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Sammlungen in Euskirchen: Vereine müssen Kosten für Altpapier-Abtransport künftig selbst tragen

Altpapierbündel werden nicht mehr in allen Euskirchener Ortsteilen von der Jugend abgeholt.

Altpapierbündel werden nicht mehr in allen Euskirchener Ortsteilen von der Jugend abgeholt.

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Mager

Euskirchen -

Bei vielen Vereinen und Pfarrgemeinden sind die Erlöse aus ihren Altpapiersammlungen fest im Jahresetat eingeplant. Teilweise sammeln sie das Altpapier im Euskirchener Stadtgebiet schon seit Jahrzehnten ein. In den meisten Fällen fließt das Geld in die Jugendarbeit. Doch nun melden viele Vereine, dass sich die Aktionen für sie nicht mehr rentieren. Denn die Stadt Euskirchen, die die Sammlungen bislang unterstützt hat, beschreitet neue Wege.

Bisher hat die Stadtverwaltung das Bringen und Abholen der Container, in die die Sammler das Papier warfen, bei den Entsorgungsunternehmen organisiert und auch bezahlt. Dafür kassierte die Stadt den Erlös aus dem Altpapierverkauf. Die Sammler – zuletzt waren es 13 Gruppen – wurden von der Stadt mit 30,68 Euro pro Tonne entlohnt. Der Preis ist laut Stadtkämmerer Klaus Schmitz nie verändert worden. „Als der Papierpreis gestiegen ist, gab es einige Vereine, die sich beklagt haben, dass sie zu wenig bekommen“, berichtet er: „Aber wir haben gesagt, dass es nicht mehr Geld gibt. In guten wie in schlechten Zeiten.“

Vereine dürfen weiter sammeln

Die Mitglieder des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden haben diese Förderung der Vereine über die Abfallgebühren aus gebührenrechtlicher Sicht als problematisch erachtetet. Vor den Sommerferien wurden die Gruppen angeschrieben und auf die Veränderungen hingewiesen. Laut Schmitz sieht das Kreislaufwirtschaftsgesetz nicht vor, dass Altpapier der Stadt überlassen werden muss. Also dürfen die Vereine weiterhin sammeln, müssen aber nun alles selbst organisieren und bezahlen.

Der TV Palmersheim hat bisher jedes Jahr zwischen 2500 und 3000 Euro für die Jugendarbeit aus den Altpapiersammlungen eingenommen. Rund 200 Jugendliche gehören dem Verein an. „Wir haben das mal grob durchgerechnet. Wenn wir im Sammelrhythmus von zwei Monaten bleiben würden, würde uns das etwa 900 Euro im Jahr bringen“, schätzt der Vorsitzende Björn Schmitz.

Doch der Aufwand der Vorbereitung erhöhe sich ja nun. „Das muss alles zusätzlich ehrenamtlich geleistet werden“, so Schmitz. Der Verein stellt seine Sammlung vom zwei- auf einen dreimonatigen Rhythmus um. Schmitz zeigt sich allerdings skeptisch, ob es sich lohnt, die Sammlungen aufrecht zu erhalten.

Finanziellen Folge nicht absehbar

Die Jugendgruppen an St. Matthias und die Messdiener der gesamten Pfarrei St. Martin Euskirchen stellen ihre Sammlungen zum neuen Jahr komplett ein. Seit 1977 hat die Pfarrjugend 149 Sammlungen durchgeführt. Mit den 30 Euro der Stadt sei man zufrieden gewesen, sagt Liesel Schaffartzik, langjährige Organisatorin der Papiersammlungen durch die Jugendgruppen von St. Matthias: „Wir waren da immer auf der sicheren Seite.“ Finanziert worden seien vor allem Jugendfahrten, aber auch Material für den Karnevalszug und die Gruppenstunden. „Es wurde aber immer weniger Papier. Früher haben wir 20 bis 30 Tonnen gesammelt. Jetzt sind wir froh, wenn es 15 bis 20 Tonnen sind“, sagte Schaffartzik. Sowohl sie als auch Björn Schmitz befürchten, dass die Einführung der blauen Papiertonnen im Stadtgebiet das Sammelverhalten der Einwohner ändert. „Das bedeutet wahrscheinlich, dass die Leute nicht mehr sammeln werden“, schätzt Schaffartzik.

Die finanziellen Folgen lassen sich laut Schaffartzik und Björn Schmitz noch nicht ganz absehen. „Wir stehen recht gut da und können das auffangen. Aber es wird den Verein belasten“, sagt Schmitz. Möglicherweise müsse man sich fragen, ob der Verein sich noch die bisherigen Hallenzeiten leisten könne. „Beitragserhöhungen sind eventuell eine Lösung“, so der TVP-Vorsitzende. Das sei aber ein schwieriges Thema.

Auf die Messdiener und Jugendgruppen kommen Einbußen von etwa 2500 Euro im Jahr zu, schätzt Diakon Werner Jacobs. „Bei der nächsten Leiterrunde überlegen wir, ob wir stattdessen zwei bis drei Aktionen pro Jahr durchführen, um Spenden zu bekommen“, erzählt er. Um die künftigen Konditionen zu klären, haben sich beide Gruppen frühzeitig mit dem Entsorgungsunternehmen Schönmackers, das mit der Abfallentsorgung in Euskirchen beauftragt ist, in Verbindung gesetzt. Die Pfarrgemeinde hat dabei schlechte Erfahrungen gemacht. Der richtige Ansprechpartner sei nie zu erreichen gewesen und versprochene Rückrufe seien nicht erfolgt, so Diakon Werner Jacobs. Da man nicht habe planen können, sei das Ende der Papiersammlungen beschlossen worden, erklärt Schaffartzik.

Jugendarbeit vieler Vereine betroffen

Björn Schmitz berichtet hingegen von dem Bemühen des Unternehmens, die Kosten des Vereins für die Sammlungen niedrig zu halten. Die Firma Schönmackers zahlt den Vereinen derzeit pro Tonne Altpapier 35 Euro. Der Preis, so teilte die Firma mit, richte sich nach den aktuellen Marktpreisen. Gleichzeitig stellt die Firma den Vereinen für den Transport eines Containers 75 Euro in Rechnung – Kosten, die vorher die Stadt übernommen hat.

Dass es von der Stadt lediglich das Schreiben im Sommer gab, ärgert Björn Schmitz: „Ich hätte gehofft, dass mal jemand anruft. Man kennt sich ja schließlich.“ Er könne verstehen, dass die Stadt Geld sparen müsse. Andererseits sei aber die Jugendarbeit vieler Vereine betroffen.

Liesel Schaffartzik sieht nicht nur den finanziellen Aspekt der Sammelaktionen wegfallen: „Es war für die Jugendlichen immer ein Gemeinschaftserlebnis.“