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Impro-Theater: „Mord“ aus Eifersucht

Euskirchen -

Der Gehirnchirurg Wolfgang Breuer lag „tot“ auf dem Boden im „Schokolädchen“? Eindeutig ermordet. Aber wer hatte den Mord verübt? Die 32-jährige Metzgerin Amalie Leber? Oder die schuhsüchtige Logopädin Iris Strunk? Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus, das Euskirchener Publikum entschied mit 14 zu 13 Stimmen: „Es soll die Metzgerin sein.“

Diese Entscheidung bot gleichzeitig den Fahrplan für die weiteren Szenen des Stücks, denn die Zuschauer führten an diesem Abend Regie. Sie dachten sich die Namen, Alter und Berufe der Akteure aus. Die fünf Schauspieler des Bonner Improvisationstheaters „les-bon(n)mots“ hatten nur wenige Sekunden Zeit, sich die Handlung für die nächste Szene zu überlegen, bevor die Leiterin Eva-Maria Esch zusammen mit dem Publikum anzählte: „5-4-3-2-1- und los“.

Und schon hackte die zukünftige Mörderin am Tatort ihr Schwein im Schlachtraum Stück für Stück klein, während sie mit Wolfgang, ihrem Geliebten, heftig diskutierte – was schließlich im Mord aus Eifersucht endete. Vorher stand nichts fest. Das Alter, den Beruf sogar die Hobbys und kleinen Schwächen riefen die Zuschauer Richtung Bühne.

Das wurde von den Akteuren aufgegriffen. „Loslassen von den eigenen Ideen ist dabei die größte Schwierigkeit“, sagte Esch über die besonderen Herausforderungen des Improvisationstheaters: „Sich einlassen auf die Stichworte des anderen. Das muss man trainieren.“

Was die größte Befürchtung der Schauspieler sei, erklärte die Leiterin auch: „Ich stehe da und es passiert nichts. Es ist die Angst vor der großen Leere.“

Die befürchtete „Leere“ gab es aber nicht im Schokolädchen. Die fünf Akteure überzeugten bei ihren „Spielen“ mit Wortwitz und Improvisationstalent.

Unterschiedlichste „Tatorte“ im Vatikan oder als Gesangseinlage wurden geboten. Immer wurden die Zuschauer eingebunden. So mussten die Schauspieler als Selbsthilfegruppe „getarnt“ herausfinden, wovor sie eigentlich Angst haben. „Italienisch kochen“ lautete die Vorgabe des Publikums. Und so tasteten sie sich mit Hilfe der Intensität des Applauses vor. Rüdiger, das „arme Würstchen“ der Selbsthilfegruppe, kam als erster mit seiner Aussage „Meine Mama hat das früher immer gemacht“ auf die richtige Spur.

Bei ihrer Begrüßung im „Schokolädchen“ hatte Esch noch mögliche Applausklassen mit dem Publikum eingeübt: von „mäßig-schlecht“ (lauer Applaus) bis „als ob Robbie Williams im Schokolädchen wäre“ (tosender Applaus). Das Euskirchener Publikum entschied sich am Ende der Vorstellung mit großer Begeisterung gerne für Letzteres.


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