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Live-Übertragung: Viel Kritik am Trianel-Projekt

Projektleiter Markus Hakes und Umweltminister Johannes Remmel (l.) warben fürs Kraftwerk, Landrat Wolfgang Spelthahn war dagegen.

Projektleiter Markus Hakes und Umweltminister Johannes Remmel (l.) warben fürs Kraftwerk, Landrat Wolfgang Spelthahn war dagegen.

Schwammenauel -

Den größten Beifall erhielt gestern Wolfgang Spelthahn, der Landrat des Kreises Düren. Vom Saulus zum Paulus habe er sich gewandelt, hieß es: Bei der gut besuchten Live-Radiosendung "Länderzeit" des Deutschlandfunks im Seehof in Schwammenauel, die sich mit den Planungen für ein großes Pumpspeicherkraftwerk am Rursee beschäftigte, sagte er, zuerst sei er dem Projekt der Trianel-Gruppe sehr gewogen gewesen und habe sogar dafür geworben. Mittlerweile sei er aber ein strikter Gegner, weil er festgestellt habe, dass sich diese Technologie wirtschaftlich nicht lohne. Damit war der Dürener Landrat nicht alleine: In der Sendung überwogen die kritischen Stimmen gegen das Projekt.

Spelthahn: "Die Landesregierung hat der Region mit dem Nationalpark ein wunderbares Geschenk gemacht." Und nun wolle NRW, "dass ohne Rücksicht auf Verluste hier fünf bis acht Jahre lang Flora und Fauna umgegraben werden". Das verstehe er nicht.

Bereits am 15. März 2012 habe der Dürener Kreistag einen umfangreichen Fragenkatalog an Trianel gerichtet. Bis heute seien diese Frage nicht mal ansatzweise beantwortet. "Wenn ich in Deutschland irgendwo ein Gartenhäuschen plane, muss ich mehr Fragen vorweg beantworten als ein milliardenschwerer Investor", sagte Spelthahn: "Wir dürfen kein Experimentierfeld aufmachen und in der Eifel alles zerschlagen, um die Energiewende zu erproben." In der von Michael Roehl und Judith Grümmer flüssig moderierten Sendung sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel, es sei unbestritten, dass man Speicherkapazitäten wie das geplante Pumpspeicherkraftwerk brauche. NRW befinde sich in einem Standortwettbewerb mit anderen Regionen und habe Interesse an einer solchen Investition. Remmel rügte Spelthahn ausdrücklich: Der Eindruck dürfe nicht entstehen, dass derzeit eine Entscheidung über einen Baubeginn anstehe. Lediglich über die grundsätzliche Möglichkeit werde im Regionalrat befunden. Später sei Gelegenheit genug, darüber zu beraten, wie negative Auswirkungen begrenzt werden könnten.

Christoph Pranter, Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet den Rursee", sagte: "Wir sehen wenig Sinn darin, einen aufstrebenden Tourismus für ein Pumpspeicherwerk zu opfern." Dr. Markus Hakes, Projektleiter von Trianel, sagte, dass es Widerstand gegen ein solches Projekt gebe, betrachte er als ganz normal. "Wir sind nicht sicher, aber wir haben eine Vermutung, dass das Projekt gelingen kann. Lassen wir es darauf ankommen." Für dieses Statement erntete er jedoch eher höhnisches Gelächter.

Und auch Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister von Simmerath, musste sich Buh-Rufe gefallen lassen: Es sei nicht richtig, wenn behauptet werde, Heimbach sei gegen das Projekt und Simmerath dafür, hatte er zuvor kundgetan. Man sehe große Chancen, aber auch Risiken. Eine endgültige Entscheidung sei erst dann möglich, wenn alle Fakten auf dem Tisch lägen. Der Simmerather Rat werde sich vor der Sitzung des Regionalrats am 5. Juli noch einmal mit der Thematik beschäftigen.

Zu Wort kamen in der umfangreichen Sendung unter anderem auch Wolfgang Firk vom Wasserverband Eifel-Rur, "Seehof"-Geschäftsführerin Waltraud Heuken, Günter Becker (Segler) und Thorsten Flieg (Angler).