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Premiere in Zülpich: „Liga der alternativen Karnevalisten“ hält Politik den Spiegel vor

Der alternative Stadtrat mit Eva Lebertz (v.l.), Julius Esser, Jens Bongard, Isa Kovarik und Johannes Mahlberg. Seine Sitzung war dem Original nicht unähnlich.

Der alternative Stadtrat mit Eva Lebertz (v.l.), Julius Esser, Jens Bongard, Isa Kovarik und Johannes Mahlberg. Seine Sitzung war dem Original nicht unähnlich.

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Roberz

Zülpich-Füssenich -

„Können wir nicht noch mal ne Schule schließen? Das macht immer so viel Spaß.“ Der Vertreter der „Kleinen Partei“ konnte sich kaum noch bremsen, als er dem Zülpicher Rat diesen Vorschlag unterbreitete. Doch die „Große Partei“ und der „Bestimmer“ wussten noch einen draufzusetzen: „Wir könnten doch zuerst einmal eine neue Schule, zum Beispiel eine Gesamtschule, eröffnen. Kurz danach schließen wir dann wieder eine Schule und die anderen Kommunen beneiden uns dann um unsere vielfältige Schullandschaft.“

Die Zülpicher Politiker mussten sich am Sonntagabend so einiges anhören in der Sitzung, zu der die „Liga der alternativen Karnevalisten“ eingeladen hatte. Mit einer Sitzung des Zülpicher Stadtrats eröffneten Eva Lebertz, Isa Kovarik, Julius Esser, Jens Bongard (bekannt als Der Schwede) und Johannes Mahlberg ihre Sitzung vor 170 geladenen Gästen. „Entstanden ist die Idee zu dieser Sitzung an der Theke. Die Mitstreiter waren schnell gefunden, aber wir hatten nur zehn Wochen Zeit, die Sitzung auf die Beine zu stellen“, erzählte Isa Kovarik. So waren Freunde und Familienmitglieder der Protagonisten jetzt eingeladen worden zu testen, ob eine solche Veranstaltung überhaupt ankommen könnte.

Frei Schnauze

Und wie diese Sitzung ankam! Das überwiegend einheimische Publikum kam aus dem Lachen kaum noch heraus, als die fünf „Alternativen“ Zülpichs Politiker und Karnevalisten immer wieder aufs Korn nahmen. Hier wurde noch einmal zum Ursprung von Karnevalssitzungen und Büttenreden zurückgegangen: Frei Schnauze alles aufs Korn nehmen. Das sagen, was man schon immer mal gerne gesagt hätte – ohne dass es gleich von denen, die durch den Kakao gezogen werden, krumm genommen wird. Endlich einmal gut gemachte Satire statt platter Witze. Auch für Nicht-Zülpicher bot das Programm reichlich Amüsantes. So nahm Julius Esser als Marcel Reich-Radetzki den Karneval an sich auseinander und stellte als absoluter Karnevalsgegner fest: „Da entstehen dann solche Sachen wie Männerballett. Wer will das schon sehen? Wer will denn dicke Bäuche schwabbeln sehen?“

Nicht nur aufgrund der Engelsflügel erinnerte Reich-Radetzki an seinen Fast-Namensvetter Reich-Ranicki. Julius Esser kann dessen Aussprache so gut imitieren, dass es eine wahre Freude war, ihm zuzuhören. Den brandenden Schlussapplaus hatte er sich verdient.

Köstlich auch die Nummer „Funken suchen ein Zuhause“. Auf Strohballen sitzend begrüßte die Moderatorin (Isa Kovarik) Frau Päffgen (Eva Lebertz) von der Funkennothilfe in Zülpich, die vom traurigen Schicksal ihres mitgebrachten Funken berichtete. „Die armen Kerlchen werden nach der Session einfach ausgesetzt, weil die Halterinnen mit ihnen einfach nicht mehr fertig werden.“ Der Funke (Johannes Mahlberg) drehte sich derweil, wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt, im Affentempo um die eigene Achse und versuchte, den Schwalbenschwanz seiner Uniformjacke zu fangen. Mucksmäuschenstill war es zunächst, als Feldhamsterin Friedegunde (Isa Kovarik) die Bühne betrat. In feinstem Berliner Slang berichtete sie von ihrem Schicksal als vom Aussterben bedrohte Art, der man fast auch in Zülpich den Garaus gemacht hätte.

Volltreffer

„Ick stamm ja eijentlich aus der Hausbesetzerszene in Balin-Friedrichshein“, so die Hamsterdame. Ein Hamster namens Jupp habe ihr damals schöne Augen gemacht und ihr von einem Filetgrundstück am Zülpicher See berichtet. So zog das Paar von der Hauptstadt nach Zülpich, lebte hier friedlich in seinem Bau. „Bis die von der Laga mit so einem geschniegelten Lackaffen kamen und wollten, dass wir umziehen.“

Das rief zum Glück Natur- und Tierschützer auf den Plan. So konnten Friedegunde und ihre Nachkommen auf ihrem Filetstück am See bleiben. „Nur der Jupp, der ist verschwunden. Ich kriege weder Alimente noch ne Postkarte. Der ist wohl mit Reiherair ab nach Afrika.“

Einen Volltreffer landete die „Liga“ mit ihrer „Saalkapelle“, alias Wenzel Neuhöfer. Der Singer-Songwriter aus Aachen passte haargenau ins Programm.


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