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Juniorwahl: 13-Jährige wählen ihren Bundestag

Stimmenauszählung bei der Juniorwahl: Tanja Tschernoster schaut Bedirhan (v.l.), Betül und Katrin über die Schulter.

Stimmenauszählung bei der Juniorwahl: Tanja Tschernoster schaut Bedirhan (v.l.), Betül und Katrin über die Schulter.

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(Foto: Reinnarth)

Euskirchen -

„Sie haben uns manipuliert!“ Der Vorwurf des Jungen aus dem Sozial-Wissenschaftskurs der Klasse 8 an der Willi-Graf-Europaschule lässt Lehrer Heinz-Philipp Großbach stutzen. „In dem Video war zu sehen, bei welcher Partei das Kreuz gemacht wurde“, erklärte der Junge, und dann findet auch Großbach, dass dies besser nicht gezeigt worden wäre. Er ist stolz, wie die teils nicht mal 14 Jahre alten Schüler im Unterricht aufgepasst haben, als es um Wahlen, Parteien und die Demokratie ging.

Die Jungen und Mädchen beantworten alle Fragen zum Prozedere der Bundestagswahl mit Bravour: „Es ist schon wichtig, dass keiner weiß, wen ich wähle, auch wenn es nicht verboten ist“, findet eine Schülerin und fügt hinzu: „Es ist meine Wahl, ob ich das sage.“ Und das Allerwichtigste an der Wahl, betont ein Klassenkamerad, sei, dass man überhaupt wählt: „Und zwar die Partei, die einem gefällt.“

Und dann geht es zur Freude von Tanja Tschernoster schon ans Eingemachte des Wahlprozedere. Die Lehrerin betreut die Juniorwahl an der Willi-Graf-Europaschule bereits seit zehn Jahren. Die Schüler scheinen genau zu wissen, warum es zwei Stimmen gibt: Der „linke Mensch“, wie Großbach zur Spalte für die Erststimmen gesagt hatte, „das ist der aus dem Wahlkreis. Der geht direkt in den Bundestag“. Und die zweite Stimme? „Die ist für die Parteien im Bundestag“, sagt eine Schülerin, und der Lehrer ergänzt: „Wir wählen also nicht die Bundeskanzlerin. Wer für Angela Merkel stimmen will, müsste sein Kreuz bei CDU machen.“

Die Schüler wissen auch genau, wie viele Kreuze sie machen dürfen. „Zwei“, sagt Jasmin. Doch ein Klassenkamerad weiß es noch besser: „Ich darf auch drei machen, aber dann ist die Wahl ungültig.“ Auch das ist erlaubt, findet der Lehrer und hört noch einen Hinweis: „Und nur ein Kreuz je Seite“, sagt eine Schülerin.

Dann wird es förmlich. Jeder der 80 Realschüler, die an der Juniorwahl teilnehmen, hat eine Wahlbenachrichtigung bekommen und muss diese am Eingang des Wahllokals (ein Klassenzimmer) vorzeigen. Katrin Hinsching und Betül Karacan führen gewissenhaft Buch und lassen sich – wie bei der richtigen Wahl – Ausweise zeigen, damit niemand zweimal wählt und auch wirklich zur Wahl berechtigt ist. Dann geht es in die Wahlkabine, damit niemand schauen kann, wo die beiden Kreuze platziert werden. Der Wahlschein ist identisch mit denen, die am Sonntag bei der Bundestagswahl benutzt werden. Dann wird der Schein gefaltet und unter Aufsicht in eine Pappurne gesteckt. „Haupt- und Realschüler sind nicht so theorielastig“, sagt Tschernoster: „Die Schüler haben durch die praktische Durchführung eine ganz andere Partizipation.“

Ausgezählt wird wenig später wieder unter Aufsicht, denn das Ergebnis aus Euskirchen soll bis Sonntag geheim bleiben und vor allem korrekt sein. Es wird nach Schluss der Wahllokale gemeinsam mit den Resultaten von mehr als einer halben Million Wahlgängen von Jugendlichen im gesamten Bundesgebiet im Internet gezeigt.

Jedes Kreuz wird zu einem Strich auf der Liste. Eine Erststimme für die NPD stößt auf die Ablehnung einer Euskirchener Schülerin, die auszählt. Sie belässt es aber bei der Unmutsäußerung und notiert auch das Votum für den rechten Kandidaten.

Der Rundschau haben nach dem Wahlgang einige Schüler verraten, was und warum sie gewählt haben: „Ich bin für die CDU, weil die für Unternehmen ist“, findet eine Schülerin aus der Klasse 10 a. „Denn mir soll es später in einem Unternehmen auch gutgehen.“ Für einen anderen Zehntklässler war der Grund, die Union zu wählen, „das gute Programm hinsichtlich der Schulpolitik in der Stadt“.

Mindestens einmal sind die Piraten gewählt worden. „Weil der Wahl-O-Mat das herausgefunden hat und es mit meiner Meinung übereinstimmt“, sagt ein Schüler der 10 a: „Und die Einstellung der anderen Parteien passt mir nicht.“

www.juniorwahl.de