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Rurtalsperre: Thüringen und Ostwestfalen liegen vorn

Das geplane Pumpspeicherkraftwerk an der Rurtalsperre
hätte eine Nettoleistung von 640 MW und dürfte mindestens 700 Millionen Euro kosten. Bei Strauch würde der Obersee entstehen.

Das geplane Pumpspeicherkraftwerk an der Rurtalsperre

hätte eine Nettoleistung von 640 MW und dürfte mindestens 700 Millionen Euro kosten. Bei Strauch würde der Obersee entstehen.

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Trianel

Eifelland -

Bereits seit geraumer Zeit sorgen Planungen des Aachener Unternehmens Trianel, ein Pumpspeicherkraftwerk an der Rurtalsperre zu errichten, für Kontroversen in der Eifel. Das Eifeler Projekt steht jedoch in Konkurrenz mit Planungen für die Standorte Nethe im Weserbergland und Schmalwasser in Thüringen. Trianel hatte diese drei Standorte in einem über zweijährigen Prozess aus ursprünglich 3000 potenziellen Standorten ausgewählt.

Das Unternehmen hat bereits frühzeitig angekündigt, gebaut werde dort, wo die Planungen am ehesten zu realisieren sind. Würden alle drei Projekte verwirklicht, wäre eine Gesamtleistung von 2000 MW bei einem Investitionsvolumen von rund zwei Milliarden Euro realisiert. Die ursprünglichen Planungen sahen vor, dass die neuen Kraftwerke in den Jahren 2020 / 21 ihren Betrieb aufnehmen können.

Pressesprecherin Nicole Kolster: „Trianel-Projektleiter Dr. Markus Hakes hat im Februar in Tambach-Dietharz gesagt, dass alle genehmigungsfähigen Projekte eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit haben.“ Dieses Diktum gelte auch für die Rurtalsperre. „Die  über 40 an dem Wasserspeicherprojekt beteiligten Stadtwerke werden im Spätsommer 2013 entscheiden, welches Projekt mit erster Priorität weiterentwickelt wird“, ergänzte sie. „Klar ist, dass Trianel keinesfalls alle drei Projekte parallel in die sehr aufwendigen Planfeststellungsverfahren führen wird“, sagt Kolster.

Doch wie berichtet, schlägt den Planern aus der Stadt Heimbach geballter Widerstand entgegen: Verwaltung, Politik und Bürger fürchten um den Tourismus und haben Angst, dass bei einer Länge der Bauarbeiten von sechs bis acht Jahren in Zukunft die Gäste ausbleiben werden. Mittlerweile hat sich auch eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gegründet, die schon reichlich Zuspruch bekommen hat und eine eigene Internetseite (www.rettet-den-rursee.de) betreibt.  Diese Kritiker könnten mit ihren Einsprüchen beim Planungsverfahren einigen Sand ins Getriebe streuen. Und dies, obwohl aus der Gemeinde Simmerath, in der bei Strauch ein neuer Obersee errichtet werden soll, bereits seit geraumer Zeit positive Signale kommen.

Für Verunsicherung sorgte ein von den Kraftwerksgegnern  jüngst verbreiteter Pressebericht, nach dem das Pumpspeicherkraftwerk in Thüringen bereits beschlossene Sache sei. „Die solcherart verbreitete Aussage in der ,Thüringer Allgemeinen’ beruht auf einer Fehlinterpretation des Reporters, die seitdem mehrfach korrigiert wurde“, sagt Trianel jedoch zu dieser Berichterstattung. Schon jetzt deutet  vieles darauf hin, dass Trianel in Thüringen und Ostwestfalen auf weniger Widerstand als in der Eifel stoßen dürfte  (siehe Kästen).

Gleichzeitig schlägt hierzulande  dem Unternehmen Skepsis entgegen. Vermutungen werden geäußert, dass sich Trianel an den geplanten Projekten schlichtweg verheben könnte. Schließlich weise die Trianel GmbH selbst lediglich eine Bilanzsumme von 70 Millionen Euro aus, während es sich bei den geplanten Pumpspeicherkraftwerken doch um Milliarden-Investitionen handele.

Unternehmenssprecher Elmar Thyen lässt sich durch solche Argumente nicht aus der Ruhe bringen: Seit 2005 habe Trianel immerhin drei Milliarden Euro investiert. So wurde im Jahr 2007 in Hamm das erste kommunale Gas- und Dampfturbinenkraftwerk für 450 Millionen Euro gebaut, und für 250 Million Euro konnte in Epe ein unterirdischer Gasspeicher installiert werden.

Zum Jahreswechsel 2013 soll der Offshore Windpark Borken mit 80 Windkraftanlagen und einer Gesamtleistung von 200 MW ans Netz gehen. Hier beläuft sich die Gesamtinvestition auf über eine Milliarde Euro. Ebenfalls im kommenden Jahr soll das für 1,4 Milliarden Euro erbaute 750 MW-Kohlekraftwerk Lünen in Betrieb gehen. Bundesweit befinde sich, so Thyen, sein Unternehmen – was Investitionen im Energiesektor angehe – auf dem vierten Rang.

60 Stadtwerke stünden hinter der Aachener Gruppe. Diese entschieden selbst, in welcher Form sie sich in Einzelprojekte, die dann in Form einer GmbH & Co KG organisiert seien, einbringen wollten. Auch Trianel selbst beteilige sich jeweils mit fünf bis sechs Prozent.

Am 31. Oktober haben 45 Stadtwerke und Regionalversorger in Berlin ihre Partnerschaft beim Bau der Pumpspeicherkraftwerke bekräftigt. Besonders gelobt wurde eine positive Entscheidung der Thüringer Landesregierung zugunsten des Projekts. Gleichzeitig habe der Regionalrat einstimmig der notwendigen Regionalplanänderung für das Wasserspeicherkraftwerk Nethe zugestimmt.