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Kraftwerkspläne am Rursee: Für Trianel überwiegt das Positive

Das Maisfeld bei Strauch
würde beim Bau des Pumpspeicherkraftwerks  dem neuen Obersee weichen, der Windpark müsste verlegt werden.

Das Maisfeld bei Strauch

würde beim Bau des Pumpspeicherkraftwerks  dem neuen Obersee weichen, der Windpark müsste verlegt werden.

Foto:

Hilgers

Heimbach -

Am kommenden Mittwoch, 17. Oktober, zieht es den Rat der Stadt Heimbach wieder aus dem Sitzungssaal hinaus. Im Haus des Gastes geht es um 19 Uhr erneut um das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee. Seitdem das Aachener Unternehmen Trianel die Pläne dazu vor gut einem Jahr vorgestellt hat, bewegt das Projekt die Gemüter. Am Mittwoch wird das Unternehmen zu 60 weiterführenden Fragen der Verwaltung Stellung nehmen.

Man habe immer betont, dass man das Projekt nur mit der Region gemeinsam entwickeln werde. „Daher ist es wichtig, dass diese Fragen beantwortet werden, auch wenn wir mit einzelnen Betroffenen über den Stand dieser Fragen hinaus sind“, erklärte Trianel-Sprecher Elmar Thyen.

Vieles hat sich seit der ersten Vorstellung des Projekts konkretisiert. So geht man nun nicht mehr davon aus, während der Bauphase im Bereich des Staudammes ein Zwischenlager einzurichten. „Hauptflächen für Zwischenlager und Geräte werden am Oberbecken und in der Schilsbachbucht angeordnet“, heißt es in der bereits vorliegenden, schriftlichen Antwort. Klar scheint jetzt aber schon zu sein, dass auf die Heimbacher deutlich mehr Schwertransporte zukommen werden.

 200000 „Massentransporte“

 Trianel schätzt, dass während der gesamten sechsjährigen Bauzeit rund 200000 Massentransporte anfallen werden, Sondertransporte für Turbinen oder Trafos sind darin eingerechnet. Als Massentransport werden Lkw mit einer Beladung von mindestens 15 Tonnen bezeichnet. Im Mittel ergeben sich laut Trianel bei einem Baubetrieb von fünf Tagen je Woche durchschnittlich 115 Massentransporte oder stündlich sieben Fahrzeuge in der Zeit von 7 bis 22 Uhr.

Heimbachs Bürgermeister Bert Züll ist von dieser Aussicht nicht begeistert. „Es werden zwar in den Antworten permanent Einschränkungen gemacht und auf das frühe Bearbeitungsstadium des Projektes hingewiesen, aber wenn gebaut wird, kann das schon zu großen Einschränkungen führen“, sagt Züll.

Auch wenn Trianel sich bewusst ist, dass es durch den Baubetrieb und die Absenkung des Wasserpegels zu spürbaren Einschränkungen für die Bevölkerung und die touristischen Einrichtungen am Rursee kommen wird, geht der Energieversorger aus Aachen davon aus, dass die langfristigen, positiven Auswirkungen überwiegen werden – eine Einschätzung, die gleich mehrmals zu lesen ist.

Neben konkreten Entschädigungen für die Touristiker sollen für die Zeit des Baus Marketingkonzepte erarbeitet werden, die auch nach der eigentlichen Bauphase ein Miteinander von energetischer und wassersportlicher Nutzung ermöglichen. Konkret sieht das Unternehmen den Nutzen für die Bevölkerung nicht nur in den Gewerbesteuereinnahmen, sondern auch eine Aufwertung des Themas „Erneuerbare Energieerzeugung“ durch das geplante Besucherzentrum zum Thema Energie. Das werde das Image der Region fördern.

Gleichzeitig verweist Trianel auf die 200 bis 300 Monteure, die während der Bauphase in der Region untergebracht und verpflegt werden. Handwerkerleistungen würden ebenfalls bevorzugt an lokale Unternehmen vergeben. „Nicht zuletzt ist für den Betrieb des Wasserspeicherkraftwerkes von einer Schaffung von 10 bis 15 Arbeitsplätzen auszugehen“, schätzt das Unternehmen.

Hinsichtlich der Auswirkungen auf den Tourismus verweist Trianel auf einen Fachbeitrag auf der Homepage. Der Betrieb des Pumpspeicherkraftwerks hat demnach kaum Auswirkungen auf den Tourismussektor. Dass „Tourismus unmöglich wird“, sieht Trianel demnach nicht. Während der Saison von April bis Oktober, in der der Pegel wegen der Bauarbeiten in der Schilsbachbucht auf 240m NN abgesenkt werden muss, sei der Wassersport-Tourismus nur eingeschränkt möglich. „Allerdings sind andere Formen der Freizeit- und Tourismusnutzung wie Wandern, Radfahren weiterhin möglich“, heißt es schriftlich.

„Selbstverständlich wird man in dieser Zeit auch finanzielle Entschädigungen zahlen müssen“, sagte Sprecher Elmar Thyen. Über eine Höhe könne man beim jetzigen Stand der Planung noch nichts sagen, das werde einzeln verhandelt. Dem Segelverein habe man aber jetzt schon empfohlen, eine Statistik zu erheben. Thyen: „So hat man einen besseren Überblick und kann sicher auch stärkere und schwächere Jahre abbilden.“

Die favorisierte Lösung des „Sees im See“, eines Unterbeckens in der Schilsbachbucht, habe man frühzeitig geprüft und schon bei einer Veranstaltung mit den Wassersportlern in Heimbach vorgestellt.

 „See im See“ nicht möglich

 Jedoch sei diese Variante nach Abstimmung mit der Bezirksregierung nicht genehmigungsfähig. Der Grund: Durch den Bau gingen dauerhaft geschützte Flächen des Naturschutzgebiets verloren. Wie sich die Schwankungen des Wasserspiegels konkret auswirken werden, konnte bislang nur durch Modellrechnungen untersucht werden.

Aktuell laufen noch das Raumordnungsverfahren und die Änderung des Regionalplanes. Im Dezember beziehungsweise Januar kommenden Jahres soll der Erörterungstermin bei der Bezirksregierung stattfinden.

Auch Pläne für die möglichen Standorte solcher Kraftwerke in Thüringen und in der Nähe von Höxter werden durch das Raumordnungs- und Regionalplanverfahren weiter vorangetrieben. Thyen: „Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer 2013 entscheiden können, mit welchem Standort wir ins Planfeststellungsverfahren kommen werden.“

Energiewirtschaftlich seien aus seiner Sicht alle drei notwendig. Jeder der drei Projektstandorte habe seine Besonderheiten. Bezogen auf den Rursee stehe aber fest, dass der Standort für das Oberbecken in Strauch sehr gut sei. „Das ist ein Maisfeld und der Windpark muss verlegt werden“, sieht Thyen dabei wenige Probleme. Die Mehrfachnutzung des Sees sei sicher schwierig – aber auch handelbar.

 

www.trianel-rur.de


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