Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Pumpspeicherkraftwerk: Wer würde für Schäden haften?

Wasserschwankungen von zwei Metern

könnten durch das geplante neue Kraftwerk am Rursee entstehen.

Foto:

Hilgers

Eifelland -

CDU (17 Sitze) und FDP (vier Sitze) verfügen über die Mehrheit in diesem Gremium. Beide Fraktionen stehen dem Projekt jedoch immer skeptischer gegenüber (siehe Kasten).  So machte die CDU im Gespräch mit der Rundschau deutlich, dass sie gegen das Projekt stimmen werde, falls sich der Wasserverband Eifel Rur (WVER) bei einer für Juni anstehenden Sitzung dagegen aussprechen werde.

Dr. Wolfgang Firk vom WVER-Vorstand bestätigte unserer Zeitung, dass sein Unternehmen 14 Bedingungen formuliert habe, die von Trianel erfüllt werden müssten, damit der WVER das Projekt dulden könne. Nur zwei Punkte, so Firk, hätten bislang geklärt werden können:  So gebe es mittlerweile ein Gutachten, das bestätige, dass die Staumauer in Schwammenauel den prognostizierten Pegelschwankungen von bis zu zwei Metern problemlos standhalten könne. Firk: „Mittlerweile weiß man aber auch, dass die Böschungen den zu erwartenden Tidenhub nicht aushalten würden, so dass diese für etwa 50 Millionen Euro stabilisiert werden müssten.“

Alle anderen Punkte seien noch nicht geklärt. Firk: „Wir haben aber ein gewisses Verständnis dafür, dass man die entsprechenden Untersuchungen erst nach einer  Regionalplanänderung angehen möchte. Denn sollte der Regionalrat den Bau des Oberbeckens ablehnen, erübrigen sich ja sämtliche andere Gutachten, die zum Teil  sehr teuer werden könnten und deren Erstellung sehr zeitaufwendig wäre.“

Als besonders kritisch könnte sich eine vom WVER geforderte „Beweislastumkehr“ erweisen, wonach der WVER von einer Haftung für möglicherweise auftretende Schäden befreit wäre. Laut Firk könnten durch das Kraftwerk nämlich betriebliche Störungen auftreten, die heute noch gar nicht absehbar seien. „Nach der EU-Wasserrahmen-Richtlinie gibt es ein Verschlechterungsverbot für die Gewässerqualität“,  sagte der WVER-Vorstand der Rundschau.

Bei einem Betrieb des Kraftwerks würden die auftretenden Strömungen jedoch beträchtliche Ausmaße erreichen. Firk: „360 Kubikmeter pro Sekunde können da fließen. Dabei kommt es zu Seitenströmungen. Inwieweit diese in der seit 80 Jahren bestehenden Talsperre abgelagerte Sedimente in Bewegung versetzen, wissen wir nicht.“

Noch ein weiterer Punkt komme zum Tragen: „Wenn man das Wasser in das Oberbecken pumpt, hat man ja ein wesentlich kleineres Becken, das mit bis zu acht Millionen Kubikmetern befüllt wird.“

Laut Firk sind unten  maximal 200 Millionen Kubikmeter in der Talsperre. Das Wasser im kleineren oberen Becken dürfte sich  stärker als das im unteren Bereich  erwärmen. Dadurch werde es zu Temperaturströmungen kommen, wenn das Wasser wieder nach unten geführt werde. Die einzelnen Wasserschichten könnten  durcheinander geraten. Doch das dürfe nicht geschehen, ansonsten seien Qualitätseinbußen die Folge.

Laut Firk befinden sich in den Sedimenten Nährstoffe – etwa Phosphor: „Heute ist das Wasser des  Sees nährstoffarm. Wenn Nährstoffe  aufgewirbelt werden, kann dies zu einem stärkeren Algenwachstum führen. Dadurch würde das Gewässer getrübt.“

„Wenn sich die Gewässerqualität oder die Zustände an Böschungen oder am Damm  ändern sollten, wollen wir nicht nachweisen müssen, dass das auf Trianel zurückzuführen ist“,  stellt Firk klar. Im Gegenteil, Trianel müsse dem WVER nachweisen, dass Probleme nicht vom Kraftwerk herrührten. Über diese sogenannte „Beweislastumkehr“ gebe es derzeit aber noch keine Einigung zwischen den Parteien.

Damit eng verbunden sei natürlich eine Risikobewertung, die die Entscheidung, ob man eine solche Anlage überhaupt bauen wolle, tangiere.  Wasserbau-Institute könnten damit beauftragt werden, in  Simulationen  die anstehenden Fragen zu untersuchen. Diese seien aber sehr kostspielig und zeitaufwendig.

Die Unternehmensgruppe Trianel wollte sich gestern inhaltlich nicht zur Problematik  äußern. Sprecher Elmar Thyen sagte zur Frage der Beweislastumkehr und der Risikobewertung, dass solche Details grundsätzlich nur mit den beteiligten Vertragspartnern besprochen würden. Die Fragen, die von der CDU-Mehrheitsfraktion im Regionalrat dem Unternehmen zugeleitet worden seien (siehe Kasten), würden im Juni bei einer Partnerversammlung des Unternehmens erörtert.

 


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?