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Füchse im Kreis Euskirchen: Jäger blasen zur Jagd auf Meister Reineke

Bei Schnee und Frost ist Meister Reineke für die Jäger wesentlich leichter zu bejagen.

Bei Schnee und Frost ist Meister Reineke für die Jäger wesentlich leichter zu bejagen.

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dpa/Archiv

Kreis Euskirchen -

Am 7./8. Februar sollten sich die Füchse in den Revieren des Kreises Euskirchen möglichst in ihrem Bau verschanzen und alle auswärtigen Termine absagen. Zumindest, wenn ihnen ihr Leben lieb ist. Denn am Freitag und Samstag, 7./8. Februar, bläst die Kreisjägerschaft zur großen Jagd auf Meister Reineke.

In insgesamt 300 Revieren wird bei Vollmond das Gewehr auf den Fuchs angelegt. Und wenn die Witterung günstig ist, was bei gefrorenem Boden und Schnee der Fall wäre, könnte am Ende eine Strecke von mehr als 100 Tieren zusammenkommen. So die Einschätzung von Johann Jütten, seines Zeichens Hegeringchef in Hellenthal und stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft. „Bei Frost kommen die Füchse nicht mehr so gut in den Boden, um nach Kleintieren zu suchen. Und auf Schnee kann man sie natürlich besser erkennen“, sagte der Waidmann aus Giescheid unserer Zeitung auf Anfrage.

Johann Jütten hält die Fuchspopulation momentan für ziemlich hoch, was eine gezielte Jagd auf die Spezies seiner Ansicht nach sinnvoll macht. Sinnvoll deshalb, weil man so die Verbreitung des Fuchsbandwurms weiter eindämmt. 80 Prozent der geschossenen Tiere sollen den Erreger haben, der auch über Beeren auf den Menschen übertragen werden kann.

Nicht überall wird die Jagd auf Füchse mittlerweile als sinnvoll erachtet. Im Nachbarland Luxemburg etwa darf der rothaarige Geselle von April an nicht mehr geschossen werden. Die gesetzliche Regelung, die von Tierschützern sehr begrüßt wird, gilt zunächst für ein Jahr. Camille Gira, Luxemburger Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, sagte dazu Folgendes: „Wir essen ihn nicht, wir benötigen sein Fell nicht, und die Tollwut ist nicht mehr in Mitteleuropa.“ Die Chance, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, sei so minimal wie die, dass einem ein Ziegelstein auf den Kopf falle.

Das wird in Jägerkreisen natürlich ganz anders gesehen. Aber ganz wohl ist den Damen und Herren des edlen Waidwerks offenbar nicht bei der flächendeckenden Bejagung im Kreis, die sonntags um 11 Uhr ihren Höhepunkt mit der Streckenlegung im Hochwildpark Kommern finden soll. „Es ist nämlich vonnöten, unserer nicht jagenden Bevölkerung durch unsere Regionalpresse aufzuzeigen, wie ernst wir das Problem des kleinen Fuchsbandwurms nehmen und dass wir bereit sind, durch gezielte Bejagung etwas dagegen zu tun“, schreibt Hegeringleiter Johann Jütten an seine Jagdgenossen.

Nichts für den Kochtopf

Er bittet im gleichen Schreiben darum, dass sich die Jäger an besagtem Februar-Wochenende verstärkt dem Fuchsansitz verschreiben, „damit wir auch in diesem Jahr wieder eine beachtliche Strecke öffentlichkeitswirksam präsentieren können“.

Verwerten lassen sich die erlegten Füchse nur bedingt. Denn für den Kochtopf taugen sie nichts, und einen Pelzmantel lässt sich kaum noch jemand daraus nähen. „Da muss man ja damit rechnen, dass einen die Leute auf der Straße blöd anmachen“, so Jagdexperte Jütten. Man könne aus mehreren Fellen eine warme Decke nähen oder sich den Meister Reineke ausgestopft ins Jagdzimmer stellen. Ein Gerber wird jedenfalls bei der Streckenlegung im Hochwildpark vor Ort sein, das Kreisveterinäramt untersucht die Kadaver später auf Bandwurm und Tollwut. „Dass die gestreckten Füchse eine sinnvolle Verwendung erfahren, ist auch sehr wichtig für unsere Kommunikation nach außen“, heißt es im Jütten-Brief.

Als Mitglied des Vorstands der Kreisjägerschaft hat der Hegeringleiter natürlich auch mitbekommen, dass die Kritik an den Waidmännern in jüngster Zeit gewachsen ist, „vor allem in den städtischen Bereichen“. In der ländlichen Region habe man schon mehr Verständnis für die Hegebemühungen der Jäger.

Wie die Organisation Wildtierschutz Deutschland behauptet, liegen Studien vor, die besagen, dass sich die Fuchsbestände vergrößerten, wenn auf sie Jagd gemacht werde. Diese Einschätzung wird von den Jagdausübenden selbstredend nicht geteilt.