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Pumpspeicher-Kraftwerk am Rursee: „Wir reden hier nicht über Peanuts“

Optimistisch: Wolfgang Fierk (Vorstand WVER, v.l.),  Ortsvorsteher Bruno Löhrer, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Städteregionsrat Helmut Etschenberg.
 

Optimistisch: Wolfgang Fierk (Vorstand WVER, v.l.),  Ortsvorsteher Bruno Löhrer, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Städteregionsrat Helmut Etschenberg.

 

Eifelland -

Als am Montagabend Landes-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) der Gemeinde Simmerath einen Besuch abstattete, wurde deutlich, dass das von Trianel geplante Pumpspeicherkraftwerk zahlreiche Befürworter hat. Städteregionsrat Helmut Etschenberg wurde bei dieser Gelegenheit deutlich. Der ländliche Raum habe jetzt die Chance, an Wertschöpfung vor Ort teilzuhaben. „Für die Gemeinde Simmerath bedeutet dieses Jahrhundertprojekt auch ein Stück Zukunftssicherung“, sagte Etschenberg.

Man gönne der Stadt Heimbach ihren großen Ferienpark und die daraus resultierende Steigerung des Tourismus. „Aber wir können auch die Erwartung ausdrücken, dass auch in dieser Stadt die Bereitschaft entsteht, der Nachbarschaft ein Stück mehr als bisher konstruktive Zusammenarbeit zuteilwerden zu lassen“, redete er Klartext. Denn letztendlich werde sich das neue 640 MW-Kraftwerk auch positiv für Heimbach und Nideggen auszahlen.

Auch Umweltminister Remmel warb in Strauch vehement dafür, alles zu tun, um die Trianel-Investition in NRW realisieren zu können: „Wir reden hier nicht über Peanuts, sondern in NRW über zwei große, dicke Brocken.“ Investitionen von jeweils einer halben Milliarde Euro stünden im Raum. „Wir sind auch in einem Wettbewerb mit anderen Bundesländern“, machte Remmel unmissverständlich klar.

Die Landesregierung werde gerne helfen, das Projekt zu ermöglichen, aber letztendlich müsse vor Ort entschieden werden, ob man diese Investition auch wolle. „Unsere Hand ist ausgestreckt, ich hoffe, Sie strecken die Hände genauso aus“, sagte Remmel. Zuvor hatte der technische Projektleiter von Trianel, Dr. Christof Schöpfer, den derzeitigen Stand des Verfahrens skizziert.

Demnach werde die Firma Trianel im zweiten Quartal 2013 ihre Gesellschafter um eine Entscheidung bezüglich der von dem Unternehmen in die Wahl gezogenen drei Standorte für ein neues Pumpspeicherkraftwerk bitten. Neben dem Rursee werden derzeit auch der Standort Nethe im Kreis Höxter und ein Standort im thüringischen Gotha untersucht.

Ein oder zwei Standorte kämen in die nächste Phase und es seien zwei Planfeststellungsverfahren durchzuführen: eins nach dem Wasserhaushaltsgesetz (für das Kraftwerk) und eins nach dem Energiewirtschaftsgesetz (für die Netzanbindung). „Wenn das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz geht, sollte das Pumpspeicherkraftwerk in Betrieb gehen können.

Das ist unsere Vision“, sagte Schöpfer. Sollte der Rursee favorisiert werden, müsse man für die Netzanbindung des Kraftwerks eine Leitung zum Hochspannungsnetz von Amprion installieren. Zwölf Kilometer seien zu überbrücken. Nach langen Diskussionen habe man nun beschlossen, nach Osten durch den Nationalpark zu gehen. Zwei Routen seien gefunden worden, bei denen man mittels bestehender Wege oder der Trasse einer bestehenden Ferngasleitung den Nationalpark queren könne, ohne einen Eingriff vorzunehmen.

Dr. Schöpfer gestand, dass Trianel Neuland betrete. Bislang sei sein Unternehmen kein Netzbetreiber gewesen. Und bislang sei auch noch kein solches 380 KV-Kabel, wie es für die Durchquerung des Nationalparks erforderlich ist, gebaut worden. Man habe aber eine Expertise eingeholt, dass diese Lösung technisch möglich sei, wenn auch noch viele Fragen zu lösen seien.

Für das neue Kraftwerk müsste der Regionalplan geändert werden. Das entsprechende Verfahren sei im Dezember 2011 eröffnet worden, der Erörterungstermin werde im November sein. Anfang 2013 könne das Verfahren abgeschlossen sein. Parallel dazu laufen die Raumordnungsverfahren für die Netz-Anbindung, alle Unterlagen werden derzeit offengelegt. Im November will die Bezirksregierung dafür den Erörterungstermin anberaumen, um die Ergebnisse dem Regionalrat an die Hand geben zu können. Auch dieses Vorfahren soll noch im ersten Quartal 2013 abgeschlossen werden.

In der auch von vielen Bürgern besuchten Veranstaltung im Pfarrheim von Strauch mahnte Prof. Dr. Detlef Müller-Böling von der Gemeinschaft der Sportfreunde Rursee, es dürfe nicht zu Wasserverschmutzungen durch starke Strömungen und die Aufwallung von Sedimenten kommen. Es müssten außerdem Lösungen gefunden werden, auch bei kurzzeitigem, starken Hub die Steganlagen nutzen zu können. Dr. Christof Schöpfer bat um Verständnis dafür, derzeit auf solche Fragen noch keine konkreten Antworten geben zu können: „Diese Aufgaben müssen wir dann angehen, wenn wir wirklich in die Planfeststellung gehen.“

Zu der Versammlung waren auch die Bundestagsabgeordneten Helmut Brand (CDU), Oliver Krischer (Grüne) sowie Bettina Herlitzius (Grüne) und die Landtagsmitglieder Karl Schultheis (SPD), Stefan Kämmerling (SPD), Reiner Priggen (Grüne), Axel Wirtz (CDU) und Peter Münstermann (SPD) angereist.