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Gericht: Krieg unter Hundefreunden

Euskirchen/ Bad Münstereifel -

Ein wegen Tierquälerei angeklagtes Ehepaar aus dem Bad Münstereifeler Stadtgebiet und elf Zeugen, allesamt Hundefreunde, trafen sich jetzt vor dem Euskirchener Amtsgericht. Freunde werden die Prozessbeteiligten wohl nicht mehr.

Im Vorfeld hatte eine Zeugin in einem Internet-Forum die Angeklagten bereits mit wüsten Beschimpfungen bedacht – und erhielt dafür von Staatsanwalt Ralf Zander eine Rüge. Nach sechs Stunden Verhandlung wurde das Ehepaar freigesprochen, weil es allen Zeugen – bis auf einen Tierarzt – an Glaubwürdigkeit gemangelt habe, so Richterin Julia Hodouschek.

Die beiden Angeklagten züchten große Hunde. Vor drei Jahren hatte die Anzeige einer „Tierschützerin“, wie sich die Frau selbst im Zeugenstand titulierte, das Züchter-Ehepaar in Verruf gebracht. Die Klägerin behauptete, an einem Tier aus dem Bad Münstereifeler Zuchtbetrieb schlimme Verletzungen festgestellt zu haben. Diese hätten von einem illegalen, telemetrischen Halsband hergerührt. Das Perfide an diesen Hightech-Bändern sei ihre Wirkungsweise. Wenn das Verhalten des Tieres seinem Besitzer nicht gefalle, werde das Halsband je nach Programmierung per Selbstauslöser oder ferngesteuert zu einem äußerst schmerzhaften Elektro-Schocker. Der Hund werde mit einem elektrischen Schlag auf den Kehlkopf gemaßregelt. Dies könne Brandwunden verursachen.

Und eben solche Brandmale, so die Zeugin, habe sie bei dem Hund aus der Zucht des Münstereifeler Ehepaares entdeckt: „Das sah aus, als sei das Tier mit einem Kontakt-Grill misshandelt worden.“ Als Beweis hatte sie ein Foto vorgelegt, das eine verbrannte Fellwunde zeigte. „Mit diesem Bildausschnitt kann ich gar nichts anfangen“, so der Staatsanwalt: „Das kann auch von einem Hamster oder einem Kamel stammen.“ Festgestellt, so die Zeugin unbeeindruckt weiter, habe sie die Wunden bereits 2007. Der Staatsanwalt wunderte sich, warum sie dies erst 2009 angezeigt habe. Eine schlüssige Antwort blieb aus.

Private Animositäten

Ähnlich verhielt es sich bei fünf weiteren Zeugen. Alle wollten die Verletzungen des Hundes bereits 2007 gesehen haben. Sofort tätig geworden, „wie das bei Tierquälerei angesagt ist“, sei jedoch niemand, konstatierte Richterin Hodouschek. Stattdessen habe man zwei Jahre verstreichen lassen. Dafür hätten sich die Beteiligten vor diversen Gerichten mit Verfahren gegenseitig das Leben schwer gemacht.

Dabei sei es offensichtlich um Auseinandersetzungen gegangen, so die Richterin, die aus privaten Animositäten entstanden seien. Einige der Verfahrensbeteiligten seien im gleichen Zuchtverband gewesen. Dann habe es Streit gegeben. Und das nun angeklagte Münstereifeler Züchterehepaar habe einen „regelrechten Krieg“ gegen den Rest der ehemaligen Zuchtverbandskollegen geführt, so Richterin Hodouschek.

Staatsanwalt Ralf Zander brachte es in seinem Plädoyer auf den Punkt. Lediglich der für die Hunde des angeklagten Ehepaares zuständige Tierarzt habe eine „glaubhafte Aussage gemacht“. Der Veterinär hatte erklärt, zu keiner Zeit bei den Angeklagten die umstrittenen Halsbänder oder Wunden bei den von ihm betreuten Tieren gesehen zu haben.

„Der Rest der Zeugen hat sich hier durch unglaubhafte oder nichtssagende Aussagen profiliert“, so der Staatsanwalt. Einige hätten sich sogar widersprochen. Also, so waren sich die Richterin, der Ankläger und der Verteidiger einig, könne das Ehepaar nur vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen werden.