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Kölnische Rundschau | Euskirchener Firma: Den Spähern das Leben schwer machen
25. July 2013
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Euskirchener Firma: Den Spähern das Leben schwer machen

Mit ihrer „Tetraguard“-Software haben
Support-Leiter Patrick Klopp (v.l.), Support-Mitarbeiter Marc Bernscheidt, Azubi Fabio Siomoes und Beatrice Lange der Wirtschaftsspionage – auch durch  Nachrichtendienste – den Kampf angesagt. (
Foto: Mager
)

Mit ihrer „Tetraguard“-Software haben

Support-Leiter Patrick Klopp (v.l.), Support-Mitarbeiter Marc Bernscheidt, Azubi Fabio Siomoes und Beatrice Lange der Wirtschaftsspionage – auch durch  Nachrichtendienste – den Kampf angesagt. (

Foto: Mager

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Euskirchen -

Dass der US-Nachrichtendienst NSA und der britische Nachrichtendienst GCHQ mit „Prism“ und „Tempora“ massenweise deutsche Daten ausspioniert haben sollen, erregt die Gemüter. Auch bei der Euskirchener IT-Firma „Tetraguard Systems“ ist die Affäre Thema. Die Computer-Spezialisten entwickeln Verschlüsselungs-Software für Wirtschaftsunternehmen und Ministerien.

Mittlerweile fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen Unternehmen auf, mit geschäftlichen Daten sensibel umzugehen. „Es besteht die Möglichkeit, dass auf diese Weise sensible Unternehmensdaten amerikanischen Behörden zur Kenntnis gelangen, ohne dass klar ist, ob und in welcher Weise diese Daten dort genutzt oder weitergegeben werden“, so Axel Geiling vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer rät dazu, sich auf Firmen wie „Tetraguard Systems“ zu verlassen: „Wer sich auf Software regionaler Anbieter konzentriert und örtliche Rechenzentren nutzt, ist deutlich weniger anfällig für Wirtschaftsspionage und Datenklau.“

Spionage war bekannt

Wussten die Euskirchener Spezialisten von der Nachrichtendienst-Spionage? „Ja, mir war das klar“, sagt Managerin Beatrice Lange: „Wir haben in unseren Vorträgen immer wieder darauf hingewiesen.“ Schon 1993 habe der damalige US-Präsident Bill Clinton zugegeben, dass NSA und CIA offiziell beauftragt seien, „amerikanischen Unternehmen in ihren internationalen Geschäften behilflich“ zu sein. „Auch in Russland gibt es diesen öffentlichen Auftrag. Ebenso in europäischen Nachbarstaaten. Das wird momentan nur nicht so laut besprochen“, so Lange. Wie dies in Deutschland sei, wisse sie nicht. Vom Ausmaß der Affäre sei sie ebenfalls nicht überrascht. „Auch das war mir klar“, sagt sie.

Für Vorträge könne „Tetraguard“ häufig Referenten des Verfassungsschutzes gewinnen. „Die sagen immer, wie viele Mitarbeiter bei den ausländischen Geheimdiensten in den entsprechenden Abteilungen eingesetzt werden. Da kann man sich das denken“, sagt sie. Zu Bayers Rat, sich auf regionale Software zu verlassen, erklärt sie: „Nach deutschem Recht können wir Software ohne Backdoors schreiben.“ Denn durch diese einprogrammierten „Hintertürchen“ könnten Fachleute den Schutz umgehen. Der eigentliche Sinn des Programms sei somit dahin. Im Gegensatz zu Deutschland gebe es in anderen Ländern aber die gesetzliche Pflicht dazu.

„Tetraguards“-Software werde ohne „Backdoors“ programmiert. Das Verhalten der Unternehmen nach dem Bekanntwerden der Spionage-Affäre wundert Lange: „Ich habe erwartet, dass jetzt eine gewisse Sensibilität entsteht.“ Doch vermehrte Anfragen zur Daten-Sicherheit oder gar Nachfragen hinsichtlich „Prism“ und Co. habe „Tetraguard“ so gut wie keine erhalten. „Warum sind die Firmen noch relativ ruhig? Und warum glauben die Mittelständler, dass sie nicht gefährdet sind?“, fragt sie. „Das Wissen über neue Technologien in Deutschland finden Sie im Mittelstand. Die großen Unternehmen schützen sich“, erklärt sie. Die Mittelständler täten das kaum. „Die fragen sich, warum ihre Daten interessant sein sollen.“ Auch Notare oder Anwälte, die mit ihren Kunden per E-Mail kommunizierten, erwähnt Lange: „Glauben Sie nicht, dass die die Mails verschlüsseln. Man kann davon ausgehen, dass sowas bei Prism mitgelesen wird. Das ist in den Köpfen noch nicht angekommen.“ Woran könnte das liegen? „Wenn eine Handtasche geklaut wird, ist sie weg. Wenn Daten gestohlen werden, sind sie noch da. Das ist die Krux“, sagt Lange.

Verschlüsselungen schützen

„Ich sollte wissen, wo meine Kronjuwelen liegen und sie so schützen, dass Unberechtigte sie nicht lesen können“, rät sie. Etwa durch Verschlüsselungen. Das schütze auch vor „Prism“. „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, stellt Lange klar. „Um aber an die verschlüsselten Informationen zu kommen, ist der Aufwand so hoch, dass er sich nicht lohnt“, sagt sie. Schließlich wisse man nicht, was man da überhaupt entschlüssele. Es werde gemunkelt, dass „Tempora“ zur Entschlüsselung einer einzigen Datei einen ganzen Tag benötige, wenn ein Nachrichtendienst die gesamte Rechenleistung seiner Supercomputer dazu bemühe. „Bevor ich Daten in die Cloud schicke, sollte ich wissen, was ich tue“, rät sie. Eine Cloud bietet Speicherplatz auf einem externen Server, so dass von vielerorts auf die Daten zugegriffen werden kann. Man könne nicht beurteilen, welche Wege die Daten nähmen, wenn man sie in einer Cloud ablege.

„Man sollte nicht so blauäugig sein und glauben, dass die Daten in Deutschland bleiben“, warnt Lange. „Das gesunde Misstrauen, das wir gegen Clouds haben, hat ja nun amtliche Unterstützung bekommen“, ergänzt Geschäftsführer Stefan Kistner. „Prism ist jetzt hoffentlich ein weiteres Puzzlestück, um das Bewusstsein für die Datensicherheit irgendwann mal komplett zu haben“, hofft Lange. Übrigens verschenkt „Tetraguard Systems“ auf seiner Homepage an Privatanwender eine kostenlose Verschlüsselungs-Software an Privatpersonen.

www.tetraguard.de