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Landwirtschaftskammer: Infos säen, Vertrauen ernten

Dünger erregt die Gemüter. Die Landwirtschaftskammer möchte nach eigenem Bekunden für Aufklärung sorgen. (Foto:dpa)

Dünger erregt die Gemüter. Die Landwirtschaftskammer möchte nach eigenem Bekunden für Aufklärung sorgen. (Foto:dpa)

Kreis Euskirchen -

Alles nur Einzelfälle? Hier der Brunnen in Scheuren, der wegen der Belastung des Wassers stillgelegt werden musste, wobei noch nicht feststeht, ob Dünger daran schuld ist. Dort die Beobachtungen vieler Bürger, wonach mit Dünger beladene Lkw niederländischer Herkunft vermehrt auf den Feldern im Kreis Euskirchen gesichtet werden. Es herrsche eine „große Emotionalisierung“, stellt Ewald Adams, der Direktor der Landwirtschaftskammer Aachen, Düren, Euskirchen, fest: „Und das ist verständlich.“

Angesichts dessen sieht sich die Landwirtschaftskammer veranlasst, mehr Öffentlichkeit zu wagen. Daran, so Adams selbstkritisch, habe es in der Vergangenheit gehapert. Gestartet wurde die Informationsoffensive gestern Morgen mit einer Veranstaltung im Euskirchener Kreishaus. Rund 70 Teilnehmer – Landwirte, Bürgermeister, Politiker und Umweltschützer – bildeten ein „schön gemischtes Plenum“, wie der Leiter des Kreis-Tiefbaufachbereichs, Achim Blindert, befand.

„Die Bürger haben sich schlau gemacht“, so Adams. Er warnte aber vor einer Verdammung des Einsatzes von Wirtschaftsdünger. Dieser geschehe nämlich im Sinne eines gesunden landwirtschaftlichen Kreislaufs: „Dort, wo viel Dünger produziert wird, soll er nicht bleiben. Er sollte dorthin gebracht werden, wo der Bedarf ist.“ Also auch in den Kreis Euskirchen, dessen landwirtschaftlicher Viehbestand seit 1990 um 22 Prozent gesunken sei. Daher müsse der Dünger von dort kommen, wo es mehr Tiere gebe. Wird aber zu oft und zu viel gedüngt? Wird den Böden zu viel Stickstoff zugeführt – mit fatalen Folgen für Mensch, Tier und Natur? Nein, antwortet Adams: Erhebungen hätten ergeben, dass die 1204 Landwirte im Kreis (468 davon im Vollerwerb) im Schnitt 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar im Jahr verwendeten – also weit unter der zulässigen Grenze von 170 Kilogramm.

Dass diese Zahlen allein noch nicht für „Friede, Freude, Eierkuchen“ sorge (Zuhörer), machte Dr. Jons Eisele deutlich. Der Vertreter des NRW-Umweltministeriums verwies auf den Kampf der Landesregierung für eine Verschärfung der Düngeverordnung auf Bundesebene. Dann würden auch die Reste aus Biogasanlagen bei der Einhaltung der 170 Kilogramm-Stickstoff-Grenze berücksichtigt. Dass dies noch nicht der Fall ist, stieß einem Besucher besonders auf: „Das ganze Zeug gelangt dann in die Nahrungskette, von da in den Körper und erzeugt Krebs.“ Er hoffe, so Eisele, dass die Verschärfung in diesem Jahr realisiert werde, denn: „Die Erfolge nach 20 Jahren Düngeverordnung sind bescheiden.“ Dass es auch unter den Landwirten die vielzitierten schwarzen Schafe gebe, gestand Adams ein. Diesen versuche das Land und die Landwirtschaftskammer beizukommen.

„Doch die Gefahr, kontrolliert zu werden, ist zwar nicht ganz so gering wie die Chance auf einen Sechser im Lotto“, stellte der Kreispolitiker Thomas Bell (Linke) fest. Groß sei sie aber auch nicht gerade. Braucht es also mehr Kontrolleure – mithin mehr Geld? „Wir versuchen die Effizienz der Kontrollen zu verbessern“, sagte Ministeriumsmitarbeiter Eisele, „etwa durch eine bessere elektronische Datenaufnahme.“ Eine Antwort, die vor allem bei den Umweltschützern im Saal nicht gerade für Erleichterung sorgte.


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