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Kölnische Rundschau | Hundehasser in Euskirchen: Frauchen festgehalten, Welpe vergiftet
14. January 2016
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Hundehasser in Euskirchen: Frauchen festgehalten, Welpe vergiftet

Ihr kleiner Beagle Jakob ist wohl nach der Giftattacke über den Berg. Dennoch lässt Tanja Balkhausen ihren kleinen Schützling zurzeit keine Minute allein.

Ihr kleiner Beagle Jakob ist wohl nach der Giftattacke über den Berg. Dennoch lässt Tanja Balkhausen ihren kleinen Schützling zurzeit keine Minute allein.

Foto:

Nolden

Euskirchen -

Am Mittwochmorgen drehte Tanja Balkhausen wie fast jeden Tag in den Erftauen ihre Runde mit dem kleinen Jakob – ihrem Beagle. Oft macht sie den Spaziergang mit einer Freundin. An diesem Mittwoch war sie jedoch alleine unterwegs. Ein Umstand, der ihr zum Verhängnis werden sollte.

Nachdem sie die Hundewiese passiert hatte und weiter auf der Dr.-Rütten-Promenade Richtung Grillhütte spazierte, bemerkte sie zwei Personen. Es handelte sich nach ihren Angaben um ein Paar im fortgeschrittenen Alter. „Die beiden sahen ganz seriös aus“, erinnert sich Balkhausen am Donnerstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Paar soll etwa 70 Jahre alt gewesen sein. Während sie auf die beiden Senioren zuging, fiel ihr ein Gefrierbeutel in der Hand der Frau auf. Als sie die beiden arglos passierte, sei sie plötzlich gepackt worden: „Der Mann drückte mir die Hände auf den Rücken und hielt sie fest.“

Auf Damenfahrrädern das Weite gesucht

Er habe immer wieder gesagt, ‚‚diese Drecksköter“, so die Hundehalterin. Die hilflose Frau musste dann mitansehen, wie die Begleiterin des Mannes Wurst aus ihrem Beutel nahm und an Jakob verfütterte. Balkhausen schaffte es, sich zu befreien, trat nach hinten aus und ergriff mit ihrem Hund die Flucht. Die beiden Übeltäter hätten dann auf grauen Damenfahrrädern das Weite gesucht.

Es dauerte kaum eine halbe Stunde, bis Jakob die ersten Symptome zeigte. Der erst sechs Monate alte Welpe taumelte und wurde von Krämpfen geschüttelt. Tanja Balkhausen machte sich sofort auf den Weg zum Tierarzt. Zum Glück hatte der kleine Beagle vor wenigen Wochen erst eine Zahnspange bekommen. Darin hatten sich ein paar Kügelchen verfangen, die unter die Wurst gemischt worden waren. Tierärztin Claudia Lux habe deshalb sofort erkannt, was man dem Hund zu Fressen gegeben hatte: Schneckenkorn.

Das Pflanzenschutzmittel ist sehr giftig und greift das zentrale Nervensystem an. Für die Hundehalterin begannen nervenaufreibende Stunden. Mindestens fünfmal musste dem kleinen Hund der Magen ausgepumpt werden. Erst dann war das gesamte Gift aus dem Körper.

Mindestens 700 Euro wird die Halterin für die Behandlung zahlen müssen. „Sechs Stunden hat die Tierärztin um Jakobs Leben gekämpft“, so Balkhausen. Aber damit sei die Geschichte noch nicht ausgestanden gewesen. Zu Hause habe sich der Zustand von Jakob plötzlich wieder verschlechtert. Die Euskirchenerin musste mit ihm zum Notdienst. „Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen und an der Seite unseres Hundes gewacht“, so Balkhausen. Der kleine Kerl ist erst sechs Monate alt und lebt seit vier Monaten bei der Familie.

Hund nach Giftanschlag über den Berg

„Er ist ein Familienmitglied“, sagt sein Frauchen. Mittlerweile geht es dem Hund wieder etwas besser. Zwar ist er noch ein wenig wacklig auf den Beinen und muss eine Halskrause tragen, aber es sieht so aus, als wäre er nach dem gemeinen Giftanschlag über den Berg. Alleine lassen möchte Tanja Balkhausen das Tier im Moment aber dennoch nicht.

Gegen die Täter hat sie mittlerweile Anzeige erstattet: „Einige sagen, dass ich das sofort hätte tun sollen.“ Doch dafür habe sie zunächst keine Zeit gehabt, weil sie sofort zum Tierarzt musste. Erst von dort aus habe sie den Vorfall der Polizei gemeldet. „Einen derartigen Vorfall hat es hier noch nie gegeben“, sagte Polizei-Pressesprecher Norbert Hardt. Die Beamten haben mittlerweile eine Beschreibung der beiden Täter veröffentlicht. Der Mann ist demnach rund 1,85 Meter groß und sehr schlank. Er trug eine silberne Brille und hatte die silbergrauen Haare nach hinten gekämmt. Die Frau ist etwa 1,60 Meter groß und ebenfalls schlank. Sie trug eine silbergraue Kurzhaarfrisur und trug eine kleinkarierte grün-beigefarbene Hose. Beide sind etwa 70 Jahre alt.