in die neue Heimat für die nächsten zwei Monate. Die Voraussetzungen für den Unterricht seien nicht ansatzweise mit Deutschland zu vergleichen. „Jeder Schüler hat dasselbe Heft für Mathe und Englisch, einen Bleistift und einen Radiergummi. Und für die gesamte Klasse gibt es ein Englischbuch, für Mathe gar keins“, berichtet van Bonn, die zum Abschluss ihres Studiums nur noch ihre Bachelorarbeit schreiben muss. Dies seien aber alltägliche Probleme, mit denen alle Lehrer zu kämpfen hätten. Denn Tische und Stühle fehlten ebenfalls. Die Unterrichtsvorbereitung sei dementsprechend wichtig, aber auch schwierig.

Ursprünglich sollte van Bonn in einem Waisenhaus die Kinder in den Nachmittagsstunden in Mathe und Englisch unterrichten. Die haben dann allerdings schon einen langen Schultag hinter sich – in einer öffentlichen Schule, in der nur die Amtssprache Swahili gelehrt wird. „Dadurch sprechen die meisten Kinder, wenn überhaupt, nur sehr schlechtes Englisch“, so van Bonn. Auch eine spätere Schulkarriere leide sehr häufig unter dieser Tatsache: „In der Sekundarschule werden alle Fächer in Englisch unterrichtet. Also selbst dann, wenn man das Geld für die Sekundarschule aufbringen kann, ist ein Kind von einer öffentlichen Schule dort meistens aufgeschmissen und somit von der höheren Bildung ausgeschlossen.“

Sinnvolle Beschäftigung am Vormittag

Doch wie verbringt eine deutsche Praktikantin den Vormittag in Tansania, wenn ihre Arbeit eigentlich erst am Nachmittag beginnt? „Weil ich den Vormittag nicht nur sinnlos im Haus verbringen wollte, habe ich mich darum bemüht, für diese Zeit eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. Leider ist es sehr schwer und voller bürokratischer Hürden, an einer öffentlichen Schule unterrichten zu dürfen“, so van Bonn.

Geklappt hat es trotzdem und die 23-Jährige konnte ihre Vormittage an der Schule verbringen. Um 14 Uhr ging’s dann zum Unterricht ins Waisenhaus.

Anja van Bonn unterrichtete in Tansania unter Bedingungen, die für Lehrer und Schüler in Deutschland schwer vorstellbar sind.

Anja van Bonn unterrichtete in Tansania unter Bedingungen, die für Lehrer und Schüler in Deutschland schwer vorstellbar sind.

Foto:

privat

Dort wurde aber nicht nur Englisch und Mathe gelehrt. Zwischendurch wurde auch immer wieder gespielt, um so Sprachbarrieren zu überwinden. Dem Nachwuchs habe vor allem Volleyball und Plumpsack ein Funkeln in die Augen gezaubert.

Beeindruckt zeigt sich die künftige Latein- und Geschichtslehrerin von der Gastfreundlichkeit der Bevölkerung, auch wenn man sich an deren Lebensstandard erst einmal gewöhnen müsse. „Es ist nahezu unmöglich, durch die Straßen zu gehen, ohne von einer wildfremden Person in ein Gespräch verwickelt zu werden. Leider ist das Englisch der meisten Einwohner dieses Dorfs sehr spärlich und reicht meistens nicht über ein «Hello, how are you?» hinaus, aber man hilft sich mit Händen und Füßen. Mehr als einmal ist es mir schon passiert, dass ich von Leuten, die ich gerade erst getroffen hatte, ins Haus eingeladen worden bin. Schlägt man solch ein Angebot aus, wird das persönlich genommen und als Beleidigung angesehen“, sagt die Euskirchenerin.

Spinnen in Arfika liebgewonnen

Sie habe in Afrika sogar Hausbewohner liebgewonnen, die ihr bis dato eher eine Gänsehaut über den Rücken jagten – Spinnen. Der Grund für den Sinneswandel: Die Tiere fressen Moskitos. „An die werde mich aber wohl wirklich nie gewöhnen“, sagt die Studentin, die sich in ihrer Kurzzeit-Heimat auch deshalb wohlfühlte, weil sie nicht die einzige Freiwillige war, die sich um den afrikanischen Nachwuchs kümmerte. Van Bonn: „Es war ein bunter, verrückter Haufen aus der ganzen Welt: Afrika, Südamerika, Asien, Europa, alles war vertreten. Ich habe so unglaublich viele nette Menschen kennengelernt, die ich alle schrecklich vermisse. Und ich habe so viel über die unterschiedlichen Kulturen gelernt. Zum Beispiel habe ich an meinem ersten Zuckerfest teilgenommen und bin jetzt stolzer Besitzer einer chinesischen Schattenmarionette.“

Zwei Dinge standen schnell fest: „Afrika gerne wieder, dann aber in einem eigenen Bett und nicht einem zu kleinen Hochbett“, sagt sie mit einem großen Augenzwinkern.